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Chef des Feuerwehrmuseums will Tag der Sachsen nicht moderieren

Weil die Epoche von 1933 bis 1989 im Festumzug ausgeblendet wird, sagte Peter Patz jetzt ab.

Von Birgit Ulbricht

Zeithain/Großenhain. „Meinetwegen können die Organisatoren leere Platzhalter statt der historischen Bilder von 1933 bis 1989 zeigen – aber für so etwas stehe ich nicht zur Verfügung“, sagt Peter Patz. Er ist einer von sechs Moderatoren, die für den Festumzug zum Tag der Sachsen gebucht waren. Jetzt hat er kurzentschlossen abgesagt. Denn so eine Geschichtsklitterung, so sagt er, habe es nicht einmal in der DDR gegeben. Diese Nachricht sei ihm unter die Haut gegangen. Einfach die Militärgeschichte der letzten 56 Jahre nicht zu zeigen, wie es das Kuratorium „Tag der Sachsen“ unter Vorsitz von Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler (CDU) beschlossen hat, davon hält er nichts. „Umso mehr brodelt es im Untergrund, verbotene Früchte sind bekanntlich süß“, kommentiert der Leiter des Zeithainer Feuerwehrmuseums die Entscheidung des Dresdner Kuratoriums, lieber ganz auf viele historische Bilder aus Sachsens Geschichte zu verzichten, als irgendwie misslich in die Schlagzeilen zu geraten, frei nach dem Motto „Sachsen feiert Nazi-Vergangenheit“ oder Ähnliches. Dass die Entscheidung auch gleich auf „die Russen“ und „die DDR“ ausgedehnt wurde – mit Verweis auf die beiden Diktaturen – ist für Peter Patz keineswegs konsequent. Erstens sei das nicht pauschal zu vergleichen und andererseits würden andere, genauso schwierige Kapitel, wie die Zeit des Ersten Weltkrieges, im Festumzug genehmigt. Wo sei da die Logik?

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„Außerdem sind solche historischen Bilder bei Festumzügen und beim Filmdreh gesetzlich erlaubt, das ist bei jedem anderen Volksfest so“, äußert Peter Patz sein Unverständnis. Seine Überzeugung: Geschichte muss dargestellt werden. Als Moderator von historischen Umzügen und bei Festen ist er dabei äußerst gefragt, im Dresdner Alberthafen zum Beispiel oder beim Radebeuler Stadtfest sowie den zahlreichen Fahrzeugtreffen in der Region. Mit seinem P 4 von 1937 war Peter Patz jetzt kürzlich beim Filmdreh zum Streifen „Die Bücherdiebin“. „Da hätten Sie mal sehen sollen, wie sich die Amerikaner vor den riesigen Hakenkreuzfahnen fotografiert haben“, sagt er kopfschüttelnd. Die hätten dazu ein ganz anderes Verhältnis zu solchen Dingen. Nun mag dieser Umgang schon Verkitschung von Geschichte sein, statt sich damit auseinanderzusetzen, aber einfach so zu tun, als hätte die nicht stattgefunden, sei nun mal nicht glaubhaft. Zumal in einer Garnisonsstadt wie Großenhain. In der Ausrichterstadt kommentiert man die Absage des Moderators nicht. Die Standorte für die Moderation des Festumzuges würden noch diskutiert, heißt es aus dem Großenhainer Rathaus. Diskutiert wird dafür in den entsprechenden Historik-Vereinen. Seit Bekanntwerden der Kuratoriumsentscheidung macht ein Aufruf an die Vereine die Runde, den Tag der Sachsen abzusagen.

Peter Patz sagt auch, warum: „Es geht im Leben sehr vieler Vereine um realistische Geschichtsdarstellung, die durch nachfolgende Generationen nicht immer wahrheitsgemäß vermittelt wird. Selbst in der DDR wurde zumindest zur 750-Jahrfeier von Berlin die Geschichte sehr realistisch dargestellt. Da haben sich so einige Funktionäre die Augen gerieben. Ich war dabei.“