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Christian Thielemann pokert in Salzburg

Dresdens Chefdirigent kämpft auf seine spezielle Art um die Leitung der Osterfestspiele in der Mozart-Stadt.

Christian Thielemann ist als Dirigent auf dem Zenit einer Kunst und kämpft um seine Lieblingsplätze mit allen Mitteln.
Christian Thielemann ist als Dirigent auf dem Zenit einer Kunst und kämpft um seine Lieblingsplätze mit allen Mitteln. © APA/dpa

Der Dirigent Christian Thielemann verlässt sich auf sein Bauchgefühl. „Ach, manchmal haben Sie das Gefühl, dass Sie mit Menschen zusammenpassen, und manchmal, dass Sie nicht zusammenpassen.“ Gesagt hat er das jüngst, als der Chef der Sächsischen Staatskapelle wieder mal eine Entscheidung zur Leitung der Salzburger Osterfestspiele kommentierte. Die führt er seit 2013 künstlerisch und hatte bislang mit mehreren Geschäftsführenden Intendanten gut zusammengearbeitet.

Doch ab kommendem Jahr soll das der bisherige Intendant der Bayerischen Staatsoper München, Nikolaus Bachler, werden. Mit dem kann und will der Stardirigent aber nicht, ohne konkret zu werden. Die Entscheidung der Salzburger Kulturpolitiker für Bachler müsse korrigiert werden, so Thielemann jetzt. Er ist derzeit in der Mozart-Stadt, wo er mit Teilen der Kapelle und des Staatsopernchores die Richard-Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ probiert. Premiere ist am Sonnabend. Kommende Spielzeit ist diese Produktion dann in der Dresdner Semperoper zu erleben.

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Mehr noch als den neuen Mann an seiner Seite lehnt der Stardirigent ab, dass Bachler ab 2022 die künstlerische Gesamtverantwortung übertragen bekommt. Dann wäre er quasi nur noch Frühstücksdirektor. „Es gibt manchmal Entscheidungen, die man nicht nachvollziehen kann“, sagt der Dresdner.

Der Gegenpart: Nikolaus Bachler ist noch Chef der Bayerischen Staatsoper - gilt als Machtmensch durch und durch. 
Der Gegenpart: Nikolaus Bachler ist noch Chef der Bayerischen Staatsoper - gilt als Machtmensch durch und durch.  © dpa

Beide Männer, der Musiker ist 60, der Intendant 68, haben noch nie miteinander gearbeitet. Deshalb hatte sich der Dirigent zunächst an den anderen herangetastet. Er müsste sich ja theoretisch mit ihm ab 2022 etwa über Spielplan und Besetzungen einigen. Doch der Star stellte fest, dass das wohl „nicht gut funktioniert“. An den Berufenen formulierte er es so: „Für eine solche Kooperation fehlt es an einem unabdingbaren persönlichen Vertrauensverhältnis. Weder kann dies von Ihnen erwartet werden, noch möchte ich in die Lage versetzt sein, Ihnen fachliche Anweisungen erteilen zu müssen.“

Davon will der zuständige Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer nichts wissen. Der sagt einerseits, dass der Dirigent und die Staatskapelle „auch weiterhin die künstlerische Basis der Osterfestspiele“ sind. Andererseits betont er: „Diese Entscheidung ist gefallen. Es wird ein starkes Duo Thielemann und Bachler. Die Weichen für die Zukunft der Osterfestspiele sind gestellt, und ich bin mir sicher, dass sie mit diesem Führungsteam ihrem Ruf als einzigartiges Festival mit außergewöhnlichen Produktionen gerecht werden.“

Beobachter vermuten darin eine Intrige. Man will offenbar Thielemann provozieren, um ihn loszuwerden. Damit die Berliner Philharmoniker zurückkehren. Die hatten das privat geführte und finanzierte Klassikfestival seit der Gründung 1967 gestaltet, waren aber 2013 aus monetären Gründen nach Baden-Baden gewechselt.

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Thielemann kämpft – auf seine Art und legte nun nach. Er ließ den Termin, seinen bis 2021 laufenden Vertrag zu kündigen, verstreichen. Damit hat er automatisch die künstlerische Leitung weiter inne und plant bereits die folgenden Festspiele. „Die Entscheidung ist revidierbar“, so der Dirigent. Er verweist auf Erfolge: „Wir spielen 87 Prozent der Kosten ein und haben eine Auslastung von 93 Prozent.“ Das müsse erst einmal einer nachmachen. „Ich hoffe daher auf die Einsicht der Beteiligten.“ Das Vertrauensverhältnis sei entscheidend, damit „die wunderbaren Osterfestspiele harmonisch fortgesetzt werden“.

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