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Christian Thielemanns Klangmagie im Kleinformat

Richard Strauss dominiert das erste Konzert der Staatskapelle Dresden, das ergreifend endet.

Christian Thielemann leitete am Sonntagabend das Konzert zum Saisonstart der Staatskapelle in der Semperoper.
Christian Thielemann leitete am Sonntagabend das Konzert zum Saisonstart der Staatskapelle in der Semperoper. © Matthias Creutziger

Von Karsten Blüthgen

Mit opulentem Richard Strauss sollte diese Konzertsaison der Sächsischen Staatskapelle Dresden starten. Mit Walzern und wuchtigen Tondichtungen. So lautete der Anfang März veröffentlichte Plan. Dann kamen Corona, der Lockdown, die Lockerungen und zum Ende der letzten Spielzeit ein vorsichtiger Neubeginn: mit weniger Musikern und weniger Zuschauern.

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Der Sonntagabend in der Semperoper bewies: In der Not bekommen andere Werkschönheiten ihre Chance. So die Bearbeitung der Ouvertüre und Tanzszene aus der Kammeroper „Ariadne auf Naxos“ für kleines Orchester. Strauss‘ „Duett-Concertino“ für Klarinette und Fagott mit Streichorchester und Harfe animierte Wolfram Große und Philip Zeller zu großer Spiellaune. Hut ab, zumal beide Solobläser bei den benachbarten Stücken im Orchester mitspielten.

Eine schonungslose Seelenschau

Sopranistin Anja Kampe schwärmte und schwelgte in Richard Wagners „Wesendonck-Liedern“. Thielemann führte in dieser dem „Tristan“ nahen Musik Solistin und Orchester haargenau zusammen. Auch die ergreifenden „Metamorphosen“ am Ende wären ohne die aufgrund der Abstandsregeln nötige Programmänderung so schnell nicht wieder zu hören gewesen. Thielemann und die Kapellmusiker boten mit der Studie für 23 Solostreicher eine schonungslose Seelenschau des gebrochenen, trauernden 80-Jährigen, der nach dem Zweiten Weltkrieg Verwüstung und Untergang sah. Es folgte Stille, dann der Applaus. Im zurzeit mit etwa 300 Besuchern ausverkauften Opernsaal war er ähnlich leidenschaftlich und ausdauernd, wie die Musiker zuvor ans Werk gingen.

Thielemann nahm den Dank diesmal auffällig zurückhaltend entgegen. Fehlt ihm das volle Haus? Die Konzerte der Staatskapelle tragen bis Ende Oktober den Zusatz „Variation“. Sprich: Diese mussten komplett abgesagt und – mit teilweise verändertem Programm und stets deutlich weniger Plätzen – neu angesetzt werden. Die Abende unter Christian Thielemann in der Semperoper sind ausverkauft, für andere sind durchaus noch Tickets zu haben. 

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Auch für den Auftritt kommenden Samstag, einer besonderen Variation. Die Staatskapelle gibt unter Chef Thielemann ihr Debüt im Erzgebirgsstadion Aue – überhaupt das erste Stadionkonzert ihrer fast 472-jährigen Geschichte. Zum Festakt anlässlich 30 Jahre Freistaat Sachsen sind 2.000 Besucher zugelassen. Ein bitterer Traum für Fußballfans, die dort weiter den Ball nicht rollen sehen dürfen.


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