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Chancen auf eine Lehrstelle steigen

In 62 Unternehmen der Region stehen bis morgen für junge Leute die Türen offen. Viele Schülerlassen sich die Angebote allerdings entgehen.

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Von Markus Tichy

Im Werk von Gluske Sachsen in Hartha ist gestern der Startschuss für diesjährige Berufsinformationswoche des Landkreises gefallen. 62 Betriebe halten Informationen zu 72 Berufsbildern bereit – eine solche Vielfalt gab es bei der vor fünf Jahren vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft ins Leben gerufenen Aktion noch nie. „Wir haben im Kreis Döbeln keine Probleme, die Tore der Betriebe aufzustoßen. Es gibt ein gutes Miteinander“, sagte Landrat Manfred Graetz zur Eröffnung. Die Berufsinfo-Woche biete eine gute Gelegenheit für junge Leute, vor der Haustür auf Lehrstellensuche zu gehen. Und die Chancen stehen nicht schlecht. „Es ist kein Geheimnis, dass sich die Zahl der Schulabgänger wegen der demografischen Entwicklung halbiert hat“, so Graetz. Umso verwunderlicher ist auch aus Sicht des Leiters des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft, Rainer Henoch, die eher ernüchternde Resonanz auf die insgesamt 110 Schnupper-Veranstaltungen. Mehr als die Hälfte der knapp 1000 Plätze bleiben leer.

Gastronomie stark nachgefragt

„Es gibt klare Trends. Das Interesse an gastronomischen Berufen ist groß, während es im vor Jahren noch begehrten Bereich kaufmännischer Berufe kaum Anmeldungen gab“, so Henoch. Er findet das auch deshalb schade, weil gleichzeitig namhafte Firmen im Kreis händeringend Azubi suchen würden.

Die Firma Gluske hat zwar noch keine Nachwuchsprobleme, Ausbildungschef Harald Reichel jedoch kann den Trend sinkender Nachfrage nach Lehrstellen belegen. Rund 14 junge Leute hat der Werkzeugbauer in den vergangenen drei Jahren im Schnitt ausgebildet. Zu 90 Prozent seien die Lehrlinge auch übernommen worden. „Anfangs hatten wir 60 Bewerber, jetzt sind es 20 bis 25“, so Reichel. Für die bei der Berufsinformationswoche angebotenen Berufsbilder Feinmechaniker und Verfahrensmechaniker gab es nur wenige Interessierte.

Ganz anders eine Gruppe Zehntklässler der Harthaer Mittelschule, die sich bei Gluske umschaute. Sie hatten beim Wettbewerb „Jugend forscht!“ mitgemacht und auf diese Weise den Sprung von der Theorie zur Praxis hinbekommen. „Erst haben wir gezögert, aber als es hieß, wir könnten unseren Ideen freien Lauf lassen, haben wir mitgemacht“, berichtete Zehntklässler Stanley Krahl. Die Schüler restaurierten eine Tankstellenzapfsäule und konstruierten einen Traktor Marke Eigenbau. Ihr Engagement brachte ihnen beim Wettbewerb den 2. Platz (wir berichteten). „Wir hatten viel Spaß. Ich kann das anderen empfehlen“, sagte Krahl.