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Ansturm auf Dresdner Baumärkte

Erde, Blumen, Bäumchen: Schon kurz nach sechs Uhr standen Hobbygärtner und Heimwerker Schlange. Aber nicht alle durften sofort rein.

6.30 Uhr: Dresden-Kaditz: Vor Hornbach warten Dutzende Menschen auf die Wiedereröffnung der Baumärkte in Sachsen.
6.30 Uhr: Dresden-Kaditz: Vor Hornbach warten Dutzende Menschen auf die Wiedereröffnung der Baumärkte in Sachsen. © Christian Juppe

Dresden. Die angetrockneten Blätter des Kirschlorbeer-Bäumchens schütteln sich, als Erich Schmiedel mit dem Lasten-Einkaufswagen über den Asphalt rattert. Es ist kurz nach sieben Uhr. Der Rentner verlässt den Kaditzer Hornbach-Markt an diesem Montagmorgen schon wieder. Die halbe Stadt dürfte noch geschlafen haben, als sich der 82-Jährige ins Auto setzte, von Weinböhla nach Dresden fuhr, und sich anstellte, während die Sonne den Parkplatz nach und nach mit Licht flutete. Nicht, dass er der einzige gewesen wäre.

Rund 50 Kunden sind 6.45 Uhr auf den Beinen, ziehen sich Masken über Mund und Nase, schnappen sich einen Einkaufswagen und zeigen dem Sicherheitsdienst am Eingang, dass sie die Mundschutz-Pflicht gern in Kauf nehmen, um an neue Blumenerde, Mörtelsäcke und Farbeimer zu kommen.

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Endlich kann es in seinem Garten weitergehend: Erich Schmiedel kaufte am Montag Kirschlorbeer und Pinienrinden.
Endlich kann es in seinem Garten weitergehend: Erich Schmiedel kaufte am Montag Kirschlorbeer und Pinienrinden. © Christian Juppe

Zwei Wochen sind Sachsens Heimwerker und Hobbygärtner gezwungen gewesen, ohne Nachschub aus dem Baumarkt klarzukommen. Um die Corona-Epidemie zu bekämpfen, hatte die Landesregierung nur noch Betrieben erlaubt, sich Material zu beschaffen. Nun sind die Regeln gelockert worden. Neben kleinen Geschäften dürfen auch Gartencenter und Baumärkte wieder Privatkunden hineinlassen. 

Und Zeit wird es, sagt Erich Schmiedel. Die Lücke, die die alte Fichte im Garten hinterlassen hat, soll endlich gefüllt werden. "Der erste Kirschlorbeer stand schon, dann schlossen die Baumärkte. Mein Herz hängt an meinem Garten." Auch im hohen Alter pflegen er und seine Frau den Garten noch, denn irgendwann soll ihn der Sohn bekommen.

Mit dem Spülkasten über den Parkplatz: Peggy aus Weinböhla will ihre Gartenlaube herrichten.
Mit dem Spülkasten über den Parkplatz: Peggy aus Weinböhla will ihre Gartenlaube herrichten. © Christian Juppe

Es müssen viele Gärten sein, die in den letzten 14 Tagen warten mussten. Säckeweise schleppen die Menschen Pinienrinde, Blumenerde und Rasenhumus zu ihren Autos. Sie kommen aus Dippoldiswalde, Freiberg, Kamenz, Meißen und Bautzen, wie die Kennzeichen verraten. Peggy, die auch aus Weinböhla kommt, fährt eine Toilette über den Hornbach-Parkplatz. „Die ist für unsere Laube“, sagt die junge Frau. Letzte Woche habe man alle Vorbereitungen für die Installation getroffen. Die Öffnung der Baumärkte komme gerade zur rechten Zeit.

Warten, bis Kunden herauskommen: Ein Bild, an das man sich in Zukunft wohl gewöhnen muss.
Warten, bis Kunden herauskommen: Ein Bild, an das man sich in Zukunft wohl gewöhnen muss. © Christian Juppe

Peggy, oder viel mehr ihr Einkaufswagen, wird schon sehnsüchtig erwartet. Denn 7.15 Uhr sind alle Einkaufswagen vergriffen. Hornbach hat nur eine begrenzte Zahl rausgestellt – genau so viele, wie sich Menschen gleichzeitig im Markt aufhalten dürfen.  Abstand halten, ist das Gebot in der Corona-Krise, auch beim Einkaufen. Jeder der hinein will, braucht einen Wagen. Selbst Ehepaare müssen das Gebäude mit zwei betreten. Als Peggy und Erich Schmiedel auf dem Heimweg sind, misst die Warteschlage vorm Baumarkt mindestens 50 Meter. So mancher Mundschutz wird am Ziel durchnässt sein.

Auch die anderen Dresdner Baumärkte konnten sich am Montagmorgen über Kunden wohl nicht beklagen. So ist etwa der Parkplatz des Laubegaster Toom-Baumarkts schon zeitig voll gewesen. Allerdings wirbt aktuell keiner der großen Baumärkte in Dresden damit, Mundschutz für Kunden auszureichen. Diese Erwartung hatte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) geäußert.  "Als gute Geschäftsleute werden sie ihren Kunden diese anbieten", sagte er in der vergangenen Woche gegenüber Sächsische.de.

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