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Schwere Zeiten für Kodersdorfer Airbus-Zulieferer

Die Flugzeugbranche ist weltweit abgestürzt. Das hat Auswirkungen auch auf die beiden Werke der Elbe-Flugzeugwerke an der A4.

Da war die Krise noch nicht abzusehen: Am 18. Mai 2018 eröffnete Acosa in Kodersdorf sein Werk. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer war dabei.
Da war die Krise noch nicht abzusehen: Am 18. Mai 2018 eröffnete Acosa in Kodersdorf sein Werk. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer war dabei. © Jens Trenkler

Acosa und CCI Assembly, die beiden Töchter der Elbe-Flugzeugwerke Dresden (EFW), erleben derzeit die schwierigste Zeit ihres noch nicht allzu langen Bestehens. Weil sich die Airlines derzeit coronabedingt auf der ganzen Welt im Sinkflug befinden, gibt es auch kaum Nachfrage nach neuen Fliegern. Das bedeutet nicht nur für Flugzeugbauer wie Boeing und Airbus einen starken Rückgang des Auftragsvolumens. Auch die Zulieferindustrie liegt am Boden.

Anke Lemke  möchte sich eigentlich überhaupt nicht zur Situation in den beiden EFW-Werken in Kodersdorf äußern. Sie ist offenbar zu schwierig, als dass man sie auch noch öffentlich machen müsste. "Ja, die Luftfahrt ist eine der am stärksten durch Covid-19 betroffenen Branchen", teilt die Sprecherin des Dresdener Mutterkonzerns mit. Man müsse die nächsten Wochen und Monate abwarten, wie sich die Situation der Airlines - und damit auch für Airbus als Auftraggeber für EFW, Acosa und CCI Assembly - entwickle.

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Kurzarbeit in Teilbereichen bis zu 50 Prozent

Dann aber informiert Anke Lemke doch noch kurz über die aktuelle Lage. Seit Mai habe man Kurzarbeit angemeldet, teilt sie mit. Dies gelte für die Stammfirma und ihre beiden Töchter gleichermaßen, sei aber unterschiedlich verteilt. So laufe die Umrüstung von Verkehrsflugzeugen zu Frachtern gut, die Nachfrage steige. Ebenso wie der Bedarf an der Wartung von Frachtern. Dies kompensiere aber nicht die weggebrochenen Airbus-Aufträge. Deshalb liege die Kurzarbeit in manchen Teilbereichen bei bis zu 50 Prozent. Die Mannschaft solle jedoch unbedingt an Bord gehalten werden.

EFW, Acosa und CCI Assembly bewegen sich als Komponentenbauer für die Flugzeugindustrie sowieso in einem schwierigen Marktumfeld, das die Corona-Krise nur noch verstärkt hat. Bereits im Februar bestätigte Anke Lemke auf Anfrage der Sächsischen Zeitung, dass das Ringen um Marktanteile härter geworden sei. "Die Kunden in der Luftfahrtindustrie haben hohe Erwartungen an Zulieferer, der Kosten- und Preisdruck hat sich enorm verschärft", machte die EFW-Sprecherin deutlich. Andere Lieferanten hätten bereits reagiert und Mitarbeiter entlassen oder Teile ihrer Produktion ins kostengünstigere Ausland verlagert.

Gewerkschaft und Management im Kontakt

Dies will man bei den Elbe-Flugzeugwerken nicht tun, denn man habe sich beim Bau der Werke bewusst für die Oberlausitz entschieden. Allerdings gab Anke Lemke schon vor Beginn der Corona-Krise zu bedenken, dass weitere Investitionen in den Standort Kodersdorf hauptsächlich von der Entwicklung der Stückkosten abhingen, die wiederum von den Löhnen und Gehältern beinflusst würden.

An einen Kampf für die Erhöhung der Bezüge ist derzeit überhaupt nicht zu denken, auch wenn sich die IG Metall Ostsachsen Anfang des Jahres noch für die Einführung des Flächentarifs in den beiden Kodersdorfer Werken stark gemacht hatte. Gewerkschaftssekretär Christian Göbel betont, man sei in ständigem Kontakt mit der Arbeitgeberseite. Über die konkrete Lage bei Acosa und CCI Assembly hält aber auch er sich bedeckt. Fest stehe: Man wolle den Weg in die Zukunft so sozialverträglich wie möglich gestalten.

Laut Göbel ist noch nicht absehbar, wie sich die Luftfahrtindustrie entwickeln wird. "Geht der Trend hin zu kleineren Fliegern wie dem A320 von Airbus? Wir wissen es einfach nicht." Bis die Zulieferer Klarheit hätten, dauere es gewiss noch länger. Deshalb rechnet Göbel nicht damit, dass sich die Lage noch in diesem Jahr stabilisiert.

Kodersdorf verliert Gewerbesteuern

Damit Acosa und CCI Assembly trotzdem einigermaßen unbeschadet aus der Krise kommen, setzt der Gewerkschafter auf die Flexibilität der leitenden Manager. "Es gibt ja einen wesentlich höheren Bedarf an Frachtflugzeugen. Ich gehe davon aus, dass man nach Alternativen Ausschau hält, wie man trotz der Flaute in der Komponentenfertigung andere Märkte für die Kodersdorfer Werke erschließen kann.

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