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Chronik der Laubenpieper

Baschützer Straße. Beim Territorialverband der Gartenfreunde ist jetzt die Geschichte der Kleingartenbewegung von 1893 bis 2006 erschienen.

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Von Carmen Schumann

Als ich vor einem Jahr mit der Arbeit an der Gartenchronik begann, ahnte ich nicht im entferntesten, was da auf mich zukommt“, sagt Volkmar Paidok. „Es wurde immer interessanter, je länger man sich damit beschäftigte.“ Nun liegt das Werk vor und fand bereits regen Absatz. „Jeder der 85 im Landkreis Bautzen angesiedelten Kleingartenvereine hat ein Exemplar kostenlos bekommen“, erklärt der Autor. „Außerdem überreichten wir den Oberbürgermeistern von Bautzen und Bischofswerda, Christian Schramm und Andreas Erler, sowie Landrat Michael Harig je ein Exemplar.“ Bereits im März hatte Christian Schramm den Kleingartenfreunden während ihrer Jahreshauptversammlung einen Zuschuss von 300 Euro für die Druckkosten spendiert.

Volkmar Paidok, der Vorsitzende des Territorialverbandes der Gartenfreunde des Landkreises, hat sich in den zurückliegenden zwölf Monaten durch zahlreiche Archive und Bibliotheken gewühlt und dabei zahlreiche wertvolle Dokumente zur Geschichte der Schrebergärtnerei zu Tage gefördert. Besonders gefreut hat ihn, dass im Laufe seiner Recherchen sich zahlreiche Gartenfreunde bei ihm gemeldet haben, die ihm weitere Unterlagen zur Verfügung stellen konnten. „Eine Sternstunde war für mich, dass ich Nachkommen des letzten Pächters des Brauhausgartens ausfindig machen konnte – dem Ort, wo sich am 19. März 1919 die ‚Bautzener Schrebergarten-Genossenschaft‘ gründete“, sagt Volkmar Paidok. Der Geburtsort der Bautzener Kleingartenbewegung befand sich neben der heutigen Arbeitsagentur und ist 1945 bei den Kampfhandlungen abgebrannt.

Nachdem sich Volkmar Paidok Anfang Februar mit den Chronisten der einzelnen Kleingartenvereine getroffen hatte, gelangte weiteres wertvolles Material in seine Hände. „Ein Gartenfreund übergab mir beispielsweise eine CD mit seiner umfangreichen Sammlung von Zeitungsausschnitten“, freut er sich. „Ein anderer schenkte mir ein Wanderbüchlein der Schreberjugend.“ Und die Taubenheimer Kleingartensparte steuerte gar ihr altes Kassenbuch bei. Einen Teil dieser Dokumente findet der Käufer der Chronik als Faksimile-Abdruck in dem 96 Seiten starken Heft wieder.

„Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, sagt Volkmar Paidok, der selbst seit vielen Jahren aktiver Kleingärtner und Vorsitzender der Sparte „Erdenglück“ ist. „Es ist ein Anfang.“ Mit seinen Arbeitsergebnissen hilft er aber auch den Mitstreitern der Arbeitsgruppe Geschichte des Landesverbandes Sachsen, welche dessen 100. Gründungstag im nächsten Jahr vorbereiten. „Eine CD mit dem aufbereiteten Material habe ich den Kollegen bereits übergeben“, sagt er. In diesem Zusammenhang fand Volkmar Paidok auch heraus, dass 1923 die Hauptversammlung des Landesverbandes in Bautzen stattgefunden hatte – eben in jener Gaststätte „Brauhausgarten“. Mit Karl Holfert aus Hannover, dem Sohn des letzten Pächters, steht Volkmar Paidok in regem Briefwechsel.