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Wie Clowns jetzt Heimbewohner aufbauen

Ins Bannewitzer Pflegeheim kommen die roten Nasen regelmäßig, wenn nun auch anders als gewohnt. In der Corona-Krise sind sie ein besonderer Gewinn.

Die roten Nasen „Olivia“ (Elisa Mendt, links) und „Birschitt O’Pardon“ (Maria Gundolf) bei ihrem letzten Auftritt vor der Krise im Pflegeheim Florence in Bannewitz.
Die roten Nasen „Olivia“ (Elisa Mendt, links) und „Birschitt O’Pardon“ (Maria Gundolf) bei ihrem letzten Auftritt vor der Krise im Pflegeheim Florence in Bannewitz. © Karl-Ludwig Oberthür

"Ich komme mal zu Ihnen runter", sagt Birschitt O'Pardon in ihren durchweg rosa Klamotten und der roten Clownsnase im Gesicht entschlossen und hockt sich vor die Heimbewohnerin im Rollstuhl. Die Antwort der über 90-Jährigen folgt prompt: "Na, wenn das Ihre Knochen mitmachen." Das machen sie. Die Begegnung auf Augenhöhe ist schließlich das, was Clowns wie Birschitt und Olivia im Bannewitzer Pflegeheim "Florence" des Deutschen Roten Kreuzes suchen. 

Aller zwei Wochen kommen die roten Nasen hier vorbei, um Heimbewohnern und mitunter auch dem Personal ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern und für Abwechslung im Heimalltag zu sorgen. Wegen der Corona-Krise müssen sich die Clowns derzeit anders behelfen. Per Videochat kommen sie mit den Bewohnern der Einrichtung ins Gespräch und sorgen für Erheiterung. Ein Angebot, das gerade jetzt besonders wichtig ist, wo doch alle Heimbewohner keinen Kontakt zu ihren Familienangehörigen haben dürfen.

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Nicht nur die Clown-Visite per Video-Chat macht das Bannewitzer Pflegeheim, das sich vor allem auf Bewohner mit Demenz spezialisiert hat, zum Novum in der Region. Es gibt bisher kein weiteres Pflegeheim im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und um Dresden, das den Heimbewohnern Clown-Besuche ermöglicht. Eine Kollegin sei im Internet auf das Angebot gestoßen. Daraufhin habe man es ausprobiert, anfänglich mit Skepsis, gesteht Pflegedienstleiterin Heidi Heiler. Was könnte ein Clown schon bewirken? - So einiges, stellte das Pflegepersonal fest. 

Die Stippvisite der roten Nasen sorgt nicht nur für gute Laune während des Besuchs. Gespräche mit den Heimbewohnern, gemeinsames Singen oder kleine Spiele ermuntern zum Mitmachen und fördern Motorik und kognitive Fähigkeiten, beobachtet Heidi Heiler. Außerdem sei das soziale Miteinander, das die Clowns pflegen, eine zusätzliche Bereicherung. Finanziell unterstützt wird das Angebot von der Betriebskrankenkasse BKK VBU, welche die Clown-Besuche des Vereins Rote Nasen Deutschland als Präventionsleistung unterstützt. 

Nicht nur für die Heimbewohner und Personal ist die Stippvisite ein Erlebnis, auch für die Clowns selbst, wie Maria Gundolf alias Clown Birschitt O'Pardon sagt. Und nicht immer sei den Heimbewohnern zum Lachen zumute. Auch dann wird das Beste daraus gemacht, mit viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis. "Das Geheimnis des Clowns liegt im Ja", erklärt Gundolf. Gemeint ist damit der Blick auf das Positive in den Gegebenheiten und auf die Stärken eines Menschen. Clowns sehen immer den Menschen und nie dessen Krankheit oder Zustand. Die Clownsrolle erlaubt es, so auch respektvoll mit Tabus zu spielen und Themen anzusprechen, die sonst zwischenmenschlich schwierig sind. Für dieses sensible Miteinander brauchen Clowns nicht nur eine richtige Ausbildung, sondern vor allem viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. 

Alle Clowns sind Künstler, die das Clown-Dasein quasi nebenher für sich entdeckt haben. Seit 15 Jahren schon setzt Maria Gundolf die rote Nase auf. Für sie sei damals der Krebstod ihrer Mutter der Auslöser für diese besondere Berufung gewesen. Normalerweise steht Gundolf auf größeren Bühnen, vor mehr Publikum. Der Auftritt als Clown im kleinen Kreis des Pflegeheimes sei hingegen aber völlig uneitel und genau das, was auch die Seele hinter dem Clown heilt. Ähnlich sieht das ihre Clownskollegin Elisa Mendt alias Clown Olivia. Die Dresdner Künstlerin steht seit zehn Jahren auch als Clown auf den Bühnen. Schon mehrfach war sie auch im Bannewitzer Pflegeheim im Rote-Nasen-Einsatz. "Egal wie ein Tag beginnt und welche Laune man hat, ich gehe immer belebend aus einer Clown-Visite heraus", erzählt Elisa Mendt. Die rote Nase habe da fast schon eine magische Wirkung, nicht nur für die Heimbewohner.

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