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Chormusik ist für alle da

Bundesweit liegt gemeinschaftliches Singen wieder im Trend. In Radeberg ist die Chorszene von der Kirche geprägt.

Kantor Rainer Fritzsch ist für die Radeberger die Antriebskraft für das hiesige kirchliche Chorleben.
Kantor Rainer Fritzsch ist für die Radeberger die Antriebskraft für das hiesige kirchliche Chorleben. © René Plaul

Radeberg. Kantor Rainer Fritzsch gerät ins Schwärmen, wenn er von diesem beeindruckenden Musikprojekt erzählt. Ist ja auch noch gar nicht so lange her. Vor knapp zwei Monaten, zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 800. Geburtstag der Stadt Radeberg, hatte ein Chor, der sich aus Sängerinnen und Sängern der Radeberger Kantorei sowie aus Chören der Region zusammensetzte, mit „Carmina Burana“ ein beeindruckendes Open-Air-Spektakel auf dem Marktplatz gezeigt. Unterstützt wurde das Gesangsemsemble von einem Dresdner Orchester. Der Auftritt der 130 Chorsänger, die gemeinsam mit 55 Musikern auf der Bühne standen, habe das Publikum beeindruckt, einige waren derart angetan von den Sängern, so Kantor Fritzsch, „die wollten einmal bei einer Chorprobe vorbeischauen“.

Wer in Radeberg Lust am gemeinschaftlichen Singen verspürt, der versucht sich, je nach Altersstufe, zumeist in den chorischen Gruppen der hiesigen Stadtkirche. Chorsingen hat dort eine lange Tradition. „Man kann schon sagen, dass bei uns die Verhältnisse besser sind als in manch anderer Stadt“, so der Kantor, der rund 160 Kinder und Erwachsene im Alter von 3 bis 78 Jahren in den Kirchenchören betreut.

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Kaum Nachwuchssorgen

Das Chorleben in Radeberg sei, so Kantor Fritzsch, eines, das man als „lebendig“ beschreiben könne. Dabei litten Chöre gerade in den Nachwendejahren unter eklatantem Nachwuchsmangel. Hüben wie drüben. Klar, in Radeberg habe man das auch gemerkt, allerdings bei Weitem nicht so extrem wie andere Gesangsensembles. Mittlerweile gebe es aber wieder eine Renaissance der Chormusik, so der Kantor weiter. Viele Menschen ziehen in ihrer Freizeit die Gemeinschaft vor, wollen ein Gemeinschaftsgefühl ausleben, das in vielen gesellschaftlichen Bereichen darniederliegt. Da ist das Singen in tutto gruppo bestens geeignet, auch der solidarischen Komponente wegen.

In Radeberg habe sich in den zurückliegenden Jahren, ja Jahrzehnten, ein gewachsenes Chorleben gebildet, beschreibt es Kantor Fritzsch. Was sicher mit der Tradition der Kirchenchöre in der Stadt zusammenhängt. „Wer als Kind oder Jugendlicher bei uns mitsingt, erfährt hier sozusagen seine gesangliche Sozialisation“, so der 44-jährige Fritzsch. Wer in der Jugendkantorei singe, der werde sicher auch in späteren Jahren dem Kirchenchor treu bleiben.

Chor-Szene ist im Aufwind

Beim Deutschen Chorverband erfährt man, dass das Singen bundesweit ziemlich im Aufwind ist. Oder anders ausgedrückt: Die Chor-Szene ist so vital wie lange nicht mehr. Etwa zwölf Prozent der Deutschen singen in schätzungsweise 108 000 Chören und Gesangsgruppen im Land. Dass das Singen wieder trendy ist, hängt aber auch mit der Tatsache zusammen, dass man heutzutage seine musikalischen Vorlieben in einem breiteren Spektrum als in früheren Zeiten ausleben könne, so Kantor Rainer Fritzsch. Den einen ziehe es in einen Jazz-Chor, andere in einen Gospel- oder Pop-Chor. Doch ungeachtet der Trendwende gibt es eine Spezies, die man in den Chören eigentlich immer sucht: Männer. Vor allem im Alter von 20 bis 30 Jahren. Das sei, so Kantor Fritzsch, ohnedies ein Altersbereich, in dem so vieles passiere, im beruflichen wie auch im privaten Bereich. Da werden nun mal andere Prioritäten gesetzt, auch von Männern. Ein weiterer Grund für den Männermangel bei Chören: „Ich glaube, viele finden das Singen uncool“, so Kantor Fritzsch. Dabei sei das Chorsingen doch einfach faszinierend, so der Kantor. Vor allem bei Konzerten. In der Radeberger Kirche sind die verschiedenen Chöre immer präsent. Bei den Gottesdiensten sowieso. Das „gehört sozusagen zu unserem kirchenmusikalischen Kerngeschäft“, meint Kantor Fritzsch. Die Ausgestaltung der Gottesdienste mit choraler Kirchenmusik sei etwas, was Sänger wie die Besucher der Messen sehr schätzten.

Und überhaupt: Wer singt, tut Körper und Geist garantiert was Gutes, tankt eine Menge Selbstvertrauen. Doch die bestimmt schönste „Nebenwirkung“ des Chorsingens ist, das steht auch für Kantor Fritzsch fest: Es macht einfach großen Spaß!

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