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Corona: Bauarbeiter in Quarantäne

Vor zwei Wochen meldete der Landkreis Bautzen einen positiv getesteten Mann, der aus Serbien eingereist war. Jetzt ist klar: Der Fall hatte in der Region weitere Folgen.

Der ehemalige Dorfkrug von Lichtenberg bei Pulsnitz: Hier wohnen ausländische Bauarbeiter, die in Dresden arbeiten. Wegen eines Corona-Falles waren sie jetzt zwei Wochen in Quarantäne.
Der ehemalige Dorfkrug von Lichtenberg bei Pulsnitz: Hier wohnen ausländische Bauarbeiter, die in Dresden arbeiten. Wegen eines Corona-Falles waren sie jetzt zwei Wochen in Quarantäne. © SZ/Heike Garten

Lichtenberg. Die Einwohner der kleinen Gemeinde Lichtenberg  bei Pulsnitz schauen argwöhnisch auf das Geschehen in der ehemaligen Gaststätte Dorfkrug an der Kleindittmannsdorfer Straße. Seit reichlich 14 Tagen wohnen in dem Gebäude Bauarbeiter. Vor dem Haus stehen Transporter mit Bochumer Kennzeichen. Manchmal sitzen die Männer vor dem Haus an einem Gartentisch. Auf einem Geländer hängt ab und zu Wäsche. Die Arbeiter verhalten sich ruhig, aber die Leute im Ort fragen sich, was da eigentlich vor sich geht.

Sächsische.de erkundigte sich, was in dem Haus passiert, das erst in diesem Jahr an einen Dresdener Hotelier verkauft wurde. Fakt ist, dass derzeit ausländische Bauarbeiter im ehemaligen Dorfkrug untergebracht sind. Die Baufirma Ukras aus Bochum bestätigt, dass fünf Mitarbeiter dort wohnen. Mehr will das Unternehmen nicht sagen - außer, dass der Vermieter mehr Auskünfte geben könne.

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Konkreteres ist von der Pressestelle des Landratsamtes in Bautzen zu erfahren. Pressesprecherin Cynthia Thor bestätigt, dass das Objekt in Lichtenberg über den privaten Eigentümer an eine Baufirma vermietet wurde. "Aktuell sind hauptsächlich ausländische Bauarbeiter untergebracht", so Cynthia Thor.

Landratsamt ordnete Quarantäne an

Aufgrund eines positiven Corona-Falles, den das Landratsamt am 8. Juli vermeldet hatte, seien die Kontaktpersonen des betroffenen Mannes in 14-tägige Quarantäne versetzt worden. Dazu gehörten auch die in Lichtenberg wohnenden Bauarbeiter. Diese Quarantänen sind laut Landratsamt am gestrigen Dienstag ausgelaufen.

In der Zeit der Quarantäne seien alle Betroffenen  durch das Gesundheitsamt zweimal getestet worden. Es habe keinen Nachweis einer Neuinfektion gegeben. "Die Versorgung der Bauarbeiter übernahm während des Quarantäne-Zeitraumes und in Abstimmung mit allen Beteiligten, das heißt der Gemeinde Lichtenberg, der Stadt Pulsnitz und dem Vermieter beziehungsweise der Baufirma, der private Eigentümer", erklärt Cynthia Thor. In diesem Zeitraum hätten die Bauarbeiter keine Tätigkeit aufgenommen, sondern seien auf dem Gelände des ehemaligen Dorfkruges geblieben.  

Von der Gemeinde Lichtenberg gibt es keine Auskunft. Eine Anfrage von Sächsische.de blieb bisher unbeantwortet.

Eigentümer hat Objekt vermietet

Die Gemeinde hatte Anfang des Jahres den ehemaligen Dorfkrug an die beiden  Investoren Katrin und Bernd Kerber aus Dresden zum Preis von 110.000 Euro verkauft. Die neuen Eigentümer führen ein Hotel in Dresden-Loschwitz – das Hotel Villa Loschwitz. Sie seien voller Ideen, hieß es damals. Doch Ideen seien das Eine; Freude finde man nur, wenn man die Ideen, wohlüberlegt und ausgefeilt, eines Tages beginnt, umzusetzen, ließen sie auf ihrer Internetseite wissen. Nach Informationen der Gemeinde wollten die beiden Investoren das Gebäude zu einem Mehrgenerationenhaus umbauen.  

Doch im Moment liegt das Projekt von Katrin und Bernd Kerber auf Eis. Ein Grund seien Reaktionen aus dem Ort, so Kerber. So gab es in Lichtenberg zwischenzeitlich das Gerücht, dass in dem Haus Flüchtlinge untergebracht werden sollen. "Wir sind verbal rechtsradikal angegriffen worden. Wir wurden persönlich beschimpft. Das alles kam aus dem örtlichen Umfeld", erklärt Bernd Kerber jetzt. Er sei total geschockt über die Reaktionen gewesen und habe auch die Polizei informiert.

Inzwischen habe er das Objekt an der Kleindittmannsdorfer Straße befristet an eine Baufirma vermittelt, die in Dresden baut und ihre Leute in der Region unterbringen muss. Wann er selbst wieder am alten Dorfkrug etwas unternehmen will, dazu wolle er noch nichts sagen.

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