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Döbeln

Apotheken rüsten gegen Coronavirus auf

Apotheken sind unverzichtbar bei der Versorgung der Menschen. Aber wie schützen sich die Apotheker selbst?

In der Rosenapotheke arbeiten Stefan Leutert und seine Mitarbeiter jetzt hinter Plexiglaswänden, die sie vor den Kunden abschirmen und Tröpfcheninfektionen vermeiden sollen. Auch andere Apotheken sind so ausgerüstet.
In der Rosenapotheke arbeiten Stefan Leutert und seine Mitarbeiter jetzt hinter Plexiglaswänden, die sie vor den Kunden abschirmen und Tröpfcheninfektionen vermeiden sollen. Auch andere Apotheken sind so ausgerüstet. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die Schutzmaßnahmen wirken auf den ersten Blick martialisch. Die Mitarbeiterinnen der Döbelner Löwenapotheke stehen hinter Schutzwänden aus Plexiglas. Einige Angestellte tragen durchsichtige Visiere vor dem Gesicht. „Das ist unsere Antwort auf die Situation. Wir schützen uns“, sagte Apothekerin Dagmar Schmidt. Die größte Gefahr, mit dem Coronavirus infiziert zu werden, geht von der Tröpfcheninfektion aus. Jeder Mensch verursacht Aerosole, wenn er spricht, niest oder hustet.

Apotheken sind systemrelevant und extrem wichtig für die Versorgung der Bevölkerung. Apotheker Stefan Leutert hat zum Schutz seines Teams selbst zum Werkzeug gegriffen. Auf den Bedientheken in der Rosenapotheke sind halbrunde Plexiglastafeln installiert. Wenn sich am Tresen mal eine längere Schlange bis nach draußen bildet, dann deshalb, weil die Kunden einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten sollen. „Wir wollen arbeitsfähig bleiben. Die Kunden halten sich an die Anweisungen, das funktioniert gut“, sagte Leutert. 

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Ein Grund für die längeren Schlangen ist auch die gestiegene Nachfrage. Chronisch Kranke füllen ihre Vorräte an dringend benötigten Medikamenten auf. Sehr nachgefragt seien auch Präparate zur Aktivierung des Immunsystems wie Zink und Vitamin C, so Leutert. Die Lieferkette funktioniert bisher, trotz der höheren Belastung der Großhändler. Nur beim Desinfektionsmittel gebe es nur sporadische Nachlieferungen. Der Apotheker rechnet damit, dass sich das bald ändert, weil die Hersteller ihre Produktion hochfahren. Etwa die Beiersdorf AG, die jetzt Desinfektionsmittel in Waldheim produziert.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<< 

Andrea Bachmann, Inhaberin der Löwen-Apotheke in Roßwein und Regionalsprecherin der Landesapothekerkammer, richtet einen eindringlichen Appell an die Kunden: „Es sollen möglichst keine kranken Menschen in die Apotheke kommen. Schicken Sie ihre gesunden Nachbarn oder Verwandten. Wir müssen vermeiden, dass wir uns infizieren. Apotheken gehören zu den Einrichtungen, die die Versorgung gewährleisten.“ Ein Erkrankungsfall beim Team würde auch Quarantäne für alle anderen bedeuten. „Wenn sich viele Menschen infizieren, sind wir besonders gefordert“, so Bachmann.

Seit Tagen verschärft die Apothekerin deshalb die Sicherheitsmaßnahmen. Die Anzahl der Kunden, die gleichzeitig im Laden sind, wird jetzt von drei auf zwei reduziert. Eine von drei Kassen ist geschlossen, damit die Abstände vergrößert werden. Die Provisorien, die die Mitarbeiterinnen vor Tröpfcheninfektion schützen sollen, werden in der kommenden Woche durch Plexiglas-Schutzwände ersetzt. Die Bereiche mit frei zugänglichen Artikeln in der Apotheke sind gesperrt. „Der Kunde sagt uns, was er möchte und wir holen es. Die Kunden sehen das alles eher positiv“, erklärt Andrea Bachmann.

Ein Hygieneplan lege fest, welche Flächen wie oft am Tag desinfiziert werden sollen. Ab der kommenden Woche wird sich das Team in zwei Gruppen teilen, die keinen Kontakt zueinander haben. „Dafür müssen wir unsere Öffnungszeit verkürzen. Mittags haben wir eine Stunde geschlossen. Diese Zeit brauchen wir für den Wechsel der Teams“, sagte Bachmann. Zur Entlastung wünscht sie sich von den Kunden, dass diese nicht nur in der Stoßzeit am Vormittag in die Apotheke kommen, sondern auch den vergleichsweise ruhigen Nachmittag nutzen.

Dem Mangel an Desinfektionsmittel begegnet die Roßweiner Apothekerin mit Selbsthilfe. „Wir stellen das jetzt selbst her. Wir mussten nur eine Woche auf die Flaschen warten, in wir das Mittel abfüllen.“ In kleinen Mengen wird das Desinfektionsmittel jetzt an die Kunden abgegeben. Die Apotheken hatten kurzfristig die Genehmigung erhalten, das Mittel zum Desinfizieren der Hände selbst herzustellen und in den Verkehr zu bringen.

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