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Dynamo

Von ihm erwartet die SGD einiges

Chris Löwe wollte wieder zurück in seine sächsische Heimat. Das ist ein Glücksfall für Dynamo – nicht nur finanziell.

An die heißen Sommer in Deutschland muss sich England-Legionär Chris Löwe erst wieder gewöhnen.
An die heißen Sommer in Deutschland muss sich England-Legionär Chris Löwe erst wieder gewöhnen. © Lutz Hentschel

Für das Gespräch mit den Journalisten sucht er sich erst einmal ein schattiges Plätzchen. Die Einheit davor, seine erste bei Dynamo, war schweißtreibend genug. „Ich bin die Hitze aus England nicht mehr so gewohnt“, sagt Chris Löwe und grinst. Drei Jahre war er bei Huddersfield Town, die letzten beiden spielte er mit dem Klub in der Premier League. Und nun also Dynamo.

Zwar konnte er am Ende der abgelaufenen Saison mit Huddersfield die Klasse nicht halten, der Wechsel nach Dresden fühlt sich trotzdem fast wie ein doppelter Abstieg an. Löwe weiß das natürlich, er ahnt, welche Fragen nun kommen werden, deshalb geht er gleich in die Offensive. „Wir wollten als Familie zurück nach Hause“, erzählt er.

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Sein Zuhause ist eigentlich Plauen, dort ist er geboren, aufgewachsen, hat beim 1. FC Wacker mit dem Fußballspielen begonnen. Danach kickte er neun Jahre für den CFC. In Chemnitz wohnt die Familie nun wieder, Löwe pendelt zum täglichen Training nach Dresden. Seinen Dialekt hat er nie verloren, nicht in Dortmund, Kaiserslautern oder Huddersfield, den Stationen nach Chemnitz. Nun wird bei Dynamo wieder gesächselt, daran muss man sich erst mal gewöhnen.

Löwes Heimweh ist ein Glücksfall für die Schwarz-Gelben. Genauso formuliert es auch Sportdirektor Ralf Minge. „Vor einem halben Jahr hätte ich nicht gedacht, dass dies umsetzbar ist“, erklärt er und meint damit vor allem das Finanzielle. Der Vertrag des 30-Jährigen lief noch bis 2020, die fällige Ablösesumme wird durch den Abstieg und seinen Umzugswunsch aber wohl unter die Schmerzgrenze gerutscht sein.

Minge gerät ins Schwärmen, als er Löwes Vorzüge aufzählen soll: „Qualität, Erfahrung, Persönlichkeit, Charakter, Siegermentaliät – und dann auch noch der regionale Bezug.“ Mehr geht fast nicht, irgendwann fällt an diesem Nachmittag auch noch der Begriff Königstransfer. Die Erwartungen, die auf dem zierlichen Linksverteidiger ruhen, so wirkt es, könnten zur Belastung werden. Cristian Fiel tritt erst einmal auf die Euphoriebremse. „Einer allein kann nichts ausrichten“, sagt der Trainer, fügt dann aber doch hinzu: „Natürlich erwarte ich von ihm mehr als von einem Jungen, der gerade aus der Jugend kommt. Diesen Anspruch hat er auch an sich selbst.“

Vor acht Jahren spielte er noch in Dortmund und bekam ein Lob von Jürgen Klopp.
Vor acht Jahren spielte er noch in Dortmund und bekam ein Lob von Jürgen Klopp. © Torsten Silz

Löwe hält sich mit Ankündigungen zurück. Dass Einzige, das er wirklich versprechen könne, ist, „dass ich alles gebe, um so erfolgreich wie möglich zu sein“. Zehn Saisontore solle man von ihm auf seiner Position aber bitte nicht einplanen. Für Stabilität und die nötige Einstellung allerdings soll er schon sorgen. Daran mangelte es in der vergangenen Saison – und besonders dann, wenn Marco Hartmann verletzt fehlte. Es gab zu wenige, die allein durch ihre Körpersprache die Mitspieler antrieben und sich nicht verunsichern ließen. Mit Löwe, so scheint es, könnte es wieder lebendiger werden auf dem Platz.

Eine Stelle im neuen Mannschaftsrat ist bei diesen Voraussetzungen fast schon reserviert, einen Führungsanspruch meldet er jedoch nicht an. „Natürlich werden die Augen ein bisschen mehr auf mich gerichtet sein. Das ist aufgrund meiner Historie normal. Aber über die Kapitänsbinde mache ich mir absolut keine Gedanken“, versichert er. Zumal dies Hartmann und Patrick Ebert erfolgreich gemacht hätten. „Da verbietet es allein der Respekt, darüber zu sprechen“, findet er.

2011 heiratete Chris Löwe seine Freundin Monique.
2011 heiratete Chris Löwe seine Freundin Monique. © Igor Pastierovic

Die Rückkehr in die Heimat soll offenbar keine temporäre sein, sondern eine dauerhafte. Der Vertrag läuft drei Jahre, das klingt nicht nach Zwischenstopp. Auf die Tipps seines einstigen Mitspielers und Ex-Dynamos bei Huddersfield, Michael Hefele, hat er jedoch verzichtet. Erst als der Vertrag bereits unterzeichnet war, habe er ihm ein Foto aus Dresden geschickt. „Da hätte ich gerne sein Gesicht gesehen“, sagt Löwe. „Er hat aber natürlich davor schon viel über seine Dresdner Zeit geredet – und geschwärmt.“

Entscheidender aber waren wohl die Gespräche mit Minge und Fiel und das Gefühl einer vielversprechenden Perspektive. „Ich glaube, dass hier was entsteht. Man merkt, dass der Verein in die richtige Richtung geht, ein klarer Plan da ist“, erklärt er und nennt die Investition im Ostra-Gehege als Beispiel: „Wir bauen ja auch ein neues Trainingsgelände.“ Die Wahl des Personalpronomens zeigt, dass die Umstellung auf den neuen Arbeitgeber sehr schnell ging.

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Und auch bei seinen persönlichen Zielen sind Zweifel unangebracht. Dabei ist die Vermutung, dass einer mit 30 in der alten Heimat die Karriere austrudeln lassen will, nicht so abwegig. Löwe schüttelt energisch den Kopf. „Wenn einmal der Tag kommen sollte, an dem ich ein Trainingsspiel verliere, ohne dass es mich danach nervt, dann ist der Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören. Aber so weit ist es noch lange nicht“, erklärt er entschlossen, verabschiedet sich und geht in die Kabine. Genug geschwitzt für heute.

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