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Ärger um Baustelle auf der Reichenstraße

Nach wochenlanger Schließung wegen Corona hoffen Bautzens Händler, dass es wieder aufwärts geht. Doch ausgerechnet jetzt gibt es ein neues Problem.

Sergio Seresin vom Eiscafe Venezia befürchtet, dass durch die geplante Baustelle auf Bautzens Reichenstraße noch weniger Kunden vorbeikommen. Er ist nicht der einzige, der sich sorgt.
Sergio Seresin vom Eiscafe Venezia befürchtet, dass durch die geplante Baustelle auf Bautzens Reichenstraße noch weniger Kunden vorbeikommen. Er ist nicht der einzige, der sich sorgt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ein Schock war es für ihn. Es sind die ersten Worte, die Bodo Thiemann sagt, als er in der Sitzung des Bautzener Stadtrates ans Mikrofon tritt. „Gerade jetzt, wo wir wieder öffnen dürfen“, sagt er, „wo wir schon die Corona-Zeit kaum ohne Unterstützung überstanden haben“, bricht es aus ihm heraus, noch bevor er das eigentliche Problem überhaupt ausgesprochen hat. Bodo Thiemann betreibt eine Parfümerie auf Bautzens Reichenstraße, seine Frau ein Café auf derselben Straße in der Innenstadt. Und genau darum geht es: Auf der Reichenstraße soll gebaut werden.

„Das kommt zu einer Unzeit“, sagt Bodo Thiemann, er ist aufgebracht. „Wir müssen die Gäste doch jetzt willkommen heißen“, erklärt er, die Innenstadt attraktiv gestalten – und nicht durch eine Baustelle neue Probleme für die Händler schaffen. „Bitte, verschieben Sie die Bauarbeiten“, wünscht sich Thiemann, an die Stadträte und den Oberbürgermeister gewandt. Auch eine Frau tritt nach vorne, beklagt sich ebenfalls über die Lage. Gemeinsam übergeben sie eine Unterschriftenliste – mehr als 30 Händler haben die Forderung nach einer Verschiebung der Bauarbeiten unterzeichnet.

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Wenzelsmarkt auf der Kippe?

Aber was ist überhaupt geplant? „Planmäßig sollten die Bauarbeiten am 16. Juni beginnen“, erklärt Bautzens Baubürgermeisterin Juliane Naumann. Stromleitungen sollen erneuert werden, auf dem Kornmarkt und dem Hauptmarkt sei das bereits passiert. Nun ist die Reichenstraße dran. Dafür muss ein Teil der Nordseite der Straße, wo sich die ungeraden Hausnummern befinden, geöffnet werden. Das soll in kurzen Bauabschnitten von etwa 20 Metern passieren. Der eigentliche Graben ist zwischen 30 und 50 Zentimetern breit, so die Baubürgermeisterin – aber auch die Arbeitsgeräte brauchen Platz. Bis Ende September sollen die Bauarbeiten dauern, der Teil vor den Geschäften soll Anfang August erledigt sein. Der Bauausschuss hat den Plänen Anfang Mai zugestimmt.

Deutliche Worte dazu findet Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) im Stadtrat. „Es gibt kein entweder oder“, erklärt er, „die Reparatur der Stromleitung ist zwingend notwendig.“ Schon im letzten Jahr habe man beim Wenzelsmarkt nicht gewusst, ob die Leitungen durchhalten – wenn nicht, hätte es für den Markt das Aus bedeutet. „Die Arbeiten sind unaufschiebbar“, so Ahrens. Es sei auch kein anderes Zeitfenster möglich. Würden die Arbeiten erst im Herbst beginnen, entstünde ein Problem, wenn sie sich verzögerten.

Stadt sieht keine bessere Lösung

„Wir wissen, das ist keine Ideallösung – aber eine bessere fällt uns nicht ein“, so Ahrens. Es werde aber versucht, den Baustellenlärm auf den Morgen zu beschränken, lenkt er ein. „Die Stadtverwaltung ist sich der derzeit besonders schwierigen Situation für die Händler bewusst“, sagt auch Baubürgermeisterin Juliane Naumann. „Aus diesem Grund wird die Maßnahme so durchgeführt, dass die Beeinträchtigungen für die einzelnen Geschäfte so gering wie möglich gehalten werden.“ 

Passanten könnten zu jeder Zeit durch die Straße laufen, die Geschäfte seien für sie und  auch für die Anlieferung erreichbar. „Um den Gewerbetreibenden weiter entgegenzukommen, sind auch niedrige Absperrungen geplant. Dadurch können die Schaufenster während der Bauarbeiten so gut wie möglich eingesehen werden.“

Auch durch die kurzen Bauabschnitte soll das Ausmaß der Baustelle eingedämmt werden. In der Zeit, in der der Abschnitt vor einem Geschäft dran ist, können dort  beispielsweise Cafés zwar keine Tische und Stühle aufstellen. „Dieser Zeitraum wird allerdings so gering wie möglich gehalten“, so Naumann. Je nach Länge der Ladenfassade handele es sich dabei um etwa drei bis vier Tage.

Händler schlagen Alternativen vor

Dennoch: Vielen Händlern geht das nicht weit genug. Sergio Seresin vom Eiscafé Venezia zum Beispiel ist unglücklich über das Prozedere. „Wir haben jetzt doppelte Probleme“, sagt er. „Es laufen dieses Jahr sowieso schon keine Leute durch die Fußgängerzone“, beklagt er sich. „Der Zeitpunkt jetzt ist fatal.“ Helga Wirth vom Modeladen Style Inn sieht das ähnlich. „Wir haben nach der Corona-Zeit schon so zu kämpfen“, sagt sie, „auch dass das Umkleiden mit dem Mundschutz schwierig ist, hält Leute vom Einkaufen ab. Durch die Baustelle werden noch weniger Menschen kommen.“

Viele Vorschläge haben die Ladeninhaber: ein späterer Baustart im Herbst oder erst nächstes Jahr zum Beispiel. Oder paralleles Bauen von beiden Straßenseiten ausgehend, also von Haupt- und Kornmarkt aus, damit es schneller geht.

Deshalb will die Stadt nun doch noch einmal darüber beraten, wie es weitergeht. Im Bauausschuss Anfang Juni soll diskutiert werden, ob ein anderer oder wenigstens kürzerer Zeitraum möglich wäre. 

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