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CDU-Verlierer zieht sich aus Landespolitik zurück

Aber nicht ganz. Um den schnellen Zug nach Dresden will sich Rudolf Lehle weiter kümmern. Und um Döbeln.

Für Dr. Rudolf Lehle von der CDU haben die 29,8 Prozent der Stimmen nicht für ein Mandat gereicht.
Für Dr. Rudolf Lehle von der CDU haben die 29,8 Prozent der Stimmen nicht für ein Mandat gereicht. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Mit 31,7 Prozent der Wählerstimmen hat Lars Kuppi von der AfD Dr. Rudolf Lehle den Platz im sächsischen Landtag streitig gemacht.

„Ich freue mich riesig, dass ich es geschafft habe“, sagt Lars Kuppi. Er müsse sich zwar erst einarbeiten, weiß aber schon, dass er sowohl im Innenausschuss als auch im Ausschuss für Soziales, Verbraucherschutz, Gleichstellung und Integration mitarbeiten möchte. In den Innenausschuss will er seine Erfahrungen als Polizeiobermeister einbringen und sich in dem zweiten Ausschuss für alles einsetzen, was zur Verbesserung der finanziellen Situation von Familien beitragen kann. Der fünffache Vater lebt aufgrund seines Berufes derzeit in Chemnitz. Voraussichtlich zum Ende dieses Schuljahres wolle er aber wieder in seine Heimatstadt Döbeln zurückziehen, „in den Kreis, der mich gewählt hat.“

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Polizeiobermeister Lars Kuppi (AfD) hat 31,7 Prozent der Wählerstimmen erhalten und damit einen Platz im Landtag sicher.
Polizeiobermeister Lars Kuppi (AfD) hat 31,7 Prozent der Wählerstimmen erhalten und damit einen Platz im Landtag sicher. © Dietmar Thomas

„Es ist der Wählerwille. Ich bedaure es sehr für den Wahlkreis, dass der AfD-Kandidat das Rennen gemacht hat. Das erschwert die Verbindung zwischen dem Wahlkreis und der Regierung“, meint Dr. Rudolf Lehle. Er war für die CDU angetreten und musste Lars Kuppi den Vortritt lassen. 

Einen anderen Kandidaten, der auch zahlreiche Stimmen auf sich vereint hat, macht Lehle für seine Niederlage mit verantwortlich. „Die bürgerlich-liberalen Kräfte haben sich gegenseitig das Wasser abgegraben“, meint er. Schon am Wahlabend hatte die CDU in der „Schwarzen Sau“ analysiert, dass wohl die Direktkandidatur von Sven Weißflog für die Freien Wähler hunderte bürgerliche Stimmen gekostet habe.

Lehle kann dem Gesamtergebnis aber auch Positives abgewinnen. Ministerpräsident Michael Kretschmer habe einen wunderbaren Wahlkampf geführt. „Wir können dankbar sein, dass die CDU stärkste Kraft geworden ist.“ In Bezug auf sein eigenes Abschneiden sagt er: „Wer die Wahl verliert, muss die Konsequenz ziehen und sich zurückziehen.“ 

Allerdings nicht ganz. Im Mai wurde der 62-Jährige in den Döbelner Stadtrat gewählt. Dort will er sich vor allem für den öffentlichen Personennahverkehr, die Ausweisung neuer Baugebiete, die Turnhalle Döbeln Nord, das Schulzentrum Döbeln Ost und die weitere Sanierung des Gründerzeitviertels engagieren. „Demokratie heißt, Danke sagen“, meint Lehle. Und das möchte er allen, die ihn gewählt haben, auch wenn es nicht gereicht hat.

Die CDU ist in Mittelsachsen mit fünf Kandidaten ins Rennen gegangen. Nur drei ziehen direkt in den Landtag. In der Region Döbeln, eigentlich Kernland der Konservativen, hat sie ihr Direktmandat verloren. Auch in Freiberg gewann der AfD-Mann. „Das ist bitter, aber wir müssen das akzeptieren“, meint der CDU-Kreisvorsitzende Sven Liebhauser. Die CDU werde sich trotzdem weiter in die Landespolitik einbringen, „soweit das möglich ist.“

Ein Wahlsieger, auch wenn er kein Direktmandat geholt hat, ist Sven Weißflog. Nachdem die Freien Wähler zur Kommunalwahl in Döbeln 3,4 Prozent der Stimmen erhalten hatten, seien die 8,9 Prozent für den Bauunternehmer bei der Landtagswahl „eine klare Ansage“. Gleichzeitig bestreitet er, mit seiner Kandidatur anderen Parteien Stimmen weggenommen zu haben. 

