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So läuft es jetzt auf den Wertstoffhöfen

Nach drei Wochen Zwangspause gibt es in vielen Städten lange Schlangen vor den Annahmestellen. Und im Landkreis Bautzen?

Jede Menge Altpapier: Dagmar Biehle vom Wertstoffhof an der Zeppelinstraße in Bautzen sortiert Zeitungen aus einer Kiste in den Wertstoffcontainer.
Jede Menge Altpapier: Dagmar Biehle vom Wertstoffhof an der Zeppelinstraße in Bautzen sortiert Zeitungen aus einer Kiste in den Wertstoffcontainer. © Steffen Unger

Bautzen. Der Wertstoffhof soll wieder geöffnet haben? Eine Nachfrage beim Betreiber Veolia bestätigt das Gehörte: Ja, der Hof an der Bautzener Zeppelinstraße 1 ist wieder für alle geöffnet. Wegen Corona wurden dort rund drei Wochen lang nur ausgediente Elektrogeräte angenommen, aber kein Altpapier, keine Möbelreste oder Ähnliches. Doch seit dieser Woche dürfen Kunden wieder alles bringen, sagt Veolia-Sprecherin Diana Scheerschmidt in der Hamburger Unternehmenszentrale.

Wenn eine solche Annahmestelle nach einer Zwangspause wieder öffnet, ist sicher Geduld mitzubringen – das legten Fernsehbilder der vergangenen Tage nahe. Vor einem Wertstoffhof in Hannover musste die Polizei anrücken, um den Verkehr zu regeln. In Leipzig bremste die Reihe der wartenden Autos für eine Dreiviertelstunde den Straßenbahnverkehr aus. Chaotische Zustände gab es auch vor einem Wertstoffhof im bayerischen Landkreis Starnberg, weil die dortigen Mitarbeiter immer nur zwei Kunden gleichzeitig auf das Gelände ließen. Was also war nun an der Bautzener Zeppelinstraße zu erwarten? Eine Autoschlange bis zur Eisenbahnbrücke? Genervte Wartende, überforderte Mitarbeiter?

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Man kann sich Zeit lassen

Nichts von alledem, jedenfalls nicht an diesem Vormittag. Vor der Altpapierannahme leert ein Autofahrer seinen Kofferraum. Er muss sich nicht, wie sonst, beeilen. In Vor-Corona-Zeiten warteten hier immer mindestens drei, vier Fahrzeuge – jetzt kein einziges. In der Mitte des Hofes entladen zwei Männer einen Kleintransporter mit ausrangierten Waschmaschinen und Kühlschränken. Ein halbvoller Container mit ehemaligen Schreibtischmöbeln wartet auf Nachschub. Ein Gabelstapler sorgt für Ordnung auf dem Hof.

Hochbetrieb, gar Chaos? Fehlanzeige! Das liegt vielleicht auch daran, dass Veolia auf seiner Internetseite immer noch eine eingeschränkte Annahme verkündet: Mit Ausnahme von Elektrogeräten dürfe bis auf Weiteres nichts angeliefert werden. Doch das stimmt nicht mehr. „Bei uns läuft alles wieder wie immer, ganz normal“, sagt Dagmar Biehle im Büro, wo der Autofahrer für seinen Kofferraum voller Altpapier 1,80 Euro bekommt.

Waage steht im Freien

Alles „wie immer“ stimmt trotzdem nicht ganz. Schilder weisen neuerdings die Kundschaft darauf hin, dass untereinander Abstand zu halten ist. Wenn sich die Wege eines Mitarbeiters und eines Kunden zu kreuzen drohen, gehen sich beide aus dem Wege. Einen Mundschutz braucht hier niemand. Und die Waage für das Altpapier steht jetzt nicht wie sonst in einer Halle, sondern davor, an der frischen Luft. Aber von Zuständen wie in Hannover, Leipzig oder im Kreis Starnberg ist in Bautzen keine Spur.

Und wie läuft es ein paar Kilometer weiter, bei Berry-Metall in Gaußig? Dort weist die Internetseite darauf hin, dass „aus aktuellem Anlass“ keine Elektrogeräte, Reifen und einiges mehr in die Container geworfen werden dürfen. Doch das, sagt Geschäftsführerin Sylke Schaar, habe „überhaupt nichts mit Corona zu tun“. Der Hinweis an die Ablieferer ergebe sich aus einer seit ein paar Jahren gültigen Recyclingverordnung. Das Geschäft im Gaußiger Entsorgungsfachbetrieb laufe derzeit ohne Corona-Einschränkungen, versichert die Chefin. Aber wie überall gilt auch hier Abstand als oberste Vorsichtsmaßnahme.

Alles wie vor Corona

Wie bei der OLE Oberlausitzer Entsorgungsgesellschaft in Pommritz. „Eine Abgabe der Abfälle ist bei uns ohne Einschränkung, unter Einhaltung der Hygienevorschriften, möglich“, heißt es aus dem Unternehmen, das auf seinem Wertstoffhof praktisch alles außer Schadstoffen annimmt. Und da hat sich im Vergleich zur Zeit vor Corona nichts geändert – die OLE-Mannschaft am Pommritzer Bahnhof hat nicht festgestellt, dass die Kunden jetzt bestimmte Abfälle häufiger oder seltener bringen würden als vor ein paar Wochen.

Während die meisten Entsorgungsbetriebe – von wenigen Ausnahmen abgesehen – wieder für ihre Kundschaft geöffnet sind, bleiben die Umladestationen des Regionalen Abfallverbandes Oberlausitz-Niederschlesien (Ravon) zumindest vorerst noch für Besucher geschlossen. Das betrifft im Landkreis Bautzen die Stationen in Radeberg und Bautzen-Nadelwitz. Auch die einzig verbliebene Mülldeponie im Ravon-Gebiet in Kunnersdorf bei Görlitz nimmt derzeit keinen Bauschutt an.

In den Umladestationen wandert der Hausmüll von kleineren Sammelfahrzeugen in große Trucks, die dann damit zur Verbrennungsanlage in Lauta fahren. Aber die Stationen nehmen auch Müll-Lieferungen von Privatpersonen an. Wann die Anlagen wieder öffnen, will der Abfallverband kurzfristig entscheiden, kündigt Geschäftsführer Roman Toedter an.

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