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Chefin für zwei Wochen

Der Lidl-Markt an der Neusalzaer Straße in Bautzen wird zurzeit von Azubis geführt. Bei den Kunden kommt das gut an.

© Uwe Soeder

Von Frances Scholz

Bautzen. Sorgfältig sortiert Marlen Groß die Rotweinflaschen ein. Sie dreht die Etiketten so, dass die Kunden diese sofort gut erkennen können. Marlen Groß ist da penibel. Sie will, dass die Kunden zufrieden sind. Die 27-Jährige ist Azubi bei Lidl und leitet seit dem 18. Januar die Filiale an der Neusalzaer Straße in Bautzen. „Auch als Filialleiterin muss man alles können. Einräumen, Kasse, Bestellungen. Das ist wichtig, denn wenn mal ein Mitarbeiter ausfällt, kann immer jemand einspringen“, erklärt sie und räumt die Weinflaschen weiter ein.

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Marlen Groß ist eine von 22 Azubis, die in Bautzen für zwei Wochen den Markt führen. Sie haben sich alle für das Projekt „Azubis leiten eine Filiale“ beworben. Alle sind im zweiten oder dritten Lehrjahr bei Lidl. „Das Projekt gibt es seit mehr als zehn Jahren. Letztes Jahr haben Azubis einen Markt in Elsterwerda geführt. Dieses Jahr in Bautzen. Die Filiale wurde erst vor Kurzem umgebaut, da bietet sich das gut an. Unsere Azubis bekommen durch das Projekt die Chance, sich auszuprobieren und sich gemeinsam im Team weiterzuentwickeln“, erklärt Göran Zerbe, Aus- und Weiterbildungsleiter bei Lidl.

Doppelspitze bei der Leitung des Marktes

Marlen Groß und ihre Kollegen wohnen zudem alle in einer Pension in Bautzen. „Das ist toll und stärkt den Teamgeist“, sagt sie. Dabei sind nicht alle 22 Azubis gleichzeitig vor Ort. Insgesamt sind sowohl in der Früh- als auch der Spätschicht etwa fünf Azubis in der Filiale. Der Rest hat Berufsschule oder mal einen Tag frei. „Und wir haben noch Azubis, die bei der Tafel helfen“, sagt die Filialleiterin. Den Posten teilt sie sich mit einer weiteren Auszubildenden und das ist auch der einzige Unterschied zu einer üblich geführten Filiale. Zusammen haben sie die Personalplanung gemacht. „Das war schon eine Herausforderung so viele Leute einzutakten. Aber es klappt ganz gut“, sagt Marlen Groß.

Sie bemerkte, dass gerade in der ersten Woche die Kunden ganz genau auf die Azubis geschaut haben. „Sie waren am Anfang sehr schüchtern, aber haben auch gesagt, dass das Projekt eine tolle Sache ist.“ Und wie zufrieden die Kunden mit ihrer Arbeit sind, das wissen die Azubis ganz genau. Denn sie gestalten verschiedene Aktionen. So gab es vergangene Woche eine Konfitüreverkostung. „Dabei haben wir auch eine Kundenbefragung gemacht, wie sie zum Beispiel die Sauberkeit einschätzen. Wir wurden fast immer im sehr guten Bereich bewertet. Das motiviert.“

Kundenkontakt ist wichtig

„Entschuldigung, wir suchen Malhefte“, spricht eine Kundin Marlen Groß an. Die kann sofort zeigen, wo alles steht. „Das ist wirklich eine tolle Sache mit den Azubis. Ich bin sehr zufrieden“, lobt Kundin Jacqueline Host. Für Marlen Groß, die eigentlich in einem Lidl-Markt in Radebeul arbeitet, ist gerade der Kundenkontakt das Schöne an ihrem Beruf. „Außerdem ist die Arbeit sehr abwechslungsreich.“

Am Donnerstag bieten sie und ihre Azubikollegen den Kunden eine Schokoladenverkostung an. „Wir wollen unsere Eigenmarke präsentieren. Ich selbst bin auch Schokoladenfan“, sagt die Auszubildende. Und am Freitag stehen die Lehrlinge dann Jugendlichen Rede und Antwort, die sich für eine Ausbildung bei Lidl interessieren. „Man sollte auf jeden Fall ein offener Typ und belastbar sein, denn man läuft sehr viel im Markt“, weiß Marlen Groß, die nach dem Abitur eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin gemacht hat. Nun ist sie mit ihrer zweiten Lehre zur Einzelhandelskauffrau fertig und wird nach dem Projekt ihre Weiterbildung zur Fachwirtin beginnen. „Danach möchte ich gern Lidl-Filialleiterin in Radebeul oder Dresden werden“, sagt sie.

Wie sich das anfühlt, konnte sie in den vergangenen Tagen schon üben. Am Sonnabend übergeben die Azubis den Lidl-Markt dann wieder an ihre Bautzener Kollegen.