Weißflog, der in Döbeln auch im Stadtrat sitzt, ist es wichtig, ehrliche Arbeit vor Ort zu leisten – besser und zeitsparender als bis jetzt. Er kritisiert die Art der Bereitstellung von Fördergeld vom Freistaat. „Wir müssen eine Feuerwehr kaufen, weil es gerade ein Förderprogramm dafür gibt. Besser wäre, wir brauchen eine Feuerwehr und bekommen zu diesem Zeitpunkt finanzielle Unterstützung“, nennt er ein Beispiel.

„Ernüchternd und enttäuschend“ ist das Wahlergebnis für die Direktkandidatin der Linken Marika Tändler-Walenta. „Wir haben verstanden. Wir müssen umstrukturieren und zwar auf allen Ebenen“, kommentiert sie das Ergebnis von etwa zehn Prozent für ihre Partei. „Aber ich nehme den Auftrag an“, sagt die resolute 35-Jährige, die mit Listenplatz 5 ein Mandat im Landtag sicher hat. Sie sagt: „Der Zeitgeist der Menschen im ländlichen Raum ist konservativ und nicht bei den Linken, aber auch nicht bei den Grünen.“ 

Und der ländliche Raum sei aus ihrer Sicht entscheidend für den Wahlausgang gewesen. Der hohe Stimmenverlust der Linken werde die Arbeit erschweren. „Mit weniger Leuten müssen wir die Neuausrichtung stemmen, aber das gehen wir an“, sagt die 35-Jährige, die als Direktkandidatin 10,9 Prozent der Stimmen erhielt. „Trotz der Niederlage möchte ich mich bei allen Wählern und bei den Wahlhelfern bedanken. Wir haben alles ehrenamtlich gestemmt – vom Wahlforum bis zum Plakate aufhängen.“

Schwerpunkt Kommunalpolitik

„Ich habe nicht erwartet, ein Direktmandat zu holen“, sagt Marie-Christin Anderfuhren (Bündnis 90/Die Grünen). Sie erhielt 3,3 Prozent der Stimmen. „Ich freue mich über das Gesamtergebnis der Grünen, hätte mir aber etwas mehr erhofft.“ Bitter sei, dass die AfD so stark ist, obwohl von ihr immer wieder verfassungswidrige Statements kommen. Anderfuhren sieht ihren Schwerpunkt nun in der Kommunalpolitik. Im Mai wurde sie in den Leisniger Stadtrat gewählt. Ehrenamtlich will sie sich in der Gruppe „Stadt aktiv“ engagieren „und wir wollen eine lokale Grünen-Gruppe aufbauen“, sagt sie.

Henning Homann bezeichnet das Abschneiden der SPD als sehr schlechtes Ergebnis. „Aber der Listenplatz 5 war sicher“, meint er. Somit zieht er als Direktkandidat zum dritten Mal in den sächsischen Landtag ein. Dass neben der SPD auch die Linken und Grünen landesweit schlecht abgeschnitten haben, führt Homann darauf zurück, „dass es vielen Wählern der fortschrittlichen Parteien wichtiger war, dass die AfD nicht stärkste Kraft wird, und sie deshalb CDU gewählt haben.“ 

Außerdem habe die schlechte Situation der Bundespartei der SPD in Sachsen geschadet. „Mein Ergebnis in meinem Wahlkreis liegt aber deutlich über dem auf Landesebene. Darüber freue ich mich.“ Jetzt gehe es darum, die Region Döbeln als Ganzes langfristig so weiterzuentwickeln, dass sie stärker von den wachsenden Metropolen profitiert. Ein wichtiger Baustein dafür sei die Bahnlinie nach Dresden. „Deshalb werde ich weiter für sie kämpfen“, so Homann.

Mit 6,9 Prozent hat Waldheim die meisten Stimmen im Altkreis Döbeln für die FDP geholt. „Das ist ein Ergebnis, das sich leider in Sachsen nicht umsetzen ließ“, sagt Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Er habe im Freistaat mit fünf Prozent gerechnet. Es sei eine demokratische Wahl gewesen, sagt Ernst in Bezug auf die AfD: „Jetzt müssen wir sehen, wie sich Sachsen weiterentwickelt.“

Der Leidensdruck in puncto Geldverdienen sei bei der Bevölkerung wohl noch nicht groß genug, meint Constanze Cyrnik. Die 4,6 Prozent Stimmen, die die FDP-Kandidatin erreicht hat, machen sie traurig. Ziele, die denen anderer Parteien ähneln, hätten die Wähler wohl veranlasst, eher die CDU zu wählen, damit die AfD nicht noch stärker wird. Politisch engagieren wolle sich die Lehrerin auch weiter. „In welcher Form steht aber noch nicht fest“, sagt die 47-jährige Roßweinerin.

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