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Meißen

Cersanit wollte nur die Marke

Peter Anderson über das Aus für Meissen Keramik.

Peter Anderson
Peter Anderson © Claudia Hübschmann

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, da dürften bei den Rechtsanwälten von Cersanit die Korken geknallt haben. Sie hatten erreicht, wovor mindestens drei Generationen von Geschäftsführern der Porzellanmanufaktur stets gewarnt hatten: Sie durften nun den Namen Meissen Keramik nutzen, um ihre Produkte zu verkaufen.

Was anschließend geschah, ist sehr bezeichnend. Im Internet entstand eine Webpräsenz, die sich gewaschen hat. Eine große Vielzahl von Wand- und Bodenfliesen steht dort zur Auswahl. Mal erinnert die Optik an Dielen, dann wieder an Schalbeton. Der geringste Teil dieser Produkte kam allerdings aus Meißen. Stattdessen wurden 30 Millionen Euro in polnische Werkstätten investiert. So heißt es zumindest in einem Interview, welches auf einem Internet-Portal der Keramikbranche abrufbar ist.

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Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und doch möchte ich behaupten: Cersanit hat bewusst und direkt darauf hingearbeitet, sich die Marke zu sichern und dann die Produktion in Meißen stillzulegen. Die Manufaktur könnte sich jetzt damit trösten, dass ein Fliesenhersteller ihrem angestammten Segment nicht schadet. Der Verbraucher jedoch wird nach Strich und Faden hinters Licht geführt. Er erhält ein Produkt, das ihn vom Namen her an Europas erstes Porzellan erinnert, damit jedoch in keinster Weise etwas zu tun hat.

E-Mail an Peter Anderson

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