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Celltechnik braucht supersauberes Wasser

Weil die Hausbrunnen in Lodenau Qualitätsprobleme haben, liefern die Rothenburger Stadtwerke. In riesigen Mengen. Doch das könnte sich ändern.

Celltechnik-Chef Volker Altus und Abteilungsleiter Hagen Schulz begutachten das Filtermaterial, das mit demineralisiertem Wasser gereinigt wird.
Celltechnik-Chef Volker Altus und Abteilungsleiter Hagen Schulz begutachten das Filtermaterial, das mit demineralisiertem Wasser gereinigt wird. © André Schulze

Die Produktion der Celltechnik in Lodenau ist sehr wasserintensiv. Vor allem Filterprodukte für die Lebensmittelindustrie haben einen hohen Qualitätsstandard und müssen in der Herstellung deshalb aufwendig gereinigt werden. Mit Verspätung bekommt das Werk nun die Trockenheit der letzten Jahre zu spüren. Denn mit dem Wasserzufluss gibt es extreme Schwierigkeiten.

Eisen und Mangan verstopfen Rohre

Volker Altus hat die Wassersituation in den vergangenen Jahren genau beobachtet. Als Chef der Celltechnik ist er in seiner Produktion auf das kühle Nass angewiesen. Zugleich betreibt das Unternehmen entlang der Neiße mehrere Wasserkraftwerke. Deshalb weiß er ganz genau: "Die Konzentration von Eisen und Mangan ist durch die fehlenden Niederschläge zuletzt immer weiter angestiegen. Das verstopft die Rohrleitungen und vermindert den Durchfluss." Das Unternehmen bezieht sein Wasser für die Produktion überwiegend aus mehreren, etwa 24 Meter tiefen, Brunnen. Doch was da aus dem Untergrund nach oben gefördert wurde, entsprach in jüngster Zeit nicht mehr den Anforderungen.

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Hoher Qualitätsanspruch für Filterprodukte

"Wir mussten deshalb reagieren", sagt Altus, "vor allem weil unsere mit Feinstfiltern ausgestattete Osmoseanlage durch den hohen Eisen- und Mangangehalt im Wasser immer wieder verstopft war und sich keine Besserung abzeichnete." Doch auf diese Weise gewonnenes demineralisiertes Wasser ist notwendig für die Reinigung von Holzmehl, das aus Sägespänen gewonnen wird. "Wir müssen alle Metallionen entfernen, weil das Filtermaterial auch in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommt."

Ein Viertel des Wassers liefern Stadtwerke

Die Reaktion der Celltechniker verschafft den Stadtwerken aus Rothenburg seit Mitte vergangenen Jahres einen - um ein Mehrfaches - erhöhten Trinkwasserabsatz. Wurden von dem Versorger aus der Neißestadt 2018 rund 3.000 Kubikmeter bezogen, waren es 2019 bereits 20.000. In diesem Jahr wird die Menge voraussichtlich auf das Doppelte steigen. Dabei macht das Stadtwerke-Wasser dann nur etwa ein Viertel des tatsächlichen jährlichen Verbrauchs aus. 2019 hat die Celltechnik rund 168.000 Kubikmeter in den unterschiedlichsten Produktionsschritten eingesetzt. Stadtwerke-Chef Ulrich Engelmann erklärt die unterschiedlichen Qualitäten so: "Die hydrogeologischen Verhältnisse sind offenbar völlig unterschiedlich. Wir sind in anderen wasserführenden Schichten unterwegs."

Hagen Schulz prüft die Osmoseanlage. Sie trennt Eisen- und Manganbestandteile aus dem Wasser, das seit vergangenem Jahr in großen Mengen von den Rothenburger Stadtwerken bezogen wird.
Hagen Schulz prüft die Osmoseanlage. Sie trennt Eisen- und Manganbestandteile aus dem Wasser, das seit vergangenem Jahr in großen Mengen von den Rothenburger Stadtwerken bezogen wird. © André Schulze

Ständige Abstimmung über Wasserlieferung nötig

Die Osmoseanlage wird jetzt also mit dem qualitativ hochwertigeren Trinkwasser aus Rothenburg gespeist. Zehn Kubikmeter in der Stunde verbraucht der Apparat. "Das ist ein riesiger Mehrverbrauch", sagt Hagen Schulz, der als Abteilungsleiter die Celluloseherstellung und damit die Entstehung des Filterprodukts Filtracell unter seinen Fittichen hat. Würde man in Lodenau unangekündigt den Wasserhahn aufdrehen, säßen manch andere Abnehmer auf dem Trockenen. "Deshalb ist es wichtig, uns ständig mit den Stadtwerken abzustimmen." Das gelingt. "Denn unser Verbrauch ist planbar", erklärt Volker Altus.

Eigene Filteranlage soll entstehen

Wahrscheinlich aber wird der Versorger aus der Neißestadt nur noch in diesem Jahr von den Qualitätszwängen des Lodenauer Betriebes profitieren. Denn parallel dazu plant die Celltechnik bereits den Bau einer eigenen Filteranlage. Damit soll dann das hier vorhandene Brunnenwasser selbst vom überschüssigen Eisen und Mangan befreit werden. "In zwei bis drei Jahren wird sich die Investition rechnen", ist Betriebsleiter Altus überzeugt. Aktuell habe man bereits Kontakt zu Herstellern aus der Region aufgenommen. "Ich denke, dass wir das Vorhaben noch in diesem Jahr umsetzen werden."

Stadtwerke müssen ab 2021 mit weniger Absatz rechnen

Bis es soweit ist, kann Ulrich Engelmann aber noch jede Menge Wasser auf die Reise nach Lodenau schicken. Die 2019 an die Celltechnik verkaufte Menge macht etwa acht bis neun Prozent des Gesamtvolumens aus, das der kommunale Versorger aus seinen Tiefbrunnen fördern lässt. Mit der Verdopplung der Menge in diesem Jahr steigt der Anteil des Cellulosespezialisten am Gesamtwasservolumen der Stadtwerke auf 16 bis 18 Prozent. Sollte die eigene Filteranlage der Celltechnik Ende des Jahres in Betrieb gehen und damit der Wasserbezug aus Rothenburg stark vermindert werden, "können wir diese Größenordnung nicht ohne Weiteres kompensieren", so Engelmann. Auch nicht durch die hinzugewonnenen Hausanschlüsse in Dunkelhäuser. Der Rothenburger Ortsteil bekommt als letzter seit vergangenem Jahr Zugang zum zentralen Netz.

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