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Commerzbank-Chef sucht Kunden in Prag

Görlitz. Über zwei Jahre leitete Thomas Klatte von der Stadt aus das regionaleFirmenkundengeschäftbei der Commerzbank – ab sofort tut er das in Prag.

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Von Frank Seibel

Prag war für Thomas Klatte schon immer verlockend. Knapp zwei Stunden Autofahrt, schon ist man mittendrin in einer Weltstadt, schwärmt der 46-jährige Chef der Commerzbank in Görlitz. Von nun an wird er am Wochenende in die umgekehrte Richtung fahren. Von Prag heim nach Görlitz. Denn ab sofort ist Prag der Arbeitsort von Thomas Klatte. In der Commerzbank-Niederlassung in der tschechischen Hauptstadt wird er Teamleiter für das Firmenkundengeschäft. Eine echte Herausforderung ist das, betont der gebürtige Görlitzer. Mit 160 Mitarbeitern – darunter eine Handvoll Deutsche – ist die Niederlassung in Prag ein Vielfaches größer als die Görlitzer Filiale.

Die Arbeit an sich ist für Klatte aber keineswegs Neuland. Zweieinhalb Jahre lang war er der erste Mann für die Betreuung von Firmenkunden bei der Commerzbank. Das heißt: Unternehmenskonzepte prüfen, Kredite aushandeln, neue Kunden an Land ziehen.

Kanadische Großinvestition

Die gesamte Region zwischen Dresden und Görlitz zählte bislang zu seinem Bezirk. Viele mittelständische Unternehmen hat er von Görlitz aus betreut, aber auch einige größere Fische geangelt. Stolz ist Thomas Klatte darauf, dass die Commerzbank die Ansiedlung einer Solarzellenfabrik begleitet hat, die die kanadische Aktiengesellschaft Arise Technologies in Bischofswerda errichtet. 50 Millionen Euro werden dort investiert, 300 Arbeitsplätze entstehen. „Das ist schon eine ziemlich große Angelegenheit gewesen“, freut sich Klatte. Am Ende geben zwar immer Zahlen den Ausschlag, ob ein Geschäft zustande kommt oder nicht. Aber bis es soweit ist, kommt es nicht zuletzt auf die Chemie an. Man muss sich etwas zu sagen haben.

Thomas Klatte ist ein Quereinsteiger. Als Sohn eines freiberuflichen Fotografen hat er zunächst in Berlin Regionalwissenschaften studiert, mit Schwerpunkt auf Geschichte und Ökonomie in Südostasien. Nach Russisch, Polnisch und Englisch wurde Filipino so zu seiner vierten Fremdsprache – nun kommt das Tschechische dazu.

Nach ersten Berufsjahren bei der DDR-Außenhandelsgesellschaft Sket kehrte Thomas Klatte im Jahr der politischen Wende nach Görlitz zurück. Bei der Maschinenbaufirma Kema stieg er als Vertriebsingenieur ein – das ist jemand, der zwar keine Maschinen entwickelt, aber so gut über sie bescheid weiß, dass er sie verkaufen kann. Viel gereist ist er zwischen 1989 und 1993.

Brückenschlag nach Böhmen

Die nächste Horizont-Erweiterung war der Umstieg ins Bankgeschäft. Vor zweieinhalb Jahren trat er die Nachfolge des langjährigen Direktors Götz Pahl in Görlitz an. Von Prag aus will Klatte an seine Arbeit in der Oberlausitz anknüpfen. Vielleicht, sagt er, kann er ja die einen oder anderen Firmen in Tschechien und Sachsen miteinander bekannt machen. Die Oberlausitz als Arbeitsort lässt Thomas Klatte mit dem guten Gefühl zurück, dass auch hier endlich der Aufschwung angekommen sei. „2007 hat sich viel getan, quer durch alle Branchen.“ Zumindest an den Wochenenden wird er die Entwicklung in der Heimat weiterhin verfolgen.