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Chefin der Zittauer Stadtentwicklung überfallen

Birgit Kaiser wurde an der Neiße vom Rad gestoßen und ausgeraubt. Die Spur der Täter führt nach Polen.

© Rafael Sampedro

Von Matthias Klaus

An den gestrigen Morgen wird sich Birgit Kaiser wohl noch lange erinnern. Bei schönem Vorsommerwetter radelte die Geschäftsführerin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft gegen halb acht mit dem Fahrrad auf dem Weg entlang der Neiße. Sie musste nicht in ihr Büro in der Innenstadt, sondern zu einem Termin im Technischen Rathaus. „Der Weg ist eigentlich schön“, sagt Birgit Kaiser. Eigentlich. Denn was ihr zwischen Chopinstraße und Viadukt passierte, war dann alles andere als schön. „Plötzlich kamen zwei junge Männer. Sie hatten es auf meine Handtasche abgesehen“, erzählt Frau Kaiser. Aber die Tasche war mit einem Spanngurt auf dem Gepäckträger festgemacht. „Einer der beiden stieß mich vom Fahrrad“, sagt Birgit Kaiser. Der andere schnappte sich die Tasche, griff sich daraus Mobiltelefon und Geldbörse, warf die Tasche in hohem Bogen in Richtung Neiße. Dann machten sich die zwei Männer aus dem Staub. „Ich habe nach meiner Tasche gesucht“, schildert die Chefin der Stadtentwicklung. Und: „Zum Glück landete sie nicht in der Neiße. Aber der Inhalt war weit verstreut. Ich habe alles eingesammelt.“

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Birgit Kaiser, Geschäftsführerin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft, hier vor dem Zittauer Stadtbad. Gestern wurde sie Opfer eines Überfalls. Foto: SZ-Archiv/Sampedro
Birgit Kaiser, Geschäftsführerin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft, hier vor dem Zittauer Stadtbad. Gestern wurde sie Opfer eines Überfalls. Foto: SZ-Archiv/Sampedro

Aufgewühlt suchte sich Birgit Kaiser Hilfe. „Manchmal sind ja um diese Zeit Leute mit Hunden unterwegs. Aber gerade gestern nicht“, so die 58-Jährige. Schließlich fand sie in der Lackiererei Neumann an der Chopinstraße Unterstützung. „Ich stand mit einem Arbeitskollegen auf dem Hof. Als ich die Frau mit dem Fahrrad kommen sah, wusste ich gleich: Da ist etwas passiert“, sagt Firmenchef Jens Neumann. Er rief die Polizei, einen Krankenwagen.

Die Polizei hat inzwischen weitere Details zu dem Überfall herausgefunden. Demnach lauerten die Täter Birgit Kaiser am Neiße-Ufer möglicherweise auf. Sie kamen jedenfalls den Damm herauf. Ein Blackberry-Handy, ein zweistelliger Bargeldbetrag, Ausweisdokumente, Geldkarte – laut Polizeidirektion Görlitz die Beute der Räuber. Mit der flüchtete einer der Täter durch die knietiefe Neiße nach Polen. „Der zweite Täter ging entlang des Radweges weiter Richtung Chopinstraße“, so Polizeisprecher Thomas Knaup. Mehrere Streifen suchten die Gegend um den Tatort ab – ohne Erfolg „Da die Spur in eine nahe gelegene Gemeinde auf polnischem Hoheitsgebiet führt, wird auch die polnische Kriminalpolizei im Kommissariat Bogatynia in die Ermittlungen eingebunden“, so der Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. Welche „nahe gelegene Gemeinde“ gemeint ist, sagt er nicht – mit Hinweis auf die laufenden Untersuchungen.

Jens Neumann hat den Polizeibeamten derweil schon einige Hinweise geben können. Kein Wunder, seine Firma war in der Vergangenheit schon mehrmals von Einbrechern heimgesucht worden. Neumann investierte in Überwachungstechnik. „Toi, toi, toi, bis jetzt blieb alles ruhig“, sagt er.

Der Überfall auf Frau Kaiser auf dem Neiße-Radweg ist bereits der zweite dieser Art innerhalb weniger Wochen. Am 24. April wurde ein radelndes Rentner-Ehepaar etwa an gleicher Stelle beraubt. Damals waren drei Männer beteiligt. Sie stahlen eine Tasche vom Gepäckträger der Frau und flüchteten durch die Neiße. „Ein Zusammenhang zwischen den Taten ist derzeit nicht auszuschließen“, so Thomas Knaup. Beamte des Polizeireviers Zittau-Oberland und der Bundespolizeiinspektion Ebersbach gehen in dem Bereich nun verstärkt auf Streife.

„Ich werde den Weg mit dem Fahrrad wohl nicht so schnell wieder entlang fahren“, sagt Birgit Kaiser. Sie ärgere sich vor allem über den Verlust des Handys und der Dokumente: „Das bedeutet viel Lauferei.“ Frau Kaiser hat den gestrigen Überfall so gut wie unverletzt überstanden. „Ich war im Krankenhaus. Es ist alles in Ordnung“, schildert sie. Noch am Vormittag saß sie schon wieder hinter ihrem Schreibtisch im Büro an der Inneren Weberstraße.