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Die Jagd nach Dresdens Klopapier

Trotz Kaufbegrenzungen sind die Regale in den Märkten leer. SZ-Redakteur Henry Berndt versucht trotzdem, sich irgendwie noch eine Rolle zu sichern. So schafft er es.

Leere, wohin man schaut: Toilettenpapier gibt es in Dresden derzeit kaum zu kaufen.
Leere, wohin man schaut: Toilettenpapier gibt es in Dresden derzeit kaum zu kaufen. © privat

Dresden. Das Leben da draußen scheint noch ziemlich normal zu laufen. Die Menschen in Dresden spazieren durch die Straßen, gehen einkaufen und bringen ihre Pfandflaschen weg, als ob nichts wäre. Mit Lebensmitteln sind wir zu Hause ganz gut eingedeckt, nur Toilettenpapier steht für heute auf meiner Einkaufsliste. Normalerweise ist das ein schneller Griff, in Zeiten der Corona-Krise allerdings ein wahres Abenteuer.

Noch ist nicht bewiesen, warum in Deutschland ausgerechnet Klopapier scheinbar zur essentiellen Krisenvorsorge dient und stapelweise zu Hause gehortet werden muss. Hätte vor zwei Wochen jemand gerufen: Die Schlagsahne wird knapp! Vielleicht hätten jetzt alle die Schränke voller Schlagsahne.

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Fakt ist: Wegen all dieser Hamsterkäufer kann ich jetzt meine dringend benötigten sieben Packungen Toilettenpapier nicht mehr erwerben - und meine Familie wartet vergeblich zu Hause am Fenster. Aber so einfach gebe ich mich nicht geschlagen und beschließe am Dienstagvormittag: Ich werde sie suchen und finden, die letzte Rolle Klopapier in Dresden.

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Der Netto um die Ecke habe ich gerade schon mit leeren Händen verlassen. Jetzt fahre ich Richtung Friedrichstadt und steuere den Penny-Markt an, aber auch dort herrscht gähnende Leere im Papierregal. Natürlich sind auch sämtliche Küchenrollen ausverkauft. Wen interessiert in der Not noch das Format?

Dasselbe Bild wenige Hundert Meter weiter im Lidl. Hier haben die Mitarbeiter schon reagiert und die restlichen Waren so geschickt verteilt, dass es nicht mehr so leer aussieht. Dem Kunden nützt das letztlich wenig. Er muss nur etwas länger vergeblich suchen.

Wann denn neues Toilettenpapier kommt, fragt eine Frau mit kleiner Tochter an der Kasse. "Heute auf keinen Fall. Vielleicht morgen", erfährt sie von der Kassiererin und antwortet: "Da wird man dafür bestraft, dass man nicht hamstert."

Eine andere Kundin in der Schlange gibt ihr noch einen Tipp mit auf den Weg: Bei Rossmann in Löbtau soll es noch was geben. Dort werde der Verkauf pro Person ja begrenzt. Da werde ich natürlich hellhörig und mache mich eilig auf den Weg in Richtung Kesselsdorfer Straße.

Und tatsächlich: Im Rossmann hängt ein Zettel, der sagt, dass die Abgabe von Toilettenpapier auf zwei Packungen pro Kunden begrenzt ist und die Interessenten doch bitte auf eine "unnötige Bevorratung" verzichten sollten. Das Problem: Die Regale sind trotzdem leer. Eine ältere Frau steht eine Weile regungslos im Gang und sagt dann durchaus passend: "Scheiße."

Begrenzung mit begrenztem Erfolg: Auch im Rossmann gibt es kein Toilettenpapier.
Begrenzung mit begrenztem Erfolg: Auch im Rossmann gibt es kein Toilettenpapier. © Henry Berndt

Vielleicht habe ich ja gegenüber im DM-Markt in der Löbtau-Passage Glück? Nein, auch hier ist keine einzige Rolle mehr zu holen. So langsam verzweifle ich an meiner Tagesaufgabe, doch dann kommt mir ein geradezu genialer Gedanke: Auch in der größten (eingebildeten) Versorgungskrise wird doch der Dresdner noch an seine Sparsamkeit denken!

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Also mache ich mich auf den Weg in den nächsten Biomarkt, den Nahrungsquell in Plauen. Ich erinnere mich, dass es dort auch einen kleinen Drogerie-Bereich gibt. Geradezu triumphierend ziehe ich in den Markt ein und sehe meine Beute schon von Weitem im Regal leuchten. 

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Da ist das Ding! Stolz präsentiert SZ-Redakteur Henry Berndt seine Beute.
Da ist das Ding! Stolz präsentiert SZ-Redakteur Henry Berndt seine Beute. © Henry Berndt

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