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Zittau

Blutspender beklagt "Bild des Entsetzens"

Bei einem Spendetermin des DRK im Krankenhaus Zittau sollen Corona-Schutzmaßnahmen grob missachtet worden sein. Das DRK reagiert sofort.

Spenderblut wird dringend benötigt.
Spenderblut wird dringend benötigt. © Patrick Pleul ZB

Nico F. (Name von der Redaktion geändert) hat die Worte von Angela Merkel noch im Ohr: "Im Moment ist nur Abstand ein Ausdruck von Fürsorge", hat die Kanzlerin in ihrer Rede zur Corona-Krise gesagt. Wie ausgerechnet der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit diesem Fürsorge-Gebot umgeht, das durfte Nico F. am Mittwoch im Krankenhaus Zittau erleben.

Seit gut 15 Jahren spendet Nico F. Blut - mittlerweile 54 mal. So war es für ihn selbstverständlich, auch den jüngsten Blutspendetermin des DRK in Zittau wahrzunehmen. Der Blutspendedienst nutzt dafür Räume des Klinikums. Was Nico F. dort sah, beschreibt er als "Bild des Entsetzens und der Missachtung aller Vorsichtsmaßnahmen" in Zeiten des Corona-Virus. "Auf einem schmalen Gang standen circa 20 Personen dicht an dicht aneinander und nebeneinander gedrängt und plauschten miteinander", erinnert sich Nico F.

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Ersetzt Fiebermessen den Sicherheitsabstand?

Eine Schlange habe in dem Gang auf die ärztliche Untersuchung gewartet, die andere auf die Abgabe der Blutspende. "Kein Sicherheitsabstand oder weitere Vorsichtsmaßnahmen", sagt Nico F. Ein Zustand, den der Mann nicht hinnehmen wollte. Er habe sich zunächst an eine DRK-Krankenschwester und dann an den zuständigen Arzt gewandt. "Als Antwort kam, dass jedem Spender Fieber gemessen wird und er davon ausgehen muss, wer nicht fiebrig sei, ist nicht ansteckend", erzählt Nico F. Außerdem habe der Arzt gesagt, dass man dieses Blut dringend brauche und er an dieser Situation nichts ändern könne.

Befremdlich fand Nico F. einen weiteren Teil der Antwort: "Der Arzt hat gesagt, er wisse, dass momentan die Vorgaben nicht eingehalten werden können, verstehe aber meine Besorgnis." Der langjährige Blutspender hatte genug gehört. Er verließ das Krankenhaus an diesem Tag ohne Blut gespendet zu haben. "Schweren Herzens", wie er sagt.

Medizinisches Personal überlastet?

Umgehend habe er die Geschäftsführung des Klinikums über den Vorfall in Kenntnis gesetzt, erzählt Nico F. Von dort aber habe er zu hören bekommen, dass die Geschäftsführung nichts machen könne, da die Räume an das DRK überlassen wurden und es sich um eine Veranstaltung des DRK handele. Gleichwohl sieht der Mann auch die Klinik in einer Pflicht. "Ich gehe davon aus, dass die Geschäftsführung des Krankenhauses in Zittau auch Hausrecht ausübt", sagt er. Er sei jedoch an den Blutspendedienst des DRK verwiesen worden. Die Pressesprecherin des Klinikums Jana-Cordelia Petzold teilt dazu auf SZ-Anfrage mit: "Wir bedauern das unsererseits außerordentlich und haben Verständnis für den Unmut des Betroffenen. Wir können allerdings zum Sachverhalt nichts sagen, denn zuständig ist hier allein der Veranstalter und Organisator der Blutspende."

Und bei dessen Dresdner Zentrale meldete sich Nico F. auch und sei dort mit dem Geschäftsführer Professor Dr. Torsten Tonn verbunden worden. Der habe zugesagt, sich des Falles anzunehmen. "Der Professor bestätigte, dass es in der Durchführung bei Blutspenden klar definierte Vorsichtsmaßnahmen und auch Mindestabstände gäbe", schildert Nico F. das Gespräch. Der Professor habe zwar erklärt, dass das medizinische Personal schon jetzt überlastet sei - das aber keine Entschuldigung für die Missachtung wichtiger Regeln sein sollte. "Weiterhin wies er auch auf die Wichtigkeit derzeitiger Blutspenden hin, wofür ich Verständnis habe", sagt Nico F.

"Die Räumlichkeiten waren nicht optimal"

Zufrieden ist er mit der Antwort dennoch nicht. "Dem DRK sind die Räumlichkeiten von früheren Blutspendeterminen bereits bekannt. Dementsprechend hätte im Vorfeld Sorge für die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen", sagt er, und: "Eine solche Missachtung der Regeln ist nicht akzeptabel." Er wolle keine Panik schüren, sondern nur auf derzeit nicht akzeptables Verhalten hinweisen. "Ich hoffe, der Fall wird zur Schließung von Lücken derzeit notwendiger Regeln beitragen. Denn was nützen Krisenstäbe, wenn beschlossene Maßnahmen keine Beachtung finden?", sagt Nico F.

Auf SZ-Anfrage äußert sich DRK-Blutspende-Chef Professor Dr. Torsten Tonn zu dem Fall. Und er gibt Nico F. recht. "Die Durchführung von Blutspendeterminen in Zeiten von SARS-CoV-2 ist an strikte Maßnahmen zur Vermeidung einer Übertragung gebunden" teilt er mit. Hierzu würden neben der Eingangskontrolle auch das Abstandsgebot zählen. Der lokal für den Blutspendetermin verantwortliche Mitarbeiter habe vor diesem Hintergrund selbst aktiv darauf hingewirkt, dass die Spender den gegebenen Abstand einhalten. Aber: "Das ging auch lange sehr gut. Leider kam es im weiteren Verlauf des Termins zu einem Ansturm von Spendern innerhalb kurzer Zeit, was dann dazu geführt hat, dass die Spender Schulter an Schulter standen", so Tonn. Statt der erwarteten 85 Spender seien 116 erschienen - was andererseits natürlich erfreulich sei.

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Der DRK-Blutspendedienst will jetzt reagieren. "Wir danken dem Leser der SZ, der die Geschäftsführung des Blutspendedienstes noch am Abend auf die beengten Verhältnisse aufmerksam gemacht hat. Durch seinen Hinweis konnte der lokale Werbereferent die Zustände durch organisatorische Maßnahmen noch am gleichen Abend weitgehend abstellen", schreibt Professor Tonn. In der Summe müsse man konstatieren, dass die Räumlichkeiten für die Anzahl von Blutspendern und die aktuelle Situation nicht optimal waren.

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