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Corona: Biertheater schreibt Stücke um

Die Schauspieler dürfen sich in Coronazeiten schließlich nicht zu nahe kommen. Wie das funktioniert - und sogar extra witzig sein kann.

So nahe dürfen sich Kerstin Neumann (Lydia Ernst) und Hans Neumann (Holger Blum) künftig nicht mehr kommen. Schauspieler im Biertheater müssen den Mindestabstand einhalten.
So nahe dürfen sich Kerstin Neumann (Lydia Ernst) und Hans Neumann (Holger Blum) künftig nicht mehr kommen. Schauspieler im Biertheater müssen den Mindestabstand einhalten. © Archivfoto: René Plaul

Radeberg. Mundschutz, Abstand halten, keine Hände schütteln. Diese Regeln kennt inzwischen jeder. Doch was ist mit Schauspielern, die sich auf der Bühne in die Arme fallen, Küsschen geben und sich auch sonst gefährlich nahe kommen? „Ja, auch wir müssen künftig  den Mindestabstand einhalten“, sagt Holger „Blumi“ Blum, Regisseur, Autor und Schauspieler beim Radeberger Biertheater. Er arbeitet deshalb daran, die Stücke wie „Der Schwipsbogen“, „Neumann 2x klingeln“ und die „Frauen hinter dem Ladentisch“ coronasicher zu machen. 

„Wir schreiben die Stücke um. Szenen, in denen wir uns zu nahe kommen, werden raus genommen und so verändert, dass das nicht mehr der Fall ist“, sagt er. Nicht immer ist das ganz einfach, das Stück muss ja funktionieren. „Die Zuschauer wollen weiterhin ihren Spaß haben. Ein Fernkuss ist etwas anderes, als ein direkter. Eventuell müssen wir auch Hilfsmittel wie Plexiglasscheiben einsetzen, was das Ganze noch komplizierter macht.“ 

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Thema Corona wird in den Stücken verarbeitet

Natürlich werden nicht nur Passagen gestrichen. „Wir überlegen, zusätzliche Gags einzubauen. So gibt es die Idee, jedesmal, wenn sich zwei Schauspiele zu nahe kommen, eine Tröte, ein Warnsignal, erklingen zu lassen.“ Freilich wird das Thema Corona auch in den Dialogen vorkommen, sagt Holger Blum. „Daran kommt man ja in diesen Zeiten nicht vorbei und Kuriositäten erlebt ja jeder selbst täglich. Das Thema werden wir auf alle Fälle einbauen.“ Alle Stücke werden somit neben der normalen Variante eine Corona-Variante bekommen. Noch hofft er allerdings, dass bis zum Spielbeginn weitere Lockerungen in Kraft treten und sich Schauspieler auch wieder in die Arme fallen können.

Jens Richter, Betreiber des  Radeberger Biertheaters, hat inzwischen ein Schutzkonzept erarbeitet. „Der Mindestabstand zwischen Besuchern aus unterschiedlichen Familien oder Haushalten muss gewahrt bleiben. Deshalb werden wir nur noch drei lange Tafeln im Saal aufstellen. An ihnen ist auch der Abstand von 1,5 Metern auch zum Gegenübersitzenden gewahrt“, sagt er. 136 Zuschauer passen dann noch in den Saal. Die Besucher können sich weiterhin auf ein leckeres Menü freuen. „Vorspeise und Hauptgang werden wir wie bisher vor der Vorstellung servieren. Das Dessert dann in der Pause. Allerdings kann es sein, dass das Gesundheitsamt keine Pause gestattet, dann werden wir es nach der Vorstellung verteilen“, sagt Jens Richter. 

Termin für Premiere steht fest

Ebenfalls von der Bestätigung des Hygienekonzeptes hängt ab, wann denn nun endlich die Karten verkauft werden können. „Wir rechnen damit, dass wir Ende nächster Woche eine Information bekommen. Dann hoffen wir, dass der Kartenverkauf Mitte oder Ende Juli beginnen kann. Den genauen Termin geben wir rechtzeitig bekannt.“ Jens Richter sichert zu, dass der wie gewohnt stattfinden wird. „Beim Start werden die Schauspieler dabei sein und die hoffentlich vielen Biertheaterfans begrüßen.“ Sicher ist schon jetzt, wann die erste Vorstellung stattfindet. Das wird am 17. September sein. Dann ist die Premiere von „Die Frauen hinter dem Ladentisch“ zu sehen. 

Holger Blum wird allerdings noch nicht auf der Bühne zu sehen sein. „Ich schreibe an den Stücken und führe Regie. Auf der Bühne werde ich von meinen wunderbaren Kollegen Peter Splitt in 'Neumann 2x klingeln' und Michael Kuhn im 'Schwipsbogen' vertreten.“ Anfang Dezember hatte Holger Blum einen Schlaganfall erlitten. Danach folgten Krankenhaus und Reha. Seiner Kreativität tat das keinen Abbruch. Er schrieb maßgeblich das Buch zu „Die Frauen hinter dem Ladentisch“. Dabei konnte er aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Schließlich war Blumi vor seiner Karriere als Schauspieler und Musiker selbst Verkäufer. „Ich bin schon zu DDR-Zeiten in den Handel gegangen. So bin ich an die guten Klamotten gekommen.“ Nach der Wende baute er einen Obst- und Gemüsehandel mit mehreren Filialen in Dresden auf: „Blumis Fruchtoase“. 14 Mitarbeiter hatte er damals.

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