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Cockpits für Patienten

Im Orthopädischen Zentrum Rothenburg bekommen 150 Zimmer neue Fernseher mit Radio und Telefon. Das kostet.

© André Schulze

Von Katja Schlenker

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Flexibel ist der neue Fernseher, den Aloisius Leimer im Zimmer hat. Ranholen, wegschieben, nach links und rechts drehen, alles kein Problem. Bis es passt, er es sich im Bett bequem gemacht hat und das Bild gut zu sehen ist, probiert der Mann aus Guhra bei Neschwitz herum. Er ist Patient im Orthopädischen Zentrum in Rothenburg. „Man kann für sich allein Fernsehen gucken“, sagt Aloisius Leimer. „Im Mehrbettzimmer war das immer nicht so schön.“ Da müssen sich Patienten einen Fernseher teilen. Bis jetzt.

Denn das Orthopädische Zentrum hat etwa 400 000 Euro investiert, um die Patientenkommunikation, wie die Techniker es bezeichnen, zu modernisieren. In der Akutklinik sind 90 sogenannte Cockpits installiert worden. So werden die neuen Fernsehgeräte genannt, erklärt der Technische Leiter Jürgen Lison. „Jeder Patient hat ein eigenes Cockpit“, sagt er. „Damit müssen sie sich nicht mehr auf ein gemeinsames Programm einigen.“ An jedem Patientenbett gibt es Fernsehen mit 35 Sendern und Radio mit 16 Kanälen sowie ein Telefon und Internet – alles in einem Gerät.

Der Ton kommt über Kopfhörer, weshalb sich auch die Patienten in den Mehrbettzimmern bei verschiedenen Fernsehprogrammen nicht gegenseitig auf die Nerven gehen. Wegen des Kabels zwischen Kopfhörer und Gerät sind die Fernseher auch nicht mehr an der dem Bett gegenüberliegenden Wand montiert, sondern über dem Patienten. Der zieht sich die Geräte mit Hilfe eines flexiblen Armes so zurecht, dass er problemlos etwas sehen kann. „Dafür mussten wir ein statisches Gutachten einholen“, erklärt Jürgen Lison. Bisher haben an den Wänden normale Röhrenfernseher gehangen, die Mitte der 1990er Jahre installiert wurden.

Ähnlich ist es im Georgshaus der Klinik für Rehabilitation. Das hat ebenfalls neue Geräte bekommen. In den Ein- und Zweibettzimmern sind 60 Stück mit Fernsehen, Radio und Telefon installiert worden. Internet gibt es auf Wunsch für den eigenen Computer. Zahlreiche regionale Firmen haben dafür gesorgt, dass die neuen Geräte installiert werden und funktionieren. Dazu gehören die Infotech GmbH aus Görlitz, die Elektrotechnik Niesky und die Tischlerei Gerald Schröter aus Kodersdorf. Aber auch die Firma Siemens und der Elektronik-Service Mothes aus Leipzig sind beteiligt gewesen.

„Außerdem haben wir eigene Mitarbeiter, die Spezialisten im Fach sind“, sagt Jürgen Lison. „Und die alles gut vorbereitet haben.“ Immerhin fast ein Jahr hat es gedauert, vom Plan bis zur Umsetzung. Innerhalb von vier Monaten sind die Fernseher ausgetauscht worden, bei laufendem Betrieb. Zwar ist es in den Sommermonaten meist etwas ruhiger im Orthopädischen Zentrum. Dennoch haben die Patienten das eine oder andere der Bauarbeiten mitbekommen. „Wir sind es gewohnt, Sachen bei laufendem Betrieb zu machen“, sagt Verwaltungsleiterin Cornelia Seibt. „Und die Patienten hatten großes Verständnis.“

Das erhofft sich die Verwaltungsleiterin auch, wenn es um die neuen Gebühren geht. Denn ab dem 1. Dezember müssen die Patienten in der Akutklinik für das Fernsehprogramm bezahlen. Für die notwendige Chipkarte müssen sie zehn Euro Pfand hinterlegen. Für das Telefon ist ein Euro Grundgebühr pro Tag sowie zehn Cent Gesprächsgebühr pro Einheit fällig, Internet kostet in der Akutklinik ebenfalls einen Euro Grundgebühr pro Tag, Fernsehen und Radio kosten 1,50 Euro pro Tag. Allerdings nur die ersten zehn Tage. Wer länger in der Akutklinik bleibt, muss ab dem elften Tag nicht mehr bezahlen. In der Reha bleibt das Angebot generell kostenlos. „Es ist eine Investition des Krankenhauses, die wir nicht aus dem eigenen Betrieb bezahlen können“, sagt Cornelia Seibt. „Wir haben versucht, bei den Gebühren einen guten Kompromiss zu finden.“

Dass Patienten fürs Fernsehen bezahlen müssen, ist in den Krankenhäusern der Region mittlerweile keine Seltenheit mehr. Ein Beispiel ist das Städtische Klinikum Görlitz. Es ist mit 16 Fachkliniken, zwei Instituten und verschiedenen Medizinischen Zentren ein Schwerpunktkrankenhaus unter den ostsächsischen Krankenhäusern. Hier zahlen die Patienten seit Januar 2013 Geld für das Fernsehen, erklärt Sprecherin Katja Pietsch. Es kostet drei Euro pro Tag, Telefon 1,50 Euro und zehn Cent pro Einheit, Internet im Haus B kostet zwei Euro.

„Das Klinikum profitiert nicht vom eingenommenen Geld“, sagt Katja Pietsch. „Diese Einnahmen gehen komplett an den externen Dienstleister, die Firma Siemens.“ Die versorgt die Patienten über einen sogenannten Gestattungsvertrag mit Fernsehen, Telefon und Internet. Zudem hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren rund eine halbe Million Euro in Fernsehgeräte, Antennenanlage oder die Kassenautomaten investiert. Ein Großteil der rund 420 Fernseh- und Telefongeräte im Klinikum sind in den Häusern A und B mittlerweile Multimediageräte, die Telefon, Fernsehen und Internet verbinden.

„Das Klinikum kann die Ausstattung mit Fernsehgeräten nicht tätigen“, sagt Katja Pietsch. „Es gibt für solche Serviceleistungen kein extra Geld oder Fördermittel für Krankenhäuser.“ Ähnlich geht es dem Orthopädischen Zentrum. Das hat die modernen Geräte selbst bezahlt. Hier werden die Medien jetzt über die eigene Satellitenanlage empfangen und das eigene elektronische Datenverarbeitungsnetz umgesetzt.