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Zittau

Damino näht jetzt Mundschutz

Der Großschönauer Textilbetrieb hat seine Produktion umgestellt und kann sich vor Aufträgen kaum retten. Und die kommen nicht nur aus Deutschland.

Bei der Damino GmbH in Großschönau werden jetzt Atemschutzmasken genäht.
Bei der Damino GmbH in Großschönau werden jetzt Atemschutzmasken genäht. © Damino

Eigentlich ist die Damino GmbH in Großschönau weltweit  vor allem für ihre Tischdecken und Bettwäsche bekannt. Jetzt in Zeiten von Corona ist der traditionsreiche Textilbetrieb aus einem ganz anderen Grund gefragter denn je. Damino hat seine Produktion auf Atemschutzmasken umgestellt. 

"Wir haben schon vor drei Wochen damit angefangen, als noch keiner groß danach gefragt hat", sagt Dirk Ladenberger. Daminos Geschäftsführer hat sich dafür eine herkömmliche Atemschutzmaske als Grundmodell genommen. 

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Doppellagig erhöht den Virenschutz

"Ich dachte mir, wenn wir welche aus Baumwolle herstellen, können die Leute sie waschen und wiederverwenden", schildert er. Dann werden auch nicht so viele auf einmal gebraucht. Und auf Anraten eines Mediziners näht sie Damino doppellagig. Das erhöht den Virenschutz.

Bei einer Krisensitzung des Textilverbandes in Westdeutschland war das Modell dann vorgestellt worden. Der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, ist sofort darauf hellhörig geworden. Das Bundesland bestellte gleich die ersten Atemschutzmasken bei Damino in der Oberlausitz. 

"Wir können uns vor Aufträgen kaum retten"

Von da an ging es Schlag auf Schlag. "Wir können uns vor Aufträgen kaum retten", sagt Dirk Ladenberger. Die Bestellungen reichen von Stückzahlen in Millionenhöhe bis zu Kleinstmengen von zehn Stück. Die Uni-Klinik in Münster möchte beispielsweise 400.000 Atemschutzmasken haben. Auch aus der Schweiz und Österreich hat Damino Anfragen für Maskenlieferungen bekommen. 

In Daminos Betriebsteil in Frydlant (Friedland) im tschechischen Isergebirge stellen die 160 Mitarbeiter mittlerweile ausschließlich Atemschutzmasken her. 9.000 Masken werden dort derzeit täglich produziert. Die Nachfrage danach ist auch in Tschechien sehr hoch, weil im Nachbarland bereits das Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit Pflicht ist. 

"Deshalb stehen wir gerade auch etwas unter tschechischer Beobachtung", schildert der Damino-Geschäftsführer. Die tschechischen Behörden möchten natürlich, dass die Schutzmasken aus dem Werk nicht nur für den ausländischen Markt bestimmt sind. So sind in der vergangenen Woche beispielsweise 4.000 Masken ins südliche Tschechien geliefert worden. 

3.000 bis 4.000 Masken werden dennoch täglich für Deutschland in Friedland genäht. "Unser Problem ist die Nähkapazität. Stoffe haben wir genügend da", erklärt er. Die Maschinen müssen sich dafür aber auch eignen und die Mitarbeiter nähen können. 

Zehn bis zwölf Leute nähen aber auch täglich in Daminos Hauptwerk in Großschönau Atemschutzmasken. Zudem hat Damino noch in Nordrhein-Westfalen ein Werk gefunden, dass für den Großschönauer Textilbetrieb Atemschutzmasken näht. 

Bei Damino werden jetzt am laufenden Band Atemschutzmasken genäht. 
Bei Damino werden jetzt am laufenden Band Atemschutzmasken genäht.  © Damino

Ohne neue Masken hätte eine Arztpraxis schließen müssen

Auch Sachsens Innenministerium hat bei Damino angefragt, ob das Unternehmen Atemschutzmasken in Größenordnungen unter anderem für Feuerwehr, Polizei und andere Einrichtungen produzieren könnte. Viele Bestellungen bekommt der Textilbetrieb zudem auf kurzem Wege von Pflegediensten und anderen Einrichtungen aus dem Landkreis und der unmittelbaren Umgebung. 

Ebenso gehören bereits zwei große Unternehmen in Oderwitz und Zittau zu Daminos Kunden, die Atemschutzmasken für ihre Mitarbeiter bestellten. Das Schokoladen-Unternehmen Riegelein beispielsweise möchte 1.000 Stück. 

Dirk Ladenberger weiß, wie ernst die Lage ist und prüft ständig, wie die Produktion erhöht werden könnte. "Heute morgen hat mich ein Arzt aus Reichenbach angerufen, ob wir ihm ein paar Atemschutzmasken schicken könnten, sonst muss er seine Praxis schließen. Na klar helfen wir ihm", erzählt er. Der Arzt bekommt natürlich sofort welche.  Wegen der großen Nachfrage ist ein Werksverkauf aber noch nicht möglich.

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