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Auch Kunst ist systemrelevant

Wir können uns keinen kulturellen Kahlschlag leisten. Ein Kommentar zu den Fördermitteln für sächsische Künstler.

SZ-Redakteur Oliver Reinhard
SZ-Redakteur Oliver Reinhard © Jan Woitas/dpa/SZ

Es ist in diesen Tagen viel von systemrelevanten Berufsgruppen die Rede. Von Menschen, deren Arbeit erst jetzt, während der Krise, in ihrem eigentlichen Wert, in ihrer absoluten Unverzichtbarkeit für die Gesellschaft erkannt wird. Etwa von Beschäftigten in Pflegeberufen, Pädagogen, Polizistinnen, Feuerwehrleuten. Von Menschen, die viel zu lange unterbezahlt waren. Jetzt endlich wächst ihr Ansehen, ihre Lobby. Das ist sehr gut. Und es war lange überfällig.

Zugleich: Systemrelevant sind nicht allein jene, die für die basalen Vitalfunktionen unserer Gesellschaft unabdingbar sind wie Gesundheit, Sicherheit, Erziehung, Bildung, Wirtschaft. Systemrelevant sind vielmehr alle, die auch das Fortleben des Wesens unserer vielfältigen Gemeinschaft garantieren. Da sollten wir vielleicht nicht vergessen, dass die sich selbst so begreifende Kulturnation Deutschland auch auf ihre Künstler angewiesen ist. Auf jene, die dieser Tage in viel zu vielen Augen eben als weniger oder sogar als nicht systemrelevant gelten. Und ja: Es wird eine Zeit nach Corona geben. Deshalb können wir uns ebensowenig einen kulturellen Kahlschlag leisten. Auch keinen Vorübergehenden.

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Der aber droht einer Kulturlandschaft, deren Lobby gerade im Keller ist, weil sie weder Kranke pflegt noch Kinder erzieht. Besonders trifft das freie Künstler, die nicht in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, etwa an einem Theater oder in einem Orchester. Fast alle von ihnen haben momentan so gut wie keine künstlerischen Einkommensmöglichkeiten. Und sie haben schon vorher im Mittel kaum mehr als 1.000 Euro verdient – ungefähr ein Drittel des Durchschnittsgehalts einer Altenpflegerin.

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Deshalb ist das jetzt aufgelegte Förderprogramm des Freistaates auch mehr als die bloße Möglichkeit für – immerhin – 1.000 freie Künstler Sachsens, zwei Monate kreativ zu sein, Projekte auf den Weg zu bringen oder begonnene weiterführen zu können und dafür monatlich 1.000 Euro zu bekommen. Fast wichtiger noch ist dessen symbolische Botschaft: Selbst wenn Ihr keine Leben rettet – auch ihr seid systemrelevant. Auch euch brauchen wir unbedingt.

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