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Chor aus Ruanda gastiert in Herrnhut

Herrnhut gehört zu den Orten, an denen sich die Mitglieder des Jugendchores der ruandischen Hilfsorganisation Solace Ministries schon ein wenig zu Hause fühlen. Am Dienstag gaben die jungen Sänger vor rund 250 Besuchern aus dem gesamten Landkreis ein Konzert im Kirchensaal der Brüdergemeine.

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Von Andreas Herrmann

Herrnhut gehört zu den Orten, an denen sich die Mitglieder des Jugendchores der ruandischen Hilfsorganisation Solace Ministries schon ein wenig zu Hause fühlen. Am Dienstag gaben die jungen Sänger vor rund 250 Besuchern aus dem gesamten Landkreis ein Konzert im Kirchensaal der Brüdergemeine. Sie begeisterten das Publikum mit ihren Gospel-Rhythmen in Englisch und ihrer Nationalsprache Kinyarwanda.

Einige von ihnen besuchten die Hutbergstadt schon zum zweiten Mal. Sie sind Botschafter für ihr Land und künden mit ihrer Musik auch vom Völkermord in Ruanda vor 15Jahren. Auf ihrer Tournee durch Deutschland zeigen sie, dass es möglich, ist nach unsäglichem Leid wieder Freude am Leben und Hoffnung in die Zukunft zu finden. Der französische Name der Gruppe bedeutet so viel wie Trost oder Versöhnung. Die jungen Musiker sind Opfer des Völkermordes. Mithilfe der Musik wollen sie auch ihr ganz persönliches Trauma verarbeiten.

Mit fünf Jahren Eltern verloren

Und so hörten die Konzertbesucher auch von Einzelschicksalen der Sänger. Jessie Benimana zum Beispiel berichtete, wie ihre Eltern mit Macheten zerhackt und in einen Fluss geworfen wurden. Die damals Fünfjährige hat später darüber hinaus psychisch gelitten, weil andere Kinder von Eltern und Geschwister umgeben waren, während sie allein sein musste. Überleben konnte sie nur durch ein Wunder in einem verlassenen Haus von deutschen Entwicklungshelfern, wo es über viele Tage nur Avocados aus dem Garten und Schokolade zu essen gab, die sie in einem umgefallenen Küchenschrank fand.

Silver Sibomana erzählte, dass er gern ein Buch über die Erlebnisse schreiben würde. Der in Uganda Geborene verlor während des Mordens seine Eltern, als sich sein Vater der Befreiungsarmee von Ruanda anschloss, die gegen die Hutu kämpfen musste. Seine Mutter starb in dieser Zeit an Aids. Silver kam in ein Heim für Straßenkinder und konnte dank Solace Ministries eine Schule besuchen.

Geld fließt in ein Schulprojekt

Hartmut Krause vom Missionswerk Frohe Botschaft in Großalmerode in der Nähe von Kassel, das den Kontakt zu der ruandischen Organisation aufgebaut hat, begleitete die Gruppe. Er war diese Woche zum ersten Mal in Herrnhut. Bei einem Gang über den Gottesacker der Brüdergemeine zeigte er sich beeindruckt von der Lebendigkeit des Erbes von Zinzendorf. Gleichzeitig lobte er die Gastfreundschaft der Herrnhuter, denn alle Mitglieder des Solace-Chores fanden eine Unterkunft bei Herrnhuter Familien oder Einzelpersonen.

Das Geld, das während der Auftritte des Chores und durch den Verkauf von Souveniren zusammenkam, fließt in ein Schulprojekt und dient auch der Reisefinanzierung. Der Chor ist inzwischen abgereist. Gestern wurden die Musiker im Schloss Bellevue von der Frau des Bundespräsidenten empfangen.