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Döbeln

Wie Döbeln jetzt zusammenhält

Riesige Solidarität haben die Menschen bei zwei verheerenden Fluten bewiesen. Auch jetzt stecken die Döbelner nicht den Kopf in den Sand.

Vor der Apotheke an der Oberbrücke hat Sven Weißflog ein Banner angebracht, das den Döbelnern Mut machen soll. Foto: Dietmar Thomas
Vor der Apotheke an der Oberbrücke hat Sven Weißflog ein Banner angebracht, das den Döbelnern Mut machen soll. Foto: Dietmar Thomas © Dietmar Thomas

Auch in Mittelsachsen wird sich die Lage weiter verschärfen. Deshalb hatte Henning Homann schon am Freitag begonnen, ein Helfernetzwerk aufzubauen. "Inzwischen haben sich bereits etwa zehn Personen bei mir gemeldet und ihre Mitarbeiter angeboten", sagt der mittelsächsische SPD-Kreischef. Unterstützen sollen sie wegen der eingeschränkten Ausgangsmöglichkeiten vor allem ältere und kranke Menschen.

Vorlesen via Skype

Besonders freut es Homann, "dass sich potenzielle Helfer gemeldet haben, die nicht zu den üblichen gehören. Denn meist sind es dies selben, die solchen Aufrufen folgen". So habe eine junge Frau mitgeteilt, dass sie schon länger überlege, wie sie Unterstützung leisten kann und froh darüber sei, dass es das Netzwerk gebe. Eine andere habe vorgeschlagen, via Skype vorzulesen. Diese positiven Signale stimmen Homann zuversichtlich, dass Döbeln zusammensteht.  

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Netzwerk noch im Aufbau

Viele würden sich in der Familie oder in den Hausgemeinschaften unterstützen, so der SPD-Mann. "Doch es gibt es kranke und ältere Menschen, die allein sind oder deren Verwandte weit weg wohnen. An sie richtet sich unser Angebot", so Homann. Wer sich an der "Döbelner Nachbarschaftshilfe" beteiligen oder diese in Anspruch nehmen will, kann sich unter Tel. 0174 8985121 oder per E-Mal an [email protected] wenden.  

Rote Herzen und Musik

​Gleich als sie die Aktion „Ein Herz zu Zeiten von Corona“ über Facebook erfuhr, hat sich die Döbelnerin Petra Schlehahn gleich an den Basteltisch gesetzt. In ihrem Fenster in Döbeln Nord hängen schon selbst gebastelte rote Herzen. „Als Symbol, dass wir die Krise gemeinsam überstehen werden. Aber auch als Dankeschön für alle, die jetzt besonders gefordert sind von Ärzten und Pflegern bis hin zur Kassiererin im Supermarkt“, so die Döbelnerin. Inzwischen hat sie auch schon weitere rote Herzen in der Stadt gesehen wie zum Beispiel an der Ziegelstraße und am Körnerplatz.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Ihre Herzen hat Petra Schlehahn schon am Freitag angefertigt. Nun braucht sie selbst Hilfe, denn sie liegt im Krankenhaus wegen Herzproblemen. Und sie ist froh, dass sich die Ärzte und Schwestern im Döbelner Klinikum gut um sie kümmern. „Auch für sie sind die roten Herzen gedacht“, sagt die Rentnerin und hofft, dass sich möglichst viele anschließen.

Gemeinschaft stärken

„Gemeinsam gegen einsam. Döbeln hält zusammen“ – Das steht auf einem großen Banner, das Sven Weißflog vor der Apotheke an der Oberbrücke angebracht hat. „Erst vor einer Woche hatte im Ritterstraßenviertel der Modeladen Soultrip eröffnet. Und jetzt soll schon wieder Schluss sein? Da kam mir die Idee, den Menschen Mut zu machen“, so der Unternehmer und Stadtrat. Es sei ein bisschen wie nach dem Hochwasser: „Wir müssen uns Mut machen und dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken“, so Weißflog. Der Spruch auf dem Banner sei bei einer Ideensammlung im Ritterstraßenviertel entstanden. „Vielleicht hänge ich ja jede Woche ein neues Banner auf“, überlegt Sven Weißflog. Damit möchte er den Passanten und Vorbeifahrenden ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Petra Schlehahn aus Döbeln Nord hat ein rotes Herz gebastelt, das in ihrem Fenster hängt. Es soll für Zusammenhalt stehen, aber auch ein Dankeschön sein. Foto: Dietmar Thomas
Petra Schlehahn aus Döbeln Nord hat ein rotes Herz gebastelt, das in ihrem Fenster hängt. Es soll für Zusammenhalt stehen, aber auch ein Dankeschön sein. Foto: Dietmar Thomas © Dietmar Thomas

Singen auf dem Balkon

Einige Döbelner wie Hagen und Susann Kunze und Peter Köhler haben sich am Sonntagabend auch der Aktion der Musiker angeschlossen, die im ganzen Land um 18 Uhr zusammen die „Ode an die Freude“ darboten. Auch das ist ein Dankeschön an alle, die in Krisenzeiten im Einsatz sind.

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