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Corona: Zaubertafeln gegen Einsamkeit

Elektronische Spiele für Demente, Bildtelefonie mit Arzt und Angehörigen - in den Löbauer-Zittauer Awo-Altenpflegeheimen ändert sich gerade viel.

Die Bewohner vom Pflegeheim Großschönau beim Spielen mit der Tovertafel.
Die Bewohner vom Pflegeheim Großschönau beim Spielen mit der Tovertafel. © Awo Oberlausitz

Auf der Tischplatte schwimmen Fische, wachsen bunte Blumen und Tropfen zerplatzen mit einem leisen Plopp-Geräusch. Hände kreisen über den Tisch, berühren die schillernden Dinge. Lachen ist zu hören. Fröhlichkeit bei den Damen, die am bunten Tisch sitzen, der aus einer anderen Welt zu kommen scheint.

Möglich macht das eine besondere Technik mit Lichteffekten. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Oberlausitz hat jetzt für all ihre fünf Altenpflegeheime in Zittau, Jonsdorf, Großschönau, Olbersdorf und Görlitz die so genannten Zaubertafeln angeschafft. 

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Ein Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes: Die Tovertafeln - so heißt die Technik - aus den Niederlanden arbeiten mit interaktiven Lichtprojektionen. Eine spannende Spielmöglichkeit für ältere und an Demenz erkrankte Menschen. Die sorgt nun mit für Abwechslung der Heimbewohner in der ungewöhnlichen Zeit und wurde extra für die Bewohner angeschafft, um ihnen gegen die Corona-Einsamkeit zu helfen. Das kommt an, wie Awo-Öffentlichkeitsmitarbeiterin Franziska Redmann berichtet.

"Die Zaubertafeln sorgen bei den Heimbewohnern für viel Begeisterung" sagt sie. "Bewohner, die völlig in sich zurückgezogen sind, werden wieder wach und reagieren gezielt." Die verschiedenen Lichtprojektionen würden außerdem zum aktiven Bewegen und Kommunizieren anregen.

Eine weitere neue technische Möglichkeit ist das Skypen. "In vielen Einrichtungen der Awo Oberlausitz greifen Mitarbeiter und Bewohner aufgrund der Kontaktverbote auf Videotelefonie und Skype zurück", erklärt Franziska Redmann. In den Pflegeheimen können so beispielsweise Bewohner ihre Angehörigen sehen und mit Ihnen von Angesicht zu Angesicht sprechen.

Die Wohnstätten Löbau starteten darüber hinaus gemeinsam mit dem Sächsischen Krankenhaus Großschweidnitz eine Videosprechstunde. Und auch die Kinder und Jugendlichen der Wohngemeinschaft "Maxi" in Zittau halten per Skype Kontakt zu ihren Eltern und Geschwistern.

Die technischen Möglichkeiten sind nicht die einzigen Aktionen, die die Awo Oberlausitz ins Leben rief, um den Menschen in ihren Einrichtungen die aktuelle Situation so angenehm wie möglich zu gestalten. Denn dass die Senioren nun auf Besuche ihrer Kinder, Enkel aber auch Ehepartner verzichten müssen, ist für viele der Älteren nur schwer zu verstehen. "Die Mitarbeiter sind sehr kreativ und rührig, um für die Bewohner da zu sein", sagt Franziska Redmann. "Schick einen Gruß" gehört zu den Initiativen, für die es keine technischen Voraussetzungen braucht. 

Eine Mitarbeiterin vom Pflegeheim "An der Mandau" startete vor wenigen Tagen einen Aufruf über Facebook, Postkarten, Gebasteltes und Gemaltes an die Einrichtungen zu schicken. Die Resonanz ist wunderbar, wie Franziska Redmann mitteilt. Dutzende Postkarten und Briefe landeten im Briefkasten des Pflegeheims."Viele davon von völlig unbekannten Menschen, die liebe Grüße und freundliche, hoffnungsvolle Zeilen schickten", sagt sie und "eine schöne Sache, auf diese Weise in der jetzigen Situation aufeinander zu achten."

Auch die Bewohner sendeten mit Hilfe der Awo-Mitarbeiter Ostergrüße mit Fotos an ihre Familien. "Der ambulante Pflegedienst nahm kleine Ostergeschenke zu den Patienten mit", informiert Carsten Seitz, Fachbereichsleiter Altenpflege bei der Awo über eine weitere Aktion. So hat der Dienstleister für Bildung. Arbeit und Orientierung – kurz Bao – 200 Osternester liebevoll zurecht gemacht.

In dem Zusammenhang spricht Carsten Seitz ein großes Lob an alle Beteiligten aus. "Von den Pflege- und Servicekräften im Küchen- und Reinigungsbereich bis hin zu den Lieferanten leisten alle eine großartige Arbeit", sagt er. Das sei insofern auch deshalb erwähnenswert, weil die psychische Anspannung für alle groß ist. Zum Glück gebe es aktuell keine Corona-Erkrankten in den Awo-Einrichtungen, seit einigen Tagen tragen die Mitarbeiter auch Mund-Nasen-Schutz. Mit Desinfektionsmitteln seien die Heime versorgt. Wichtigste Hoffnung ist nun, dass alle Bewohner und Mitarbeiter gesund bleiben.

Wie viele Menschen in den Awo-Pflegeheimen im Landkreis leben:

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  • Altenpflegeheim "Zentralhospital" Görlitz: 80
  • Altenpflegeheim am grünen Ring“ Zittau: 80
  • Altenpflegeheim am Kurpark Jonsdorf: 36
  • Altenpflegeheim an der Mandau Großschönau: 39
  • Altenpflegeheim "Friedrich Wagner" Olbersdorf: 62

Postkarten, Briefe und Bilder gerne an: Awo "Altenpflegeheim an der Mandau" in 02779 Großschönau, Kirchstraße 3.

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