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Pirna

Wenn die Sächsische Schweiz fast leer ist

Der Landkreis ließ wegen Corona sogar Parkplätze sperren, damit keine Ausflügler kommen. Manche haben sich trotzdem auf den Weg gemacht.

Nach Hause geschickt: Die Polizisten haben dieses Auto nahe Kurort Rathen gestoppt.
Nach Hause geschickt: Die Polizisten haben dieses Auto nahe Kurort Rathen gestoppt. © Marko Förster

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge waren ab Sonnabendfrüh die Wanderparkplätze gesperrt. Weiß-rote Bänder und Parkverbotsschilder überall und Hinweisschilder für die Autofahrer, dass Sport und Bewegung an der frischen Luft laut Allgemeinverfügung nur im "Umfeld des Wohnbereiches" erlaubt seien. Mit anderen Worten: Ausflüge sind tabu.

Der Bastei-Parkplatz, welcher zur Gemeinde Lohmen gehört, ist seit dem 28. März 2020 gesperrt. Damit soll verhindert werden, dass das Coronavirus durch den Kontakt vieler Menschen auf engem Raum verbreitet wird.
Der Bastei-Parkplatz, welcher zur Gemeinde Lohmen gehört, ist seit dem 28. März 2020 gesperrt. Damit soll verhindert werden, dass das Coronavirus durch den Kontakt vieler Menschen auf engem Raum verbreitet wird. © Marko Förster

Die gesperrten Wanderparkplätze waren deshalb überwiegend völlig leer. In Wehlen und Lohmen kontrollierte unter anderem Jörg Adler vom Ordnungsamt die Situation: "In Lohmen haben wir zehn Wanderparkplätze gesperrt, in Wehlen drei", sagt er Sächsische.de. Bis zum Samstagnachmittag hielten sich die Menschen überwiegend auch an die Ausgangsbeschränkung.

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Jörg Adler vom Lohmener Ordnungsamt erklärt  einer Familie aus Cottbus die sächsische Allgemeinverfügung. Die Frau, ihr Mann und der Sohn wollten trotz Ausgangsbeschränkung wandern gehen.
Jörg Adler vom Lohmener Ordnungsamt erklärt  einer Familie aus Cottbus die sächsische Allgemeinverfügung. Die Frau, ihr Mann und der Sohn wollten trotz Ausgangsbeschränkung wandern gehen. © Marko Förster

Allerdings waren vor allem Fahrzeuge mit Kennzeichen  von außerhalb, oft auch aus andren Bundesländern unterwegs. So wunderte sich eine Familie aus Cottbus, als sie von Jörg Adler auf ihr parkendes Auto kurz vor dem gesperrten Basteiparkplatz angesprochen wurde: "Wir wollten wandern gehen. Wir bekommen langsam einen Lagerkoller", sagt der Vater. "In Brandenburg haben wir uns jetzt schon alles angeschaut", begründet er und wünschte sich, dass in Zeiten der Corona-Pandemie in Deutschland einheitliche Bestimmungen für alle Bundesländer gelten würden: "Man weiß ja gar nicht mehr, wo welche Regeln gelten", sagt er. Radio hätte er in Sachsen nicht gehört und somit von den gesperrten Parkplätzen keine Kenntnis.

Lohmens Ordnungsamt-Mitarbeiter Jörg Adler spricht der Familie eine mündliche Verwarnung aus und bittet sie wieder nach Cottbus zurück zu fahren. Zur Bastei wollten am Sonnabend nur wenige Autos, diese trugen unter anderem Kennzeichen aus Görlitz, Greifswald und Erfurt. Jörg Adler und seine Kollegen kontrollierten am Wochenende zwischen 8 und 22 Uhr alle Parkplätze. Dazu fuhren auch die Nationalparkverwaltung und die Polizei stündlich Streife.

Nach Angaben von Lohmens stellvertretender Bürgermeisterin Silke Großmann (CDU) gab es nur kleinere Vergehen gegen die Allgemeinverfügung: "Nur auf dem Elbeparkplatz Stadt Wehlen wurden zwölf Verstöße festgestellt. Die Autos parkten dort trotz Sperrung", sagte sie gegenüber Sächsische.de. Alle Fahrzeughalter bekamen einen Strafzettel. Bei den Stichproben durch Polizei und Ordnungsamt seien keine Verstöße festgestellt worden, sagt Silke Großmann. 

Auch Thomas Geithner von der Polizeidirektion Dresden ist zufrieden: "Unsere Befürchtungen sind nicht eingetreten. Vor allem waren Familien unterwegs, größere Gruppen sind uns in der Sächsischen Schweiz nicht begegnet", sagt er. Allerdings seien an einigen Parkplätzen Verbotsschilder illegal beseitigt worden.

Dieser Parkplatz an der Verbindungsstraße zwischen dem Kurort Gohrisch und Papstdorf war am 28. März nicht gesperrt.
Dieser Parkplatz an der Verbindungsstraße zwischen dem Kurort Gohrisch und Papstdorf war am 28. März nicht gesperrt. © Daniel Förster

Ein Wanderparkplatz war bei der Sperrungsmaßnahme offenbar vergessen worden: An der Straße zwischen dem Kurort Gohrisch und Papstdorf standen am Samstagabend mindestens sechs Autos. Der Parkplatz schien ein Geheimtipp für all jene zu sein, die sich trotz Ausgangssperre und Allgemeinverfügung in die Sächsische Schweiz aufgemacht hatten. Er wies kein Hinweisschild und auch keine Absperrbänder auf und konnte wie gewohnt, aber offenbar unbeabsichtigt, genutzt werden.

Keinen Parkplatz haben dagegen, die vielen Radfahrer gebraucht, die in großen Gruppen im Kirnitzschtal unterwegs waren.  In Hohnstein wiederum sind auffallend viele Motorradfahrer unterwegs. Noch können sie die Serpentinen nutzen, erzählen sie bei einer Rast am verwaisten Hohnsteiner Markt. Bernd Schleicher aus Dresden hält hier mit seiner Truppe an. „Das Kontaktverbot finde ich richtig. Wir sind hier eh allein auf unseren Motorrädern unterwegs und wenn jemand hinten drauf sitzt, ist es die Ehefrau. Da kann nichts passieren“, sagt er und lacht. SZ-Reporter trafen aber auch andere Dresdner, die in die Sächsische Schweiz gefahren sind, zum Teil auf ihr Wochenendgrundstück. 

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