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Cindy ist im Fußballfieber

Die Frau aus Neusalza-Spremberg arbeitet als Helferin bei der Frauen-Fußball-WM in Frankreich. Was die 21-Jährige daran so begeistert, obwohl sie kein Fußballfan ist. 

Cindy Thronicker aus Neusalza-Spremberg arbeitet derzeit als Freiwillige bei der Frauen-Fußball-WM in Frankreich. Sie ist in Grenoble im Einsatz, im Hintergrund sieht man hier die französische Stadt.
Cindy Thronicker aus Neusalza-Spremberg arbeitet derzeit als Freiwillige bei der Frauen-Fußball-WM in Frankreich. Sie ist in Grenoble im Einsatz, im Hintergrund sieht man hier die französische Stadt. © privat

Vier Wochen Urlaub in Frankreich - das ist doch mal eine Ansage. Das macht Cindy Thronicker aus Neusalza-Spremberg gerade. Die 21-Jährige pausiert aber grade nicht von ihrem Studium an der Berufsakademie Bautzen und dem studienbegleitenden Job in der Landskronbrauerei in Görlitz, um in der Sonne zu liegen. 

Sie ist derzeit in Grenoble als Volunteer - also freiwillige Helferin - bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen im Einsatz. Über ein Volunteers-Programm des Deutsch-Französischen Jugendwerks hat sie sich beworben - und hatte Glück. Nun kann sie hautnah dabei sein, wenn Spielerinnen  aus aller Welt um den Titel kämpfen und Zuschauer aus aller Herren Länder sie im Stadion anfeuern. 

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Eine Voraussetzung, als Volunteer aufgenommen zu werden, waren natürlich Sprachkenntnisse in Französisch und Englisch. Und die hat Cindy. Schon als Zehnjährige verbrachte sie über ein Austauschprogramm für Schüler sechs Monate in Paris. Wie gut sie französisch kann, musste sie nach ihrer ersten Bewerbung 2016 im Auswahlverfahren gleich in einem Telefontest unter Beweis stellen. Denn auch bei der EM der Männer, die 2016 ebenfalls in Frankreich stattfand, ist Cindy schon als Helferin dabei gewesen. 

Vor drei Jahren war sie in Nizza eingesetzt. Damals machte ihre ehemalige Französischlehrerin sie auf eine Ausschreibung vom Deutsch-Französischen Jugendwerk aufmerksam. Die junge Frau war gerade mit dem Abi fertig und nutzte die Möglichkeit, direkt von der Schulbank in die weite Welt zu starten. "Eigentlich habe ich mich mehr aus Spaß beworben. Ich habe mir gar keine großen Chancen ausgerechnet." Doch prompt wurde sie kontaktiert und überzeugte offenbar. 

Das deutsch-französische Volunteers-Programm basiert auf einer Kooperationsvereinbarung, die das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Local Organising Commitee (LOC 2019) der französischen Fußballförderation - der Fédération Française de Football - geschlossen hat, erklärt Johanna Haag, Pressebeauftragte beim DFJW.  Schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2011 sowie bei der EM der Männer 2016 wurde das angeboten.

Ausgewählte Deutsche und Franzosen zwischen 18 und 30 Jahren helfen gemeinsam mit insgesamt rund 2.500 Helfern bei VIP-Betreuung, Kommunikation und Logistik, Transport, Marketing oder Zuschauerservice. Sie arbeiten größtenteils in Stadien, in denen die deutschsprachigen Teams antreten. Sie erhalten  während des Turniers freie Verpflegung und Kleidung. Vom Jugendwerk werden sie außerdem vor Ort unterstützt, so Frau Haag.

Eine Komplettausstattung bekommen die Volunteers von der Fifa gestellt - sogar die Socken. Die rote Trinkflasche war ein Geschenk an alle Volunteers für den Einsatz während des zweiten Matches.
Eine Komplettausstattung bekommen die Volunteers von der Fifa gestellt - sogar die Socken. Die rote Trinkflasche war ein Geschenk an alle Volunteers für den Einsatz während des zweiten Matches. © privat

War sie 2016 noch im Ticketservice eingesetzt, darf Cindy diesmal als VIP-Betreuerin arbeiten, erzählt sie. Eine Aufgabe im VIP-Bereich ist es, die geladenen Gäste zum Beispiel am Parkhaus-Eingang abzuholen, zu begrüßen, ins Stadion zu begleiten. Auch im Stadion selbst ist sie Ansprechpartnerin für jegliche Probleme der Gäste. "Wir haben immer ein Walkie Talkie dabei und können Hilfe organisieren", erzählt Cindy. Aber auch anpacken ist gefragt: Vor den Spielen haben Cindy und andere Helfer zum Beispiel im VIP-Bereich Sitze montiert und überprüft.

Gäste, die in den VIP-Bereich kommen, müssen nicht immer Prominente sein. "Das sind meist Leute, die auf Einladung kommen. Zum Beispiel die Botschafter der jeweiligen Länder, die gerade spielen." Aber auch der eine oder andere Promi kann durchaus auftauchen. Fifa-Präsident Giovanni Infantino wird zum Beispiel noch erwartet.

Geld bekommen Cindy Thronicker und die anderen Volunteers für ihren Einsatz nicht. Das Deutsch-Französische Jugendwerk und der Deutsche Fußball-Bund spendieren ihr aber die Kosten für Anreise und Unterkunft. "Da habe ich großes Glück, dass ich über das Programm reingekommen bin", sagt Cindy. Denn normalerweise müssen sich die Freiwilligen selbst darum kümmern.

Ein großer Fußballfan ist die junge Frau eigentlich nicht. "Ich war schon mit bei dem einen oder anderen Dynamo-Spiel. Ich schaue mir das auch ganz gerne an, aber ich habe keine Ahnung davon", gesteht sie. Dennoch sei die Atmosphäre im Stadion sehr faszinierend und etwas besonderes, gerade bei so einer Weltmeisterschaft. Deshalb hat sie sich dafür extra vier Wochen freigenommen. "Es macht unheimlich viel Spaß, die Fans zu beobachten", erzählt Cindy. Viele geben sich große Mühe, kommen in traditioneller Kleidung ihres Landes, um ihre Mannschaft anzufeuern.

Bis Anfang Juli bleibt Cindy noch in Frankreich. Ihr Einsatz in Grenoble endet allerdings am 22. Juni. Dann ist das letzte Spiel dort im Stadion. Nun hofft die Neusalza-Sprembergerin darauf, dass die deutsche Frauen-Nationalmannschaft nach Grenoble kommt und sie die Kickerinnen live erleben kann. "Wenn sie Gruppen-Erster werden, spielen sie in Grenoble. Deswegen bin ich immer gespannt, ob sie es schaffen." Denn auch, wenn sie kein großer Fußballfan ist, fiebere sie doch mit der Mannschaft ihres Landes mit.

Und auch eine französische Fußballspielerin hat inzwischen ihr Interesse geweckt: Wendie Renard, die 1,87 Meter große Spielerin der französischen Nationalmannschaft. "Die mag ich, weil sie auffällt. Und auch wegen ihrer Art zu spielen." Das hat die junge Frau sehr beeindruckt und blieb ihr im Gedächtnis. 

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