merken
PLUS Dresden

Demo auf dem Dresdner Theaterplatz

Künstler und Gastronomen wollen erneut auf ihre schwierige Situation in der Corona-Krise aufmerksam machen. Wer alles dabei ist.

Künstler und Gastronomen wollen erneut auf ihre schwierige Situation in der Corona-Krise aufmerksam machen.
Künstler und Gastronomen wollen erneut auf ihre schwierige Situation in der Corona-Krise aufmerksam machen. © Sven Ellger

Dresden. Die Corona-Krise hat die Gastronomen und die Künstler in Dresden hart getroffen. Am Freitagvormittag haben sie einmal mehr auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Ein 500 Meter langer Lkw-Korso aus über 30 Fahrzeugen der Event- und Gastrobranche fuhr gegen 10.30 Uhr zur Semperoper Dresden. Kilian Forster, einer der Veranstalter, rechnete mit 1.000 Teilnehmern.  Und ungefähr so viele Teilnehmer kamen auch. 

Hagen Stieglitz von Schröder Event GmbH erzählt, dass sie dieses Jahr mit 50 Prozent weniger Umsatz rechnen. Konkret mit 1,5 statt drei Millionen Euro. Sie wollten unter anderem den Neustädter Frühling auf der Hauptstraße machen. Derzeit sei  alles gestrichen. "Die Probleme sind vor allem die Abstandsregeln und die Vorgabe, nicht mehr als 1.000 Besucher", sagt er. Beim Stadtfest, das die Agentur von frank Schröder ebenfalls veranstaltet, soll Ende Juni entschieden werden, ob es stattfindet. 

Anzeige
Energisch zum Traumberuf
Energisch zum Traumberuf

Junge Menschen aufgepasst: Der ENSO-Ausbildungstag am 10. Oktober startet den eigenen Karrieremotor - jetzt auch digital!

Auch Politiker waren da. Der CDU-Ladtagsabgeordnete Lars Rohwer sagte, er ist aus Solidarität hier. Immer neue Hilfen seien aber nicht der richtige Weg. Die Kultur- und Eventbranche müsse wieder Umsätze machen können. Der Unternehmerlohn sei noch nicht vom Tisch. "Wir diskutieren da mehrere Optionen. Die weiteren Lockerungen ab morgen werden einiges möglich machen, damit die Branche wieder Umsätze machen kann", so Rohwer. 

Steffen Schmidt, Mitinitiator der „leeren Stühle“ betonte: Es sei eine Enttäuschung für die Branche, dass die Überbrückungshilfen vom Bund nur für Juni bis August gelten. Er fragt: Sollen ab September alle Veranstalter in Insolvenz gehen? Die Umsatzsteuersenkung für ein halbes Jahr helfe nicht und sei ein Bürokratiemonster. "Es wird einfach auf Hartz IV verwiesen, wir hatten auf einen kleinen Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten gehofft. Ich verstehe die Politik überhaupt nicht." Was denn der Freistaats tue, fragte er.

Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) antwortete: "Wir sind hier, weil auch wir wollen, dass die Stuhle nicht leer bleiben. Das Glas ist halbvoll. Ich bin froh, dass vom Bund eine Milliarde Euro für die Kultur bereitgestellt wird". Aber sie hätte sich gewünscht, dass die Unterstützung nicht nur bis zum 31. August gesichert ist, sondern bis Jahresende. "Als Land wollen wir nächste Woche ein Paket über 50 Millionen Euro für die Branche beschließen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, die Bühnen wieder zu bespielen. Aber das Virus ist nicht weg, es müssen Regeln eingehalten werden."

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Veranstalter und Theaterbetreiber gemeinsam mit Bühnenbauern, Licht- und Tontechnikern, Messebauern, Eventagenturen, Eventcaterern, Betreibern von Partylocations, Barbesitzern, Schauspielern und Musikern wiesen auf die dramatische Situation der Branche hin.

Erstmals fanden sich vor einer großen Bühne alle zusammen; die Initiative SOS for Culture ist ebenso engagiert dabei wie die Initiativen "Stumme Künstler", "Leere Stühle" und das City Management Dresden. Sie verbindet die Forderung nach Absicherung der Unternehmen und Solo-Selbstständigen.

"Wir sollten überlegen, ob wir einen Fernsehturm für 26 Millionen Euro und eine Robotron-Kantine für 13 Millionen Euro brauchen", so Konzert-Veranstalter Rodney Aust. Die Stadt könne der Branche jetzt helfen und müsse dafür gar nicht viel Geld einsetzen. "Wir fordern von der Stadt, geben Sie uns die lange Leine, wir geben Ihnen das mit Events zurück.

Aust nannte beispielsweise einen Gebührenerlass für Sondernutzung, Platz für Plakatierung und einiges mehr. Das koste die Stadt nicht viel, würde den Veranstaltern aber helfen. "Wir geben das zurück." Ein Club-Vertreter sagte für diese Sparte. "Wir sind komplett im Arsch." Die Discos wurden zuerst geschlossen und es gibt keine Perspektive, wann sie wieder öffnen dürfen.

Immerhin sind nun wieder kleine Konzerte und andere Kulturveranstaltungen mit bis zu 1.000 Teilnehmern möglich. 

Mehr zum Coronavirus:

Weiterführende Artikel

Warum Döbelns Theater rot leuchtet

Warum Döbelns Theater rot leuchtet

Am Montagabend soll eine Protestaktion mit Licht starten. Unterdessen geht es in der Kultureinrichtung wieder los - mit Einschränkungen.

Von „Freu... Göt... Toch“ erklang nur jede vierte Silbe

Von „Freu... Göt... Toch“ erklang nur jede vierte Silbe

Wieder demonstrierten freie Künstler für Hilfe von Land und Bund. Sachsens Ministerpräsident kündigte Unterstützung an – die aber nicht unendlich sei.

Künstler demonstrieren für Corona-Hilfe

Künstler demonstrieren für Corona-Hilfe

Vor dem Finanzministerium in Dresden haben sie sich am Mittwoch aufgebaut. Sie haben schlimmste Befürchtungen - und konkrete Forderungen.

Corona: Leere Stühle auf Dresdner Altmarkt

Corona: Leere Stühle auf Dresdner Altmarkt

Wieder haben Gastronomen und Hoteliers in Dresden auf die schwierige Lage des Gastgewerbes aufmerksam gemacht. Was sie fordern und was Martin Dulig dazu sagt.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden