merken
PLUS Bautzen

Diakonie: Das rät der alte Chef dem neuen 

Nach 21 Jahren übergibt Geschäftsführer Gerd Lehmann die Leitung an seinen Nachfolger – mit neuen Herausforderungen.

Alexander Jesinghaus (l.) ist der neue Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bautzen. Er übernimmt die Aufgabe von Gerd Lehmann, der nach 21 Jahren in dieser Position nun in den Ruhestand geht.
Alexander Jesinghaus (l.) ist der neue Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bautzen. Er übernimmt die Aufgabe von Gerd Lehmann, der nach 21 Jahren in dieser Position nun in den Ruhestand geht. © Steffen Unger

Bautzen. Für Gerd Lehmann geht eine „tolle“, aber auch nicht immer einfache Zeit zu Ende, sein Nachfolger Alexander Jesinghaus sieht einige Herausforderungen auf sich zukommen. Chefwechsel bei der Diakonie in Bautzen: 21 Jahre hat Gerd Lehmann den Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche im Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz geleitet. Nun geht der 66-Jährige in den Ruhestand – in der Gewissheit, dass die Dinge geordnet weiter laufen. Denn schon seit Jahresbeginn hat sich Alexander Jesinghaus in die Aufgabe eingearbeitet.

Eine Leitungstätigkeit hatte auch er schon seit 2006 inne. Bereits mit 28 Jahren wurde er Heimleiter von Haus Immisch, dem Altenpflegeheim der Diakonie im Allende-Viertel. Einen Tag vor Ende der Bewerbungsfrist hatte er damals davon erfahren, dass ein Heimleiter gesucht wird. Als Christ wollte er gern die Chance ergreifen, bei einem kirchlichen Träger zu arbeiten. Zuvor hatte der gebürtige Bautzener nach seinem Sozialpädagogikstudium zunächst ein Jahr im Jugendamt in Dresden und danach als Internatsleiter beim Überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft in der Edisonstraße gearbeitet.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Nun übernimmt er also noch mehr Verantwortung. Die Aufgaben als Geschäftsführer seien um einiges vielfältiger als die eines Heimleiters, begründet er, warum ihn das reizt. Dass der 42-Jährige auf den Chefsessel im Haus der Diakonie an der Karl-Liebknecht-Straße nachrückt, war aber nicht selbstverständlich. „Die Stelle wurde bundesweit ausgeschrieben“, berichtet Gerd Lehmann. Am Ende konnte sich Alexander Jesinghaus gegen mehr als ein Dutzend Bewerber durchsetzen.

Atemberaubende Anfangszeit

Anders als sein Nachfolger kam Gerd Lehmann einst als Quereinsteiger zur Diakonie. Als Ingenieur für Lebensmitteltechnologie war er zu DDR-Zeiten für die Berufsausbildung im Konsum-Backwarenkombinat zuständig, nach der Wende leitete er das daraus hervorgegangene Unternehmen. Doch dann kam das Aus für den Betrieb. Lehmann sah in seinem Beruf keine Perspektive und schulte auf Sozialmanagement um. Danach stieg er beim Diakonischen Werk in Löbau ein, wo er drei Jahre Geschäftsführer war. Als 1998 die Stelle in Bautzen frei wurde, nutzte er die Chance, in seine Heimatstadt zu wechseln.

Vor allem die Anfangszeit sei „atemberaubend“ gewesen, blickt er zurück. Vieles entstand damals neu. Schon in seiner Löbauer Zeit begleitete er den Bau eines Altenheims in Oppach. Dann folgten das Haus „Paul Gerhardt“ in der Erich-Pfaff-Straße in Bautzen und das Altenbetreuungszentrum in Weißenberg. Besonders gern erinnert er sich an das Entstehen des Hauses „Immisch“, weil dort ein neues Konzept umgesetzt wurde. Die Bewohner leben in Wohngemeinschaften zusammen. „Das hatte ich damals in Schweden gesehen“, sagt Lehmann. Weil dafür mehr Platz nötig ist, sei wegen des gesetzlich vorgegebenen Rahmens die Realisierung jedoch schwierig gewesen. Nicht die einzige Hürde in all den Jahren. Lange sei es ein Kampf gewesen, die tarifliche Entlohnung der Mitarbeiter abzusichern, da dies in den Verhandlungen mit den Kassen oft nicht anerkannt wurde. Das habe sich erst 2009 nach einem höchstrichterlichen Urteil geändert.

Heute sind nicht nur 320 festangestellte Mitarbeiter bei der Bautzener Diakonie tätig, sondern auch viele Ehrenamtler, darunter mehr als 90 bei der Telefonseelsorge und 85 beim ambulanten Hospizdienst. Auf diesem Gebiet sei Bautzen in den 1990er-Jahren Vorreiter gewesen, „zusammen mit Zittau haben wir die ersten Angebote geschaffen“, erzählt Lehmann. Neben der allgemeinen Telefonseelsorge gehört seit anderthalb Jahren auch das Kinder- und Jugendtelefon zum Aufgabengebiet der Diakonie. „Wir hoffen, dass wir es erhalten können“, sagt Alexander Jesinghaus. Generell sei die Finanzierung vor allem der Beratungsdienste – von allgemeiner sozialer Beratung über Familien- und Erziehungs- bis zu Lebens- und Paarberatung – immer wieder aufs neue ein Kampf. Dabei seien gerade diese Angebote als unkomplizierte Hilfe für Menschen mit Problemen so wichtig. „Aber leider“, sagt Gerd Lehmann, „hat die Bürokratie sehr stark zugenommen.“ Der Verwaltungsaufwand sei immer größer geworden, und die Behörden würden heute viel seltener Spielräume nutzen als noch vor einigen Jahren.

Nachfrage nach Kurzzeitpflege

Neben dem Ringen ums Geld sieht Alexander Jesinghaus vor allem mit Blick aufs Personal eine Herausforderung für die nächsten Jahre: Wie gelingt es, als Arbeitgeber attraktiv zu sein? Wie lässt sich sicherstellen, „dass auch Diakonie drinsteckt, wo Diakonie draußen dran steht“? Im Sinne der Gleichbehandlung dürfe man nämlich die Zugehörigkeit zur Kirche in den meisten Fällen nicht mehr zur Einstellungsvoraussetzung machen. Der Anteil der konfessionell gebundenen Mitarbeiter sei in den letzten Jahren schon von 72 auf 65 Prozent gesungen. Andererseits würden Bedürftige oft gezielt nach einem christlichen Träger suchen. So gebe es immer wieder Nachfragen nach Kurzzeitpflege. Daher denke man darüber nach, neben den wenigen Plätzen im Altenpflegeheim in Bischofswerda weitere zu schaffen. Und auch eine bessere Öffentlichkeitsarbeit – von der Internet- bis zur Facebook-Seite – steht auf der To-do-Liste von Alexander Jesinghaus.

Gerd Lehmann hingegen freut sich darauf, nun mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen, mal eine lange Reise zu machen und für die 14 Enkel da zu sein. Und für eine seelsorgerische Aufgabe, etwa eine Andacht, komme er auch künftig gern mal wieder zur Diakonie.

Bei einem Gottesdienst am 15. September, 10.30 Uhr, im Dom werden Alexander Jesinghaus und die neue Verwaltungsleiterin Claudia Kobalz ins Amt eingeführt.

Mehr zum Thema Bautzen