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Feuilleton

So war der "Polizeiruf" aus Magdeburg

Beim Sonntagskrimi im Ersten floriert das Geschäft mit illegalen Sportwetten, und die Polizei spielt mit. Vor allem brilliert Ermittlerin Claudia Michelsen.

Claudia Michelsen muss jede Menge einstecken bei den Ermittlungen im Milieu der illegalen Sportwetten.
Claudia Michelsen muss jede Menge einstecken bei den Ermittlungen im Milieu der illegalen Sportwetten. © MDR/Stefan Erhard

Der Auftakt ist gut inszeniert mit wilden Pferden, Hufen, Nüstern, Halftern. Tempo, Farbe. Musik ist stimmig, erzeugt Spannung, wie sich das für einen guten „Polizeiruf 110“ gehört. Im Laufe des Films kehren einzelne Szenen wieder. Dann wird offensichtlich, was daran nicht stimmt: Dass Doreen Brasch nachts träumt, was ihr demnächst passieren wird. 

Selbst unter dem Einfluss starker Schmerzmittel ist es höchst unwahrscheinlich, dass ihr im Traum ein Gesicht eines real existierenden Menschen erscheint, dem sie bis dahin nicht begegnet ist: LKA-Kollege Hannes Kehr. Er leitet die Sonderkommission Toto, die die Drahtzieher illegaler Sportwetten überführen soll. Seit zwei Jahren ermittelt die Soko, seit zwei Jahren ohne Ergebnisse. Nun liegt die Leiche eines jungen Mannes an der Elbe, der eine Wettkarte bei sich hat und schon ist der Fall nicht mehr nur einer der Mordkommission.

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© MDR

Als Braschs Chef am Tatort auftaucht und das mit Personalmangel begründet, fragt die Kommissarin zurück: „Warum nur sind alle Kollegen so schnell wieder weg? Liegt es an mir?“ Dass diese Frau Albträume hat, verwundert nicht.

Claudia Michelsen gibt der Kriminalkommissarin die selbstzerstörerische Hartnäckigkeit, mit der sie viele erschreckt. Sie ist ein rauer Typ. Aber sie hat ihre Seele nicht an den Job verloren. Noch nicht. Noch nicht ganz.

In den Szenen, als sie den Eltern des Ermordeten die Todesnachricht überbringt, als sie mit dessen Frau spricht, legt Michelsen den Schalter überzeugend um von der harten Ermittlerin zur empathischen Frau. Ihr Gesicht spiegelt die extremen Situationen, mit denen sie in diesem Fall konfrontiert wird, sehr differenziert. Großartige Leistung von Claudia Michelsen!

Um zu verstehen, wie Spielsüchtige ticken und was sie antreibt, beginnt Brasch selbst zu spielen. Seit Langem hat sie unsägliche Schmerzen in der Schulter, kommt nur mit Schmerzmitteln um die Runden. Nun wird sie auch noch mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und wacht halbnackt in einer Grünanlage auf. Kein Kreislauf macht so etwas mit, warnt sie der Kollege. Aber Brasch muss gleich schon wieder rennen.

Es dauert, und es passiert viel, bis sie auf der Pferderennbahn zusammenklappt. Mit Blut an den Händen, so hat sie es auch geträumt. Nur war es Hannes Kehl, der sie im Traum auffing. Am helllichten Tag ist es ihr Chef, dem sie in die Arme sinkt.