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Chorgesang ist hier Frauensache

Der Verein des Kalinka-Chores Weißwasser feiert am 28. August sein zehnjähriges Bestehen mit einem Sommerfest

Der Kalinka Chor trifft sich jeden Freitagnachmittag im Generationstreff „SpinnNetz“ am Sorauer Platz in Weißwasser um das russische Volksliedgut zu pflegen.
Der Kalinka Chor trifft sich jeden Freitagnachmittag im Generationstreff „SpinnNetz“ am Sorauer Platz in Weißwasser um das russische Volksliedgut zu pflegen. © Rolf Ullmann

Weißwaser. Statt mit einem „Guten Tag“ begrüßen sich die Frauen am Freitagnachmittag mit einem fröhlichen „Priwet“. Das heißt aus dem Russischen übersetzt „sei gegrüßt“. Zehn Frauen unterschiedlichen Alters üben, wie an jedem Freitagnachmittag, vor allem russische Volkslieder. Dabei werden sie von Katharina Schlegel auf dem Akkordeon begleitet. Ihr erstes Lied an diesem Nachmittag handelt von der großen Liebe eines Mädchens. Später im Verlauf ihrer Probe und gewiss auch während ihres Sommerfestes am 28. August darf natürlich ein Lied nicht fehlen, das sie für ihren Chor sowie für ihren Verein als Namen gewählt haben: Kalinka. Diese russische Weise, ist wohl die bekannteste unter den russischen Volksliedern.

Seit Kalinka im Jahr 1860 geschaffen wurde, begeistert sie ihre Zuhöher nicht nur in ihrem Ursprungsland und reißt sie förmlich mit. Wie kaum ein anderes Stück hat sie seither die Vorstellung von russischer Folklore und der Seele des Riesenlandes geprägt. In Deutschland erklang Kalinka wohl zum ersten Mal, als das Alexandrow Ensemble wenige Monate nach dem Ende des 2. Weltkrieges dieses Lied vor Zehntausenden Zuhörern aufführte. Dem Komponist Iwan Petrowitsch Larionow ist mit dieser Komposition ein zeitloser Ohrwurm gelungen, der auch nach dem letzten Ton im Ohr bleibt. Doch nicht ein Mädchen oder eine Frau namens Kalinka wird darin besungen, sondern die Beere des Gewöhnlichen Schneeballs. Im Russischen heißt die Beere Kalin und daraus entstand durch die Verkleinerung schließlich Kalinka.

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Lisabeth, Lia, Alwina Sokolowski (Chor- und Vereinsleiterin von Kalinka), Katharina Schlegel (Leiterin der Kindergruppe Malinka), Romy und Sofia (von Links).
Lisabeth, Lia, Alwina Sokolowski (Chor- und Vereinsleiterin von Kalinka), Katharina Schlegel (Leiterin der Kindergruppe Malinka), Romy und Sofia (von Links). © Rolf Ullmann

Gegründet von sechs Aussiedlerfamilien

Als sich im März 1991 Frauen aus sechs Aussiedlerfamilien in Weißwasser trafen um einen Chor zu gründen, da bedurfte es keiner langen Diskussion, um sich für den Namen Kalinka zu entscheiden. Aus Russland, Moldawien und Kasachstan waren sie aufgebrochen, um in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Mit ihrem Gesang wollten sie zugleich die Erinnerung an ihre bisherige Umwelt erhalten, ihre kulturellen Traditionen bewahren und zugleich Mittler zwischen den Menschen unterschiedlicher Herkunft sein.

Die Mitgliederzahl des Chores wuchs in den folgenden Jahren rasch bis auf 23 Frauen an. Doch diese relativ hohe Mitgliederzahl konnte nicht gehalten werden. Inzwischen schrumpfte die Schar der Sängerinnen aus mehreren Gründen auf gegenwärtig zehn.

„Mehrere Familien haben inzwischen Weißwasser wieder verlassen. Sie sind zu ihren Töchtern und Söhnen gezogen, die Arbeit in den westlichen Bundesländern gefunden haben“, benennt Alwina Sokolowski einen der Gründe für diese Entwicklung. Die junge Frau leitet sowohl den Chor als auch den Verein Kalinka.

Denn vor zehn Jahren wurde auch der Verein des Chores Kalinka im Mai aus der Taufe gehoben. Er bildet seither das organisatorische Gerüst im Leben des Chores. Eigentlich hätte die Jubiläumsfeier für den Verein bereits im Mai stattfinden sollen. Doch die Coronakrise machte auch diesem Vorhaben einen dicken Strich durch die Rechnung. „Jetzt holen wir dieses Ereignis im SpinnNetz am Sorauer Platz nach. Leider sind die Plätze aus Gründen der Hygiene auf 40 beschränkt“, erläutert Alwina Sokolowski. Ohne vorherige Anmeldung ist die Teilnahme an der Veranstaltung nicht möglich.

Seit Montag können sich daher die Besucher telefonisch oder bei einem persönlichen Besuch am Sorauer Platz auf die Besucherliste setzen lassen.

Neben dem Chor Kalinka erfreuen auch die Jüngsten der Nachwuchsgruppe Malinka das Publikum mit ihren Tänzen und Liedern. Fünf Mädchen im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren zeigen dann ihr Können auf dem Parkett. „Malinka ist etwa zur gleichen Zeit wie der Chor aus der Taufe gehoben worden,“ erklärt Katharina Schlegel. Sie leitet die Gruppe und trainiert mit den Mädchen jeweils am Freitagnachmittag nach der Probe des Frauenchores, Im Namen der Nachwuchsgruppe verbirgt sich das russische Wort „Malenki“ was übersetzt „klein“ bedeutet.

Aber klein bleiben die jungen Künstler ja nicht auf Dauer. Wenn sie zu Jugendlichen herangewachsen sind, verstärken viele von ihnen die Schar der Sängerinnen. So verfügt Kalinka über ein eigenes Nachwuchsreservoire. „Es wäre natürlich schön, wen sich auch der eine oder andere Mann beziehungsweise Jugendliche entschließen könnte, bei uns im Chor oder Verein mitzuwirken,“ sagt die Chorleiterin.

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Eine Jubiläumsveranstaltung bietet natürlich stets die Gelegenheit. Danke zu sagen, für die Zusammenarbeit und stete Unterstützung. So gilt vor allem dem Generationstreff „SpinnNetz“ ein ganz großes Dankeschön. Seit der Gründung des Chores fand Kalinka hier seine Heimstatt, seinen Raum für die Proben und seine Auftritte. Den Sponsoren, wie den Stadtwerken Weißwasser, dem Unternehmen Veolia, dem Stadtverein Weißwasser sowie der Sparkasse, gilt der Dank der Frauen ebenso wie an Rainer Wetzorke, dem ersten Chorleiter. Auch an die Vereine „Wir sind wir“ und „Miteinander““ gehen herzliche Worte des Dankes für die Zusammenarbeit. Neben dem Sommerfest bereitet sich Kalinka, dessen Repertoire ungefähr 400 Lieder aus Russland, Kasachstan und Moldawien umfasst, auf die nächsten Auftritte vor, so auf das Chorsingen im Findlingspark Nochten und auf das Weihnachtsprogramm.

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