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Corona bremst Radebeuls Radwegspläne aus

Die Stadt möchte ein lückenloses Radverkehrsnetz schaffen. Doch das erforderliche Strategiepapier lässt auf sich warten.

Als Beispiel für eine positive Radverkehrslösung ist den Planern des Radverkehrskonzepts der Kreuzungsbereich Vorwerkstraße/Gradsteg in Kötzschenbroda aufgefallen. Dort ist der Radfahrstreifen deutlich farblich getrennt.
Als Beispiel für eine positive Radverkehrslösung ist den Planern des Radverkehrskonzepts der Kreuzungsbereich Vorwerkstraße/Gradsteg in Kötzschenbroda aufgefallen. Dort ist der Radfahrstreifen deutlich farblich getrennt. © Norbert Millauer

Radebeul. Radfahrer fühlen sich nicht nur in den Bereichen der beiden neuen Haltestellen der Straßenbahnlinie 4 auf dem frisch sanierten Abschnitt der Meißner Straße in Radebeul-Mitte gefährdet. Unmittelbar vor den Haltepunkten endet der als Strichellinie auf der Fahrbahn markierte Schutzstreifen. Das ist auch in anderen Bereichen auf der Hauptverkehrsader der Lößnitzstraße der Fall. In Zitzschewig fehlt ein Radstreifen komplett.

Diesen Umstand beschreiben Heike Prahlow und Linn Schröder von der Planungsgemeinschaft Verkehr PGV-Alrutz als ein großes Defizit. Sie attestieren der derzeitigen Radwegesituation entlang der Meißner Straße eine „fehlende Führungskontinuität“. Ihr Ingenieurbüro mit Sitz in Hannover erstellt im Auftrag der Stadtverwaltung ein Radverkehrskonzept.

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Vor rund zwei Jahren verabschiedeten die Radebeuler Stadträte einen neuen Verkehrsentwicklungsplan. Jedoch waren in dem Strategiepapier wenig Aussagen über den Radverkehr zu finden. Die soll nun ein eigenes Konzept liefern. 

„Der Radfahrer will schnell von einem zum anderen Ende der Stadt kommen“, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Ziel der Radverkehrskonzeption sei daher, ein lückenloses Radwegenetz in der Lößnitzstadt zu schaffen.

 Diese Worte sind nun auch bereits wieder über ein Jahr her. Sie fielen auf einem ersten Workshop im Kulturbahnhof Ende Mai 2019, als die beiden Radverkehrsplanerinnen, die Ergebnisse ihrer Analyse der jetzigen Situation präsentierten und mit Radebeulern ins Gespräch kamen.

Als ein positives Beispiel für eine Radstreifenlösung heben die beiden Expertinnen den Bereich Vorwerkstraße Höhe Gradsteg hervor. Der Radfahrstreifen ist rot gefärbt und hebt sich für Kraftfahrer deutlich sichtbar von der Fahrbahn ab. Doch das Negativbeispiel beginnt wenige Meter weiter auf der Hermann-Ilgen-Straße. Dort besteht die gleiche Situation wie an den beiden Haltestellen in Radebeul-Mitte. Der Schutzstreifen endet abrupt.

Unter den Teilnehmern des damaligen Workshops war einhellige Meinung, dass die Verkehrssicherheit für Radfahrer entlang der Hauptverkehrsader der Lößnitzstadt katastrophal sei. 

Mit circa 13.800 Kraftfahrzeugen täglich in Höhe der August-Bebel-Straße und 23.400 Fahrzeugen östlich der Paradiesstraße nimmt die Meißner nach wie vor den meisten Verkehr in Radebeul auf und sie ist nicht nur für Pkw und Laster die kürzeste Verbindung zwischen Ost und West, sondern auch für Pedalritter.

 Daher wird immer wieder der Wunsch nach einem baulich getrennten Radweg geäußert, zumindest sollten die Schutzstreifen breiter sein und rot markiert werden.

