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Chaos beim größten Görlitzer Fußballverein

Vier der sechs Vorstandsmitglieder des NFV Gelb-Weiß sind zurückgetreten. Am Ende steht sogar eine Polizeianzeige.

Von Frank Thümmler

Der Streit in der Führungsetage des größten Görlitzer Fußballvereins ist am Montag eskaliert. Auf einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Präsidium des Vereins sind der Vorstandssvorsitzende Hagen Grothe, Finanzvorstand Ulf Model, Nachwuchsvorstand Andreas Jurk und der für Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Thomas Bartlitz zurückgetreten – ohne sachliche Diskussion und gleich zu Beginn der Sitzung. „Dass so etwas passieren könnte, hat sich in den letzten Wochen zwar abgezeichnet, uns dann aber doch überrascht. Eigentlich wollten wir – im Präsidium sind ja auch Hauptsponsoren vertreten – noch mal über Inhalte sprechen“, sagt Präsident Carsten Liebig, der in dieser Funktion ebenfalls Vorstandsmitglied ist. „Es gab unüberbrückbare Differenzen, die in den vergangenen Wochen hochgekocht sind“, sagt Hagen Grothe, der nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Jahren „sehr, sehr viel Geld und erhebliche Sachleistungen“ in den Verein gesteckt hat und jegliche Dankbarkeit dafür vermisst.

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Carsten Liebig, im Beruf Finanzdirektor bei Bombardier Görlitz, sprach gegen die vier zurückgetretenen Vorstände sofort ein Zutrittsverbot für die Vereinsbaracke auf der „Jungen Welt“ aus, die ja auf Bombardier-Gelände steht. Er hatte zuvor schon den Werksschutz informiert und organisiert, dass die Schlösser ausgewechselt werden. Die vier Ex-Vorstände verließen daraufhin die Versammlung.

Die zwei verbliebenen Vorstände, neben Liebig noch Manfred Kretschmar, wählten in einer sofort einberufenen außerordentlichen Vorstandssitzung Uwe Vüllings, Geschäftsführer der Gleis- und Tiefbau GmbH, zum neuen Finanzvorstand und Jens Eichberg zum Nachwuchs-Verantwortlichen. Der neue Vorstand wählte Carsten Liebig zum Vorsitzenden. „Das war der einzige Weg, unter Berücksichtigung der Satzung handlungsfähig zu bleiben“, sagt Liebig. Ob diese Vorgehensweise einer genauen Prüfung standhält, wird sich zeigen. Hagen Grothe weiß von Vereinsmitgliedern, die das überprüfen lassen wollen.

Carsten Liebig, der als Vorstandsvorsitzender und Präsident vorübergehend doppelte Verantwortung trägt, bedauerte gegenüber der SZ gestern, dass es so weit kommen musste. „Wir haben als Verein in den vergangenen vier Jahren eine sehr positive Entwicklung genommen, sportlich in allen Bereichen und auch mit dem neu aufgebauten Frauenfußball. Zuletzt aber ist die Durchschaubarkeit der Finanzen verloren gegangen. Uns als Präsidium wurde auf der letzten gemeinsamen Sitzung im Januar bezüglich der Zahlen auch nicht die Wahrheit gesagt.“ Letztlich wisse jetzt niemand genau, wie es um die Finanzen des Vereins aussieht, auch eine ordentliche Übergabe habe es nicht gegeben.

Hagen Grothe weist die Vorwürfe von sich: „Alles ist ordnungsgemäß gebucht. Eine Steuerkanzlei hat uns dabei unterstützt. Und eine ordentliche Übergabe hätte Finanzvorstand Ulf Model gern gemacht, wenn wir nicht förmlich rausgeschmissen worden wären.“

Wie zerrissen das Tischtuch zwischen Grothe und Liebig inzwischen ist, zeigt eine Aktion, die am Montagabend sogar zu einer Polizeianzeige führte. „Wir haben festgestellt, dass in der Vereinsklause Fernseher, Möbel und Geräte, im Vereinsheim Möbel, Waschmaschinen und anderes fehlen. Wir haben Anzeige wegen Diebstahls gegen Hagen Grothe erstattet“, sagt Liebig. Grothe muss über diesen Vorwurf lachen. „Ich habe lange angekündigt, dass ich Dinge, die mir gehören und die ich dem Verein vorübergehend zur Nutzung überlassen habe, auch wieder mitnehme, wenn ich gehe. Genau das habe ich Montagnachmittag gemacht, unter Zeugen und mit Begehungsprotokoll (liegt der SZ vor – d. Red.). Ich werde jetzt gegen Carsten Liebig Anzeige wegen übler Nachrede stellen, wegen dieser Aktion und wegen seiner Äußerungen vor dem Präsidium“, sagte er. Man könnte sich also vor Gericht wiedersehen.

Wie es sportlich beim NFV weitergeht, gerät angesichts dieser Dinge fast in den Hintergrund. Die künftige Ausrichtung des Vereins in seiner Einheit von Nachwuchs-, Frauen- und Männerfußball ist das wichtigste Ziel des neuen Vorstandes, heißt es in einer Pressemitteilung. Und Fred Wonneberger, Trainer der erfolgreichen ersten Männermannschaft, an dem sich der ganze Streit entzündet hatte, kann aufatmen: „Es gibt keinen besseren als Fred Wonneberger, der uns jetzt im sportlichen Bereich helfen kann“, sagt Carsten Liebig

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