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Dresden

Corona: Dank für Dresdner Busfahrer

Das war eine Überraschung für Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe: Sie bekamen ein Geschenk von einer Firma, die selbst unter der Krise leidet.

Ein Dankeschön für den seine Arbeit hat Busfahrer Jens Sander von der Stollenbäckerinnung bekommen. Andreas Wippler bracht ihm eine Frühstückstüte
Ein Dankeschön für den seine Arbeit hat Busfahrer Jens Sander von der Stollenbäckerinnung bekommen. Andreas Wippler bracht ihm eine Frühstückstüte © Sven Ellger

Dresden. Die Szene wirkt wie aus einem Kriminalfilm. Ringsum niemand, nur ein paar Autos fahren auf der Straße vorbei. Der riesige Parkplatz ist leer, zwei gelbe Busse stehen am Rand. Sonst tut sich nichts, sieht man von der Handvoll Menschen ab, die sich dort gerade treffen. Zwei davon tragen weiße Bäckerkleidung mit den passenden Mützen dazu, einer einen Anzug mit weinroter Jacke. Die Bäcker stellen eine Tüte ab, als sie weg sind, greift der Mann in der weinroten Jacke zu.

Das Drehbuch zu diesem Film hat Andreas Wippler geschrieben, der Juniorchef der gleichnamigen Bäckerei. 200 Frühstückstüten haben er und seine Mitarbeiter in der Firma in Pillnitz gepackt - mit je einem belegten Brötchen, einem Apfel und einem Getränk. Der Mann in dem weinroten Jackett ist Jens Sander, 50, Busfahrer. „Wir backen das“ steht auf einem kreisrunden Aufkleber auf der Tüte, die er sich gegriffen hat, und ein echter Sachse versteht sofort: das ist doppeldeutig. 

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Andreas Wippler spricht für die Stollenbäckerinnung. Er erklärt: „Wir wollen ein Zeichen setzen fürs Handwerk und für die, die vor Ort den Laden am Laufen halten.“ Damit meint er seine Mitarbeiter, die jetzt trotz geschlossener Cafes über die Runden kommen müssen. Damit meint er auch die Fahrer der Verkehrsbetriebe, die an der Endstation in Pillnitz in Sichtweite der Bäckerei Pause machen und deren Kollegen in den Bussen und Straßenbahnen. 200 Frühstückstüten haben die Wippler-Leute für die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) an diesem Donnerstag gepackt. Dabei wurden sie vom Obsthof Rüdiger unterstützt, die eigenartige Szenerie auf dem Parkplatz in Pillnitz ist der Übergabe der Pakete an die DVB gewidmet.

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Auch Lars Seiffert, Arbeitsvorstand der Verkehrsbetriebe, ist nach Pillnitz gekommen. „Wir bringen uns die Kundschaft gegenseitig nah“, sagt er mit Blick auf die Endhaltestelle und Wipplers Bäckerei um die Ecke und bedankt sich im Namen der 200 Fahrer, die wenig später eine der Bäckertüten bekommen, beim Juniorchef für die Aktion. Der Krankenstand bei den DVB sei nur ein wenig erhöht, sagt Seiffert, der bei dem Nahverkehrsunternehmen unter anderem fürs Personal zuständig ist, „wie in Grippezeiten“. Nein, einen Coronafall gebe es noch nicht.

Jens Sander ist einer der DVB-Fahrer, die an diesem Tag eine Gratis-Frühstückstüte aus Pillnitz bekommen. Er war zur rechten Zeit am rechten Ort. Gerade als Andreas Wippler auf dem leeren Parkplatz an der Endhaltestelle an die DVB-Verantwortlichen lieferte, bog er mit seinem Ziehharmonikabus um die Ecke - Pause an der Endstation. Da kam ihm das Frühstück gerade recht. „Es fühlt sich sicher an“, sagt er zu der erst wenige Tage alten Regelung, dass die erste Bustür nicht mehr geöffnet wird und eine rot-weiße Kette hinter der ersten Sitzreihe den direkten Kontakt der Fahrgäste zu ihm verhindert. „Die Kunden richten sich drauf ein“, beschreibt er die Fahrgast-Reaktionen darauf, dass er nun auch keine Fahrscheine mehr verkaufen darf.

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Der 50-Jährige arbeitet trotz des grassierenden Coronavirus weiter wie zuvor. Das gilt auch für die Frau des Busfahrers. Sie ist noch näher dran als Jens Sander, der immerhin eine geschlossene Tür und eine Kette im passenden Abstand hat, um sich bei der Arbeit vor Corona zu schützen. Seine Frau muss dichter ran. Sie arbeitet im Gesundheitswesen, sagt er und fährt wieder los mit der 63, einer der längsten Buslinien der Stadt.

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