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Wie Corona Kriminelle ausbremst

Sachsenweit gehen die Straftaten seit Mitte März zurück. Das betrifft auch Oberlausitz und Grenzgebiete. Aber eine neue Kriminalitätsform entwickelt sich.

Ein (fiktiver) Einbrecher blickt an einem Haus durch eine eingeschlagene Fensterscheibe: Solche Szenen soll es an der Neiße derzeit weniger geben.
Ein (fiktiver) Einbrecher blickt an einem Haus durch eine eingeschlagene Fensterscheibe: Solche Szenen soll es an der Neiße derzeit weniger geben. © Symbolbild: Daniel Maurer/dpa

Verkehrsunfall, Unfallflucht, ein brennender Holzhaufen, ein Opel-Fahrer unter Alkoholeinfluss und ein geklautes Moped - die Pressemeldungen der Polizeidirektion Görlitz für die Oberlausitz, für die Kreise Görlitz und Bautzen waren in diesen Tagen auch schon mal spannender. 

Natürlich meldet die Behörde nur dass, was sie selbst als meldenswert erachtet. Aber in den vergangenen Wochen zeichnet sich ein Trend ab: Die Zahl der großen Einbrüche, der Autodiebstähle und, und, und sie scheint zurückzugehen, gefühlt jedenfalls. Ist dem tatsächlich so? Ja, sagt Katharina Korch, Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz.

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"Im Vergleich zum Vorjahr gehen die Straftaten mit Ausnahme der Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz seit der Einführung der Schutzmaßnahmen zurück", sagt sie. Beobachtet wird jeweils der Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 28. April.

Deutlicher Rückgang bei Grenzkriminalität

Seit Mitte März ist die Grenze zu Polen quasi geschlossen, ebenso zu Tschechien. Grenzkriminalität war in den vergangenen Jahren immer wieder ein großes Thema an Neiße und Spree. Haben Corona und die deswegen geschlossenen Übergange  darauf einen Einfluss? Auch das bejaht die Polizeidirektion. Einen "deutlichen Rückgang" bei der Eigentumskriminalität, sprich bei Diebstählen aller Art in den Grenzgemeinden sei festzustellen. "Dies bezieht sich sowohl auf die Grenze zur Republik Polen als auch zur Tschechischen Republik", so Katharina Korch.

Feste Zahlen gibt es allerdings nicht. Die Daten seien aufgrund des kurzen Beobachtungszeitraums nur bedingt belastbar, beziehungsweise aussagekräftig, heißt es aus der Görlitzer Polizeidirektion. Deutlicher wird das sächsische Innenministerium. Das Landeskriminalamt hat dafür ausgewertet.

Einbrecher haben ein Transportproblem

Demnach ist die Zahl der Straftaten seit Beginn der Schutzmaßnahmen um rund ein Viertel im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres gesunken. Der Rückgang betreffe fast alle Bereiche, in denen Delikte vorkommen. Das bestätigt auch die Polizeidirektion Görlitz für die Oberlausitz. Eine Ausnahme hier bilden die "strafrechtlichen Nebengesetze". "Der Anstieg dort ist unter anderem mit den Feststellungen der Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz erklärbar", schildert Katharina Korch.

Laut Landeskriminalamt hat die Zahl der Diebstähle um etwa ein Drittel abgenommen. Vor allem Wohnungseinbrüche und der Klau von Kraftfahrzeugen sei rückläufig.  Auch Diebstähle aus Dienst-, Büro-, Fabrik-, Werkstatt- und Lagerräumen würden derzeit weniger häufig angezeigt. Die Beamten haben dafür auch mehrere Gründe ausgemacht. Zum einen: Die Menschen halten sich mehr als sonst üblich in ihren Wohnungen auf. Zum anderen: Es ist schwerer geworden, die Beute wegzuschaffen, im Land aber auch über die Grenzen hinweg.

Zahl der Körperverletzungen sinkt

Ebenfalls im Abnehmen: die Zahl der Körperverletzungen. Sie ging seit Beginn der Beschränkungen um etwa 17 Prozent zurück. Und: Entgegen der bisherigen, häufig geäußerten Annahme, sinken auch die Zahlen im Bereich häusliche Gewalt, um rund 40 Prozent. Das Landeskriminalamt versieht diese Aussage mit einem großen Aber. Denn häusliche Gewalt werde oft nicht durch die Opfer, sondern durch Dritte, wie Kollegen, Lehrer angezeigt. Und der Zugang zu diesen Bezugspersonen ist wegen Corona nun eingeschränkt. Das Landeskriminalamt rechnet daher mit einem "erhöhten Dunkelfeld".  

Betrug an Haustür und Telefon hoch im Kurs

Mit Corona scheint sich allerdings auch eine neue Kriminalitätsform zu entwickeln. Betrug am Telefon und an der Haustür zum Beispiel sind weiterhin hoch im Kurs, warnt die Polizei. Die Täter brächten "altbekannte Maschen" in Zusammenhang mit dem Coronavirus und nutzen die Unsicherheit und Angst der Bevölkerung für ihre Zwecke aus.

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Tatsächlich hat das Landeskriminalamt bei den Betrugsdelikten einen Anstieg um rund zehn Prozent verzeichnet, führt es aber nicht auf die Corona-Krise zurück, sondern auf eine "statistische Anpassung". Grund: Seit Januar werden auch Auslandsstraftaten und Fälle mit unbekanntem Tatort erfasst. Und die Behörde relativiert. "Straftaten mit angeblichen Amtspersonen, wie beispielsweise falschen Polizeibeamten oder falschen Mitarbeitern des Gesundheitsamtes wurden nur in wenigen Einzelfällen bekannt", heißt es aus dem Innenministerium.

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