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Dresdner Corona-Baby: So dramatisch war es

Das Neugeborene hatte hohes Fieber und musste tagelang behandelt werden. Steckte es sich bereits im Mutterleib an? So kämpften die Ärzte um sein Leben.

Das Neugeborene fieberte hoch und musste tagelang behandelt werden. So kämpften die Ärzte um das Leben des Kindes.
Das Neugeborene fieberte hoch und musste tagelang behandelt werden. So kämpften die Ärzte um das Leben des Kindes. © dpa/Julian Stratenschulte (Symbolfoto)

Dresden. Sie sind alt und sie haben Vorerkrankungen. So das gängige Klischee über Covid-19-Kranke. In vielen Fällen stimmt das auch, aber es erkranken durchaus aus junge Menschen ohne Vorerkrankungen an der schweren Krankheit. So mussten die Ärzte am städtischen Klinikum Dresden sogar ein Neugeborenes behandeln.

Die Mutter des Babys, ihren Namen will sie lieber für sich behalten, hatte während der Geburt leicht erhöhte Temperatur. Das ist nicht ungewöhnlich. Am 24. März bringt sie ihr kleines Mädchen im Diakonissenkrankenhaus auf die Welt – zunächst, wie es scheint, völlig gesund. Die beiden beziehen ein Patientenzimmer auf der Wochenstation Dresden. Sie lernen sich kennen, kuscheln und die Mutter stillt die Kleine. Sie freuen sich darauf, bald nach Hause können. 

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Dort wartet der frisch gebackene Vater. Bei der Geburt durfte er dabei sein, Besucher sind auf der Wochenstation aufgrund der Corona-Pandemie zu dieser Zeit aber nicht mehr erlaubt. Plötzlich, am zweiten Lebenstag, bekommt das kleine Mädchen Fieber, das Thermometer zeigt 38 Grad und höher.

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Für die Kinderärzte am Diako ist das ein Alarmzeichen. Außerdem weint das Baby viel, nahezu schrill. Die Kinderärzte gehen von einer bakteriellen Infektion aus und nehmen Blut ab. Es zeigen sich erhöhte Entzündungswerte. "Zunächst ist das nicht ungewöhnlich, da ein Säugling im Geburtskanal Kontakt zu diversen Keimen hat und eine Infektion möglich ist", erklärt Dr. Anna Treptow, die die Neonatologie am Diako leitet und aufgrund einer Kooperation beider Kliniken zugleich als Oberärztin am städtischen Klinikum Dresden tätig ist. Das Mädchen erhält daher Antibiotika. Unter dieser Therapie erholen sich Babys innerhalb einiger Tage meist rasch. Doch das Fieber steigt weiter. 

Die Ärzte vermuten eine Hirnhautentzündung, haben Sorge, dass der Keim die Hirnschranke überwunden hat. Eine Hirnwasserpunktion soll Klarheit bringen, kann aber nur in spezialisierten Kinderkliniken durchgeführt werden. Daher wird das Neugeborene Hannah in der Nacht vom 26. auf den 27. März auf die Kinderintensivstation des städtischen Klinikums Dresden am Standort Neustadt verlegt – die Kliniken kooperieren seit vielen Jahren bei der Versorgung von Neugeborenen, berichtet Viviane Piffczyk, Sprecherin des städtischen Klinikums. . 

Der begleitende Kindernotarzt Dr. Norbert Lorenz erfährt im Gespräch mit der Mutter, dass sie eine Woche vor der Geburt einen Atemwegsinfekt mit Schnupfen, Husten und Halsschmerz hatte, etwa vier Tage vor dem Geburtstermin einen veränderten Geruchs- und Geschmackssinn. Er vermutet eine Ansteckung mit Corona.

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Gleich nach der Ankunft im Krankenhaus wird die Mutter getestet. "Nach der aktuellen Datenlage zu diesem Erreger ist es unwahrscheinlich, dass sich das Neugeborene so rasch nach der Geburt angesteckt hat", so die Sprecherin. Für gewöhnlich seinen Infektionen, die ein Neugeborenes innerhalb der ersten 72 Stunden entwickelt, bereits während der Schwangerschaft oder unter der Geburt erworben worden. 

Bei dem Baby wird eine Hirnwasserpunktion durchgeführt, um den Verdacht einer Hirnhautentzündung abzuklären. Die Ergebnisse sind unauffällig. Das Testergebnis der Mutter auf Corona ist aber positiv. Sie muss die Klinik deshalb verlassen und  in häusliche Quarantäne. Auch das Baby wird nun positiv getestet. 

Ein Röntgenbild der Lunge des Mädchens ist anfangs ohne Zeichen einer Lungenentzündung. Dennoch muss der Säugling kämpfen: Die Sauerstoffsättigung schwankt und das Baby bekommt eine Atemunterstützung. Sein Zustand schwankt sehr. Ein Röntgenbild Anfang April zeigt deutliche Anzeichen einer viralen Lungenentzündung. 

Nun verschlechtert sich der Zustand erneut: niedrige Atemfrequenz bis hin zu Atemaussetzern. Eine Koffeintherapie schlägt schließlich an und am 7. April kann die Kleine in einem stabilen Allgemeinzustand entlassen werden. Ihr Abstrich zu diesem Zeitpunkt ist immer noch positiv. Bis jetzt ist unklar, wie sich das Mädchen letztlich angesteckt hat, so die Sprecherin. 

Heute wird jede Schwangere und Begleitperson vor der Entbindung nach Symptomen abgefragt und bei Verdacht getestet, zum Zeitpunkt der Entbindung befanden sich diese Abläufe im Diakonissenkrankenhