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Höherer Kinderbonus besser als Steuersenkung

Forscher analysierten die Wirksamkeit der neuen Konjukturmaßnahmen. Im Landkreis Meißen gibt es keine neuen Corona-Fälle.

Stillgelegte Containerbrückenkräne, die normalerweise Schiffe entladen, als Symbol für die stockende Konjuktur wegen der Corona-Pandemie. Forscher finden heraus, dass Fördergeld der Bundesregierung hätte woandershin fließen müssen.
Stillgelegte Containerbrückenkräne, die normalerweise Schiffe entladen, als Symbol für die stockende Konjuktur wegen der Corona-Pandemie. Forscher finden heraus, dass Fördergeld der Bundesregierung hätte woandershin fließen müssen. © Axel Heimken / dpa

Meißen. Die Pause der Virus-Infektionen hält an. Die Corona-Fallzahlen im Landkreis Meißen vom Mittwoch zeigen sich unverändert zum Vortag: Es gibt 258 positiv getestete Personen. Das teilte das Landratsamt am Mittwoch mit. Acht Personen befinden sich in behördlich angeordneter Quarantäne. Es sind zudem 50 Kontaktpersonen von positiven Fällen identifiziert worden. Aktuell muss kein Corona-Patient im Krankenhaus behandelt werden. 20 Personen sind insgesamt verstorben.

Die Senkung der Mehrwertsteuer bis Ende 2020 dürfte dem privaten Konsum und der Konjunktur in Deutschland nur einen überschaubaren Impuls geben. Größere Effekte hätten die dafür im Konjunkturpaket der Bundesregierung eingesetzten Mittel wahrscheinlich erzeugt, wenn sie in einen höheren Kinderbonus oder eine stärkere Aufstockung des Kurzarbeitergeldes geflossen wären. Darauf deuten nach einer neuen Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung aktuelle Ergebnisse einer Umfrage unter gut 6.300 Erwerbstätigen hin.

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Knapp 75 Prozent der im Auftrag der Stiftung Befragten gaben darin Ende Juni an, trotz Mehrwertsteuersenkung ihr Konsumverhalten im zweiten Halbjahr 2020 nicht verändern zu wollen. Dagegen erklärten fast 80 Prozent der Befragten, sie würden bei einer Einmalzahlung wie dem Kinderbonus ihren Konsum erhöhen. Zudem zeigt sich in der Umfrage, dass Menschen, die ohne Aufstockung des Kurzarbeitergeldes in Kurzarbeit sind, ihre Ausgaben signifikant reduziert haben.

Flache Kurven mit leichter Tendenz nach oben.
Flache Kurven mit leichter Tendenz nach oben. © Gesundheitsamt Meißen
Keine Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag.
Keine Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag. © Gesundheitsamt Meißen
Radebeul vorn.
Radebeul vorn. © Gesundheitsamt Meißen
Die mittlere Altersgruppe ist am stärksten betroffen.
Die mittlere Altersgruppe ist am stärksten betroffen. © Gesundheitsamt Meißen

Rund 20 Milliarden Euro wird die vorübergehende Absenkung der Mehrwertsteuer kosten. Das ist knapp die Hälfte des finanziellen Volumens aus dem Konjunkturpaket für 2020. 4,3 Milliarden sind für den Kinderbonus von 300 Euro pro Kind vorgesehen, der im September und Oktober ausgezahlt wird. Davon profitieren vor allem Familien mit niedrigeren und mittleren Einkommen, weil der Bonus bei höheren Einkommen mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag verrechnet wird.

In der Umfrage gab ein knappes Viertel aller Befragten an, wegen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung ihr Konsumverhalten zu ändern. Die größte Gruppe von ihnen – 14,4 Prozent – hatte vor, eigentlich für später geplante Anschaffungen in dieses Jahr vorzuziehen. 3,2 Prozent der Befragten erklärten, die Steuersenkung für bislang nicht geplante zusätzliche Anschaffungen zu nutzen. Weitere 8,1 Prozent antworteten, sie würden Anschaffungen, die sie eigentlich schon früher geplant hatten, nun in die Zeit mit niedrigerer Mehrwertsteuer verschieben – woraus sich kein positiver Konjunktureffekt ergeben würde. Rund drei Viertel wollten ihr Ausgabenverhalten nicht ändern.

Höher schätzen die Ökonomen die konjunkturelle Wirksamkeit von Einmalzahlungen und insbesondere des Kinderbonus ein. Gut 78 Prozent antworteten, sie würden zumindest einen erheblichen Teil davon ausgeben.

Auch ein noch höheres Kurzarbeitergeld hätte erhebliches Potenzial zur Ankurbelung der Konjunktur, so die Studie. 25,7 Prozent der Beschäftigten ohne Kurzarbeit gaben an, ihre Konsumausgaben in der Krise eingeschränkt zu haben, fast ebenso viele (22,3 Prozent) sprachen von einer Ausweitung. Deutlich anders sah es für die von Kurzarbeit Betroffenen aus: Von ihnen erklärten 42 Prozent, ihre Konsumausgaben gekürzt zu haben, nicht einmal halb so viele, 17,1 Prozent, sprachen von höheren Ausgaben. Dabei hatten Kurzarbeitende ohne Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch den Arbeitgeber ihren Konsum wiederum deutlich häufiger zurückgefahren als Personen mit finanzieller Aufstockung. 

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