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Dresden

Kann Abwasser die Coronaviren übertragen?

In Krisenzeiten wie jetzt müssen auch Dresdens Abwässer sicher entsorgt werden. So geht die Stadtentwässerung gegen die Gefahren vor.

Konrad Jost (l.) und Christian Schnabel inspizieren derezeit Kanalschächte nur von oben, wie hier an der Johannstädter Blumenstraße.
Konrad Jost (l.) und Christian Schnabel inspizieren derezeit Kanalschächte nur von oben, wie hier an der Johannstädter Blumenstraße. © René Meinig

Dresden. Wie leergefegt sind die Fußwege rund um die Johannstädter Blumenstraße. Umso mehr fallen hier Konrad Jost und Christian Schnabel in ihren orangefarbenen Arbeitsanzügen auf. Die Kanalbetriebsarbeiter sind bei einer Inspektion. Doch während sie in normalen Zeiten tief in den Schacht hinabsteigen, wird jetzt der Schmutzfang unterm Deckel herausgenommen und auch mithilfe der Taschenlampe geschaut, ob Steigeisen kaputt oder Schäden an den Wänden sind.

Der 53-jährige Konrad Jost ist schon seit 1987 bei der Stadtentwässerung beziehungsweise ihrem Vorgänger, sein Kollege Schnabel seit 1993. Sie haben mit daran gearbeitet, dass das einst marode Kanalnetz wieder bestens funktioniert. Jetzt ist es ein Vorteil, dass das über 1.800 Kilometer lange System in gutem Zustand ist. Da auf besondere Sicherheit gesetzt wird, können manche Arbeiten derzeit nicht mehr ausgeführt werden.

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Das Abwasser: Können Corona-Viren übertragen werden?

Für die Mitarbeiter der Stadtentwässerung Dresden (SEDD) ist es nicht ungewöhnlich, dass sie beim Abwasser mit Keimen und biologischen Verunreinigungen zu tun haben, erklärt Geschäftsführer Ralf Strothteicher. Deshalb tragen sie schon in normalen Zeiten bei der Reinigung von Kanälen mit dem Hochdruckgerät immer Schutzanzüge und Mundschutz. Um jegliche Gefahr vorbeugend auszuschließen, hat die Stadtentwässerung für ihre 420 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlreiche Schritte unternommen, damit kein Corona-Virus übertragen werden kann.

"Bisher ist bei uns noch kein Infektionsfall bekannt", sagt Strothteicher. Er sei zwar kein Virologe. "Dass jemand übers Abwasser mit dem Corona-Virus infiziert wurde, ist mir aber nicht bekannt." Er verweist auf eine Beurteilung des Deutschen Verbandes für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Demnach ist der Hauptübertragungsweg für Sars-CoV-2 von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege oder indirekt über die Hände. "Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben gefunden", heißt es der DWA-Analyse. Nach derzeitigem Stand würde die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aber einschätzen, dass eine Übertragung von Corona-Viren über Abwasser sehr unwahrscheinlich ist.

Der Krisenmodus: Flexible Arbeitszeiten und Schichtbetrieb

Bei der Stadtentwässerung wurde vieles unternommen, um eine Infektionsgefahr soweit wie möglich zu reduzieren und Mitarbeiter voneinander zu trennen, erklärt Strothteicher. Wo es möglich ist, sind sie im Homeoffice. Im Klärwerk wurde ein Zwölf-Stunden-Schichtbetrieb eingeführt, sodass dort quasi im Quarantänemodus gearbeitet wird. Außerdem darf jetzt von 6 bis 20 Uhr und auch an Sonnabenden gearbeitet werden, um mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Wichtig sei jedoch, in  dieser Krisenzeit für Dresden eine sichere Abwasserentsorgung zu gewährleisten. Bisher gelinge das. Täglich werden im Kaditzer Klärwerk nach wie vor 120.000 bis 130.000 Kubikmeter Abwasser so gereinigt, dass alle vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden.

Trotz des Krisenbetriebs werden nach wie vor bis zu 130.00 Kubikmeter Abwasser täglich im Klärwerk Kaditz zuverlässig gereinigt.
Trotz des Krisenbetriebs werden nach wie vor bis zu 130.00 Kubikmeter Abwasser täglich im Klärwerk Kaditz zuverlässig gereinigt. © Torsten Fiedler/Stadtentwässerung Dresden

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Der Notbetrieb: Wichtige Arbeiten in kleinen Gruppen

Verändert wurde auch der Einsatz beim Betrieb des Dresdner Kanalnetzes, erläutert der zuständige Gebietsleiter Frank Männig. So wird nur noch in kleinen Gruppen von bis zu drei Leuten gearbeitet. Außerdem wurden beim Arbeitsbeginn gestaffelte Zeiten eingeführt, damit sich die kleinen Gruppen nicht mehr begegnen. "Die einen fangen um sechs an, die anderen um acht", sagt er. 

"Die Kanalreinigung, die mit Aerosolen verbunden ist, haben wir fast ganz ausgesetzt", nennt Männig einen weiteren Schritt. Dafür wurden sonst große Hochdruck-Spülfahrzeuge eingesetzt, bei dem das Wasser mit hohem Druck in die Kanäle gespritzt wird.

Das Kanalsystem sei in gutem Zustand. Deshalb würden die Kollegen wie Konrad Jost und Christian Schnabel Kanalschächte oder -schieber nur von oben inspizieren. Dabei werden auch die Schmutzfänger gereinigt, die unter dem Gullydeckel hängen. Außerdem würden  Kollegen am Stadtrand wie im Dresdner Norden unterwegs sein, um Fehlanschlüsse aufzuspüren. Dort gibt es getrennte Regen- und Abwasseranschlüsse an den Häusern. Indem ein Kanalabschnitt unter Dampf gesetzt wird, kann festgestellt werden, ob Regenwasser dort in den Kanal geleitet wird, der nur für Abwasser vorgesehen ist. Sonst würde er bei Starkregen überlastet.

Die Familien: Kinder tagsüber in der Notbetreuung

Ein Problem konnte für die Mitarbeiter weitgehend gelöst werden. Viele von ihnen haben Kinder bis zu zwölf Jahren, erklärt Firmenchef Strothteicher. "Es ist weitgehend gelungen, dass diese Kinder in der Notbetreuung untergebracht werden können", sagt er. Denn das Unternehmen zähle zur kritischen Infrastruktur, bei der das vorrangig möglich ist. Andere Mitarbeiter haben die Möglichkeit im Homeoffice die Betreuung mit zu organisieren.

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