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Karnevalisten vergeht das Lachen

Viele Narren in der Region Döbeln bangen aufgrund von Corona um die Saison. Einigen würde das auch finanzielle Sorgen bereiten.

Hand in Hand: Wird es einen Fasching wie hier Anfang des Jahres 2020 in Waldheim auch in der kommenden Saison geben?
Hand in Hand: Wird es einen Fasching wie hier Anfang des Jahres 2020 in Waldheim auch in der kommenden Saison geben? © Archiv/Dietmar Thomas

Region Döbeln. Ganz überraschend kommt die Ansage des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) für die Narren der Region Döbeln nicht. Er fordert nämlich, aufgrund der Corona-Ansteckungsgefahr die kommende Karneval-Saison komplett abzusagen. Doch das bedeutet für einige nicht nur traurige Gesichter, sondern auch erhebliche Probleme für die Vereinskasse.

So zum Beispiel im Ostrauer Ortsteil Schrebitz. Der Schrebitzer Carneval Club hat auf dem Mittelweg sein eigenes Vereinshaus. Dafür fallen nicht nur Mietgebühren an, sondern auch jegliche Nebenkosten, die der Verein aus der eigenen Kasse stemmen muss. 

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Das funktioniere nur, wenn auch Einnahmen aus Veranstaltungen kommen, erklärt die Vorsitzende Peggy Dietrich-Lohse. „Sollte die Saison tatsächlich abgesagt werden, dann wäre es sehr eng für uns.“ Zwar habe der Verein im März noch eine Veranstaltung gehabt und Geld generiert, aber damit sei er laut der Vorsitzenden „gerade so“ über den Sommer gekommen.

"In kleinen Karnevalsvereinen ist das Risiko überschaubar"

Doch die Schrebitzer Narren sind optimistisch. Erst am vergangenen Wochenende fand das Sommerfest des Vereins statt – natürlich unter Einhaltung der aktuellen Hygienemaßnahmen des Landratsamtes Mittelsachsen. 

„Wir haben dafür ein Hygienekonzept ausgearbeitet und dieses wurde uns bestätigt“, sagt Dietrich-Lohse. „Deshalb blicken wir auch sehr gespannt auf die kommende Saison. Ich denke, wir bekommen das hin.“ 

Außerdem gebe es in dem Ostrauer Ortsteil einen gewissen „Fan-Stamm“, bei dem die Kontaktkette auch gut nachzuvollziehen sei.

Peggy Dietrich-Lohse findet den Vorschlag des Bundesgesundheitsministers zu einem Teil sinnvoll, zum anderen jedoch etwas überzogen. „Ich kann verstehen, wenn man die großen Veranstaltungen und Umzüge in den Karnevalshochburgen, in großen Städten absagt. 

Das ist zu anonym und die Menschen kennen sich nicht untereinander“, meint die Vereinsvorsitzende. „Aber unsere kleinen Vereine mit den wenigen Leuten. Da ist meines Erachtens das Risiko überschaubar.“

Leisniger Fasching soll pünktlich zum 11. November starten

Ähnlich sieht das der Präsident des Carneval Clubs Leisnig Mario Richter. Letztendlich sei alles von der Entscheidung der Politik abhängig. 

Derzeit seien die Mitglieder des Leisniger Narren-Vereins jedoch schon dabei Inhalte vorzubereiten und Konzepte für eine mögliche Umsetzung der Saison unter den aktuellen Bedingungen zu erarbeiten. „So oder so werden wir die Materialien verwenden. Wenn nicht in der nächsten Saison, dann in der übernächsten“, so Mario Richter.

Prinzipiell wolle der Verein jedoch die Saison ab dem 11. November 2020 bestreiten. In der kommenden Woche will sich der Vorsitzende mit den Mitgliedern treffen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. 

Ein Ausfall wäre für die Leisniger jedoch grundsätzlich nicht existenzbedrohend, wie Richter erklärt. „Wir müssen nur rechtzeitig Bescheid wissen.“

Spindelfasching Waldheim-Hartha startet im Freien

Der Präsident des Spindelfaschingclubs Waldheim-Hartha Uwe Kuhnert sieht der kommenden Saison bisher gelassen entgegen. „Wir sind mitten in den Vorbereitungen und gehen genauso vor, wie sonst auch immer“, erzählt er. Der Vorstand berät sich regelmäßig zum aktuellen Stand und behält den Corona-Stand im Landkreis im Auge. 

„Sollte es dabei bleiben, dass bei den Veranstaltungen nicht getanzt werden darf, dann müssen wir es so wie in westdeutschen Städten machen: Am Tisch sitzen und dem Programm zuschauen“, meint der Präsident. „Das wäre auch eine Umgewöhnung für unsere Stammgäste.“

Geplant ist der Auftakt in Waldheim für den 14. November. Erstmals wohl dann im Freien, um die Corona-Maßnahmen besser umsetzen zu können, so Uwe Kuhnert. Im Februar werde der Verein jedoch nicht auf ein Open-Air-Event umsteigen können. Dann sind die Temperaturen zu frostig.

Zschaitzer warten Corona-Regeln ab

Ganz anders sieht die Lage in der Gemeinde Zschaitz-Ottwig aus. Vereinsvorsitzende Ina Plato weiß im Moment noch nicht, ob es eine Saison 2020/2021 geben wird. „Derzeit ist noch absolut nichts geplant. Unsere erste Versammlung ist erst Ende September“, sagt sie. 

Zum Feiern habe der Verein nur einen Saal mit einer Kapazität von 100 Personen. Unter den aktuellen Bestimmungen des Freistaats würde sich die Anzahl massiv verkleinern. 

„Zwar sind wir in den Startlöchern, vor allem weil uns ein Generationswechsel bevorstehen würde, aber die Gesundheit geht vor“, betont Plato und richtet ihren Appell an alle: „Wenn alle ein klein wenig mitmachen, dann kann das Großes bewirken“.

Corona-Regeln laut dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt: 

  • Großveranstaltungen und Sportveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern dürfen ab 1. September 2020 in Sachsen wieder stattfinden. Bedingungen hierfür sind eine „datenschutzkonforme und datensparsame Erhebung von Kontaktdaten“ aller Besucher sowie, dass „ein von der zuständigen kommunalen Behörde auf die Veranstaltungsart bezogenesgenehmigtes Hygienekonzept vorliegt“.
  • Ab 20 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen vor Beginn der Veranstaltung im Landkreis sind diese untersagt.

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