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Chemie hat in der Kräuterschnecke keine Chance

In der Naturgärtnerei Kräuterschnecke inRothschönberg bauen Therese Hahn und SteffenKnauthe alte Gemüsesorten und Würzkräuter an.

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Von Jürgen Müller

Zum Kräutertee gibt es Löwenzahnsirup. Um den herzustellen, bedarf es nicht nur des entsprechenden Wissens, sondern auch viel Zeit. „Die Blätter werden ausgekocht, der Sud dann erneut erhitzt und bleibt mindestens sechs Stunden auf dem Kocher“, sagt Therese Hahn. Gemeinsam mit Steffen Knauthe betreibt sie die Naturgärtnerei Kräuterschnecke in Rothschönberg. Die Herstellung des Löwenzahnsirups bezeichnet sie als „Kriegsrezept“. „So etwas haben die Leute gemacht, als es nicht viel zu essen gab.“ Die alten Traditionen leben heute wieder auf. In der Kräuterschnecke werden nicht nur alte Gewürze und Kräuter sowie Obst- und Gemüsesorten wie Wildspinat angebaut, sondern ebenso historische Rezepte wieder angewendet.

Keine Rosen im Dezember

In Kursen vermitteln der Landschaftsgärtner und die angelernte Floristin Kenntnisse über Kräuter, die sie sich im Selbststudium angeeignet haben. Kurse gibt es auch für floristische Basteleien. „Dabei achte ich stets darauf, dass nur für die Jahreszeit typische Blumen und Pflanzen verwendet werden. Rosen im Dezember wird es bei mir nicht geben“, sagt die 26-jährige Therese Hahn.

Die ersten Jahre waren nicht leicht. „Viele Leute kannten die alten Kräuter und Gemüsesorten gar nicht mehr“, so Steffen Knauthe. Inzwischen ist die Kräutergärtnerei durch die Kurse, aber auch durch Werbung über Handzettel über die Region hinaus bekannt. Der 36-jährige Knauthe, der aus Glashütte stammt, fährt sachsenweit zu Bauernmärkten, so in die Hebelei, nach Klosterbuch bei Leisnig oder nach Tharandt.

Ein Biosiegel hat die Naturgärtnerei zwar nicht, doch es werden weder Schädlingsbekämpfungsmittel noch chemische Dünger eingesetzt. „Wir düngen mit Humus und Ginkgoextrakt“, sagt Knauthe. Die Gärtnerei sei ständig offen, jeder könne sich von den Anbaumethoden überzeugen.

Manche Kräuter- und Gemüsearten sind vom jeweiligen Trend abhängig, andere halten sich länger. „In diesem Jahr sind vor allem Bärlauch und Zitronenverbenen gefragt, ebenso sämtliche Duft- und Würzkräuter aus südlichen Ländern“, sagt Knauthe. Trendig ist Süßkraut. „Das hat die 30-fache Süßkraft von Zucker, ist auch für Diabetiker geeignet, wird aber in Europa sei Jahren von den Zuckerindustrie blockiert“, sagt Therese Hahn.

Offen für alle Besucher ist ständig die hauseigene Bibliothek. „Es geht nicht nur um den Verkauf unserer Produkte, sondern wir wollen unsere Kunden umfassend beraten und aufklären“, sagt Therese Hahn. Das soll auch wieder beim Hoffest am 3. September so sein.

Hobby zum Beruf gemacht

Die beiden leben von der Naturgärtnerei, Reichtümer anhäufen können sie damit nicht. „Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht, stellen keine großen Ansprüche“, sagt Knauthe. Die drei Kinder wachsen in einer idyllischen und gesunden Atmosphäre auf. Schon das ist aller Mühen wert.

Kontakt: Naturgärtnerei Kräuterschnecke, Schenkberg 20, 01683 Rothschönberg; Tel./Fax: 035245/70256