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Leipziger entwickeln Corona-Antikörpertest für zu Hause

Leipziger Forscher haben einen Test auf Corona-Antikörper für den Hausgebrauch entwickelt. Ist er besser als andere Varianten?

"AProof" heißt der Antikörper-Test der Leipziger Forscher.
"AProof" heißt der Antikörper-Test der Leipziger Forscher. © Sebastian Willnow/dpa

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Es ist eine weiße, postkartengroße Schachtel mit dem Motiv eines Corona-Virus‘. In der Schachtel liegen eine Pappkarte mit Filterpapier und eine kleine Kunststoff-Lanzette, um sich in die Fingerkuppe zu piksen, dazu sind zwei Pflaster beigelegt: Der erste sächsische Corona-Antikörpertest für den Hausgebrauch kommt einfach und unspektakulär daher. 

Entwickelt haben ihn Forscher der Universität Leipzig und der Leipziger Firma Adversis Pharma. Sie haben die Erfindung mit dem Namen "AProof" am Montag der Öffentlichkeit präsentiert. Erst am Donnerstag voriger Woche war das neueste Medizinprodukt aus dem Freistaat von der EU zugelassen worden. Ab diesem Dienstag kommt es auf den Markt und kann in Apotheken oder im Internet für 49 Euro erworben werden, sagte Jörg Gabert von Adversis Pharma.

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Mit dem Set können sich Interessierte wie etwa spezielle Berufsgruppen auf Corona-Antikörper testen, die ihr Körper bereits gegen den Erreger gebildet hat. Der Test gibt aber nur Auskunft darüber, ob jemand in den vergangenen Wochen und Monaten bereits mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert war oder nicht – vielleicht auch ohne es bemerkt zu haben. Wer ein paar Tropfen Blut aus einer Fingerspitze auf das Filterpapier getröpfelt hat, kann die Pappkarte an das Labor der Firma in Leipzig schicken.

Antikörper-Test aus Leipzig mit weniger Blut

Innerhalb von maximal 48 Stunden soll der Anwender das Ergebnis im Internet durch einen individuellen Zugangscode und anonymisierte Daten nachlesen können. „Das Rundum-Sorglos-Paket ist in der Handhabung sehr einfach und liefert in der Auswertung sehr zuverlässige Ergebnisse“, betonte Geschäftsführer Gabert. 

Für bisher schon erhältliche Tests seien etwas größere Blutmengen oder sogar ein Arztbesuch nötig. Auch der Preis von 49 Euro sei deutlich günstiger als bisherige Angebote. So ist zum Beispiel von der Firma Cerascreen in Schwerin ein Corona-Antikörper-Test für 67 Euro erhältlich. Dabei müssen einige Tropfen Blut in ein Probenröhrchen gegeben werden.

Erst muss etwas Blut entnommen werden.
Erst muss etwas Blut entnommen werden. © Sebastian Willnow/dpa

Gabert betonte, der Antikörpertest könne besonders in sensiblen Arbeitsbereichen wie in Schulen und Kitas, Kliniken und Pflegeeinrichtungen, im Tourismus und Einzelhandel genutzt werden, um Risikogruppen besser zu schützen. Durch einen gezielten Einsatz von Fachkräften, bei denen Antikörper nachgewiesen wurden, könne das Ansteckungsrisiko minimiert werden. 

Die Kapazität des Labors in Leipzig liege derzeit bei 800 bis 1000 Tests pro Tag, sie könnte bei Bedarf auch auf 2000 und mehr hochgefahren werden. Adversis Pharma wurde 2018 gegründet und hat derzeit zehn Mitarbeiter. Die Firma gehört zu einem umtriebigen Netzwerk von mehrere Diagnostik-Unternehmen in der Bio-City.

Keine Folgen durch das Testergebnis

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte bei der Präsentation, der Freistaat wolle den Test künftig dort einsetzen, „wo es sinnvoll ist“. Konkrete Bereiche nannte der Regierungschef aber nicht. Er selbst habe beim Rundgang in der Firma den Test gemacht und erwarte nun „gespannt“ das Ergebnis. 

Konkrete Folgen oder Einschränkungen hat ein Testergebnis nicht – es dient nur der Information des Nutzers. Die Wissenschaftler erhoffen sich indessen mehr Kenntnisse über die tatsächliche Ausbreitung der Corona-Infektionen in der Bevölkerung.

Laut dem Leiter des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums, Ralf Hoffmann, sei mit dem gut erprobten Test eine Grundlage für weitere Forschungen geschaffen worden. Die Wissenschaftler hätten erst im März mit der Entwicklung des Produkts begonnen. 

„Für eine zuverlässige Testmethode brauchte es im ersten Schritt ein spezifisches Protein, das wir binnen kürzester Zeit identifizieren konnten“, berichtete Hoffmann. Durch die enge Zusammenarbeit der Partner und das Knowhow in der Bio-City sei es gelungen, ein effizientes und wertvolles Diagnostikum herzustellen. 

Dann wird das Blut auf einem Teststreifen platziert. Im Labor wird dann nach einem bestimmten Protein gesucht.
Dann wird das Blut auf einem Teststreifen platziert. Im Labor wird dann nach einem bestimmten Protein gesucht. © Sebastian Willnow/dpa

Künftig werde es weitere Forschungen zur Schwere der Erkrankung geben. Außerdem soll geklärt werden, ob der Nachweis der Antikörper auch wirklich eine Immunität darstellt. Das gesamte Forschungsprojekt ist bis 2022 angelegt und wird mit 323.000 Euro von der EU und dem Freistaat unterstützt. 

Antikörper sind gut nachweisbar

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) sagte, die Bio-City sei heute ein etabliertes Zentrum für Forschung und Entwicklung in der Diagnostik und Pharmakologie. Die enge Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen der Universität und privater Unternehmen sei ein Schlüssel des Erfolgs. „Das stellt dieses Forschungsprojekt einmal mehr unter Beweis.“

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Alle Entwicklungen zur Corona-Pandemie lesen Sie in unserem Newsblog.

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