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„Ich habe ziemlich viel mitgemacht“

Mit leichten Erkältungssymptomen fing es an. Doch es war Covid-19. Dann kämpfte Andreas Weigel um sein Leben.

Er ist dünn geworden, aber wieder aus dem Koma erwacht. Das war vor etwa vier Wochen. Inzwischen hat Andreas Weigel das Schlimmste seiner Corona-Infektion hinter sich.
Er ist dünn geworden, aber wieder aus dem Koma erwacht. Das war vor etwa vier Wochen. Inzwischen hat Andreas Weigel das Schlimmste seiner Corona-Infektion hinter sich. © privat

Die Krankheit, die Andreas Weigel beinahe das Leben gekostet hätte, begann so harmlos wie eine Erkältung. Nach zwei Tagen Unwohlsein traf ihn der Coronavirus mit umso größerer Wucht. Weigel fuhr in das nächstgelegene Krankenhaus in Werdau in die Notaufnahme. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich dort innerhalb von drei Stunden dramatisch.

Die Ärzte versetzten den 55-Jährigen in ein künstliches Koma. 14 Tage verbrachte er unter Vollnarkose. Aus Angst um sein Leben organisierten fachkundige Arbeitskollegen bei der Johanniter-Unfall-Hilfe seine Verlegung in die Lungen-Spezialklinik nach Gießen. 25 Tage lag Weigel auf der Intensivstation. Er kämpfte gegen Atemnot und stand Todesängste aus. Weigel sagt, er sei als gläubiger Christ ein gefestigter Mensch. Aber die persönliche Erschütterung über das Erlebte ist während des Gesprächs mit ihm am Telefon zu spüren. „Ich habe ziemlich viel mitgemacht“.

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Weigel war nicht der einzige Covid-19-Patient in Gießen, aber der Erste der geheilt entlassen wurde. Das Virus ist, das zeigt der schwere Krankheitsverlauf eindrucksvoll, nicht nur für alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen gefährlich. Weigel sagt, vor der Infektion habe er weder an einer Krankheit noch an schwerem Übergewicht gelitten. „Das Virus schlägt auf unterschiedliche Weise zu, das sollten wir uns klarmachen.“ Zehn Prozent seines ursprünglichen Gewichts hat er abgenommen. Zu den Folgen der Krankheit zählt auch eine Operation am Hals und eine Fehlstellung am Fuß. „Die Arztberichte füllen mehrere Aktenordner. Ich möchte das im Moment alles nicht so genau lesen.“

Einladung in die Staatskanzlei

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus habe es eine Weile gedauert, bis sich eine Reha-Klinik fand, die ihn weiter behandeln wollte. Die Einrichtungen hätten wenig Erfahrung mit Corona-Patienten, sagt Weigel. Fünf Wochen Isolation können psychische Folgen haben, mit der die Reha-Kliniken ebenso umgehen müssten wie mit den medizinischen Problemen.

Eine Reha-Einrichtung in Bad Sulza in Thüringen habe sich schließlich bereit erklärt, ihn drei Wochen lang weiter zu behandeln. Jetzt wird er ambulant begleitet. Allmählich möchte Weigel wieder in seinen Beruf als Chef der Johanniter-Unfall-Hilfe Sachsen-Anhalt/Thüringen einsteigen. Ansteckungsgefahr gehe von ihm jedenfalls nicht mehr aus. Es war ihm wichtig, dies den Mitarbeitern per Mail ausdrücklich mitzuteilen.

Vor einigen Tagen lud ihn Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu dem Runden Tisch über die sächsische Corona-Politik am Donnerstagabend in die Staatskanzlei ein. Christdemokrat Kretschmer und Sozialdemokrat Weigel kennen sich. Weigel war einst wie Kretschmer Generalsekretär seiner Partei, beide gehörten dem Bundestag an.

Gesundheitsministerin Petra Köpping zusammen mit Andreas Weigel am Donnerstag in der Staatskanzlei.
Gesundheitsministerin Petra Köpping zusammen mit Andreas Weigel am Donnerstag in der Staatskanzlei. © Matthias Rietschel

Weigel sagt, er sei skeptisch gewesen, als er hörte, dass neben Betroffenen und Experten auch Gegner der harten Bekämpfungsmaßnahmen auf der Gästeliste standen. „Was ich nicht brauche, ist, mich rechtfertigen zu müssen“. Die Wochen, die hinter ihm liegen, haben ihn mehr als andere für die Risiken der Pandemie sensibilisiert.

Die Lockerungen könnten zu größerem Leichtsinn führen, warnt Weigel. „Das ist keine Grippe.“ Am Himmelfahrtstag habe er eine Radtour an die Mulde unternommen. „Ich hätte nicht erwartet, dass dort so viele Menschen so unbedarft und eng zusammensitzen.“ Einerseits empfinde er Verständnis für die Menschen, die in diesen Frühlingstagen mit Freunden und Angehörigen zusammen sein wollten.

Aber wenn die Infektionszahlen wieder steigen? „Ich habe Zweifel, dass so ein konsequenter Lockdown noch einmal durchsetzbar wäre.“ Weigel hatte sich zeitgleich mit seiner Frau infiziert. Sie hatte nur leichte Symptome. Doch als er, umgeben von medizinischen Geräten, Schläuchen und Kanülen aus dem künstlichen Koma erwachte, erfuhr er, dass sein Vater mit 77 Jahren Ende April an Covid-19 gestorben war.

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