Auf der Meißner Straße in Zitzschewig fehlen Radweg oder Schutzstreifen, obwohl hier viele Radfahrer unterwegs sind, die unter anderem im Löma-Center einkaufen wollen. Derzeit müssen Radler wegen der beengten Verhältnisse die Fahrbahn nutzen. Das empfinde
Auf der Meißner Straße in Zitzschewig fehlen Radweg oder Schutzstreifen, obwohl hier viele Radfahrer unterwegs sind, die unter anderem im Löma-Center einkaufen wollen. Derzeit müssen Radler wegen der beengten Verhältnisse die Fahrbahn nutzen. Das empfinde © Norbert Millauer

Das Radverkehrskonzept hat nicht nur den Bau von Radwegen und das Markieren von Radschutzstreifen im Blick. Die Planer überlegen, wie Radler generell auf sicheren Routen von der Wohnung zur Schule oder Arbeitsplatz, zu Freizeiteinrichtungen oder Einkaufszentren gelangen. 

So schauen und prüfen sie, auf welchen Gehwegen Radfahren erlaubt werden kann, welche Einbahnstraße im Stadtgebiet Radler entgegen der für Kraftfahrer ausgewiesenen Fahrtrichtung nutzen dürfen oder wo die Stadt den sogenannten Mischverkehr einführen kann. Letztgenantes meint, dass Rad- und Kraftfahrer gemeinsam eine Straße nutzen, wie in verkehrsberuhigten Bereichen und Tempo-30-Zonen. 

Zudem soll das Strategiepapier Empfehlungen zum Fahrradparken, zu Serviceangeboten wie Schlauch-O-Maten und zur besseren Ausschilderung von Fahrradrouten enthalten.

Das fertige Konzept soll einen Katalog an Vorschlägen beinhalten, wie die Stadt in den nächsten zehn Jahren den Radverkehr attraktiver machen kann, damit immer mehr Radebeuler ihre Blechkiste stehenlassen, und stattdessen auf den Drahtesel steigen.

 Die Radverkehrsplaner wollten die auf dem Workshop geäußerten Hinweise und Anregungen aus der Einwohnerschaft in die weitere Konzeptarbeit einfließen lassen. Der Entwurf des Strategiepapiers sollte spätestens zu Beginn dieses Jahres den Stadträten vorliegen, damit sie die Konzeption beraten und beschließen können. 

Ebenfalls war eine erneute Diskussion mit Bürgern geplant. Doch seit der Veranstaltung Ende Mai vorigen Jahres ist es sehr still um den Radverkehrsplan geworden.

„Corona hat den Zeitplan völlig über den Haufen geworfen“, heißt es aus dem Stadtentwicklungsamt. Auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Anfang März dieses Jahres konnte das Planungsbüro in nichtöffentlicher Sitzung den Räten noch überblicksmäßig einen Zwischenstand präsentieren. 

„Dann kam die inhaltliche Weiterarbeit aber coronabedingt zum Erliegen und das Planungsbüro in Hannover konnte uns erst vor wenigen Tagen den Vorentwurf für die Radverkehrskonzeption übersenden“, teilt Stadtsprecherin Ute Leder mit. 

Der Entwurf müsse jetzt erst einmal innerhalb der Stadtverwaltung inhaltlich geprüft werden. „Eine Vorstellung des Arbeitsstandes im Stadtentwicklungsausschuss ist für das letzte Quartal dieses Jahres vorgesehen“, so Leder. 

Zum aktuellen Zeitpunkt ist ein Stadtratsbeschluss im 1. Quartal 2021 möglich, hängt jedoch davon ab, wie viel Beratungs- und Diskussionsbedarf zum Maßnahmekatalog unter den Stadtparlamentariern besteht.

Wie der noch ausstehende Workshop, auf der die Radverkehrskonzeption zum Großteil öffentlich vorgestellt werden soll, aussehen könnte, darüber macht sich das Stadtentwicklungsamt gemeinsam mit dem Planungsbüro noch Gedanken, „Wir gehen davon aus, dass eine solche Veranstaltung, wie sie bisher angedacht war, dieses Jahr aufgrund der behördlichen Anordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht mehr stattfinden kann“, heißt es von der Verwaltung. 

Alternativ überlegt sie, eine „Online Infoveranstaltung“ zu organisieren. Diese könnte beispielsweise über die Plattformen „Zoom“ oder „Teams“ durchgeführt werden, über die das Planungsbüro, genauso wie bei einer Vor-Ort-Veranstaltung einen Vortrag halten und über Lösungsansätze informieren beziehungsweise mit Bürgern diskutieren könnte.

 „Generell ist uns die Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Radverkehrskonzeption sehr wichtig und wir müssen aktuell erstmal unsere Möglichkeiten ausloten. Hier werden wir rechtzeitig informieren“, so Stadtsprecherin Leder.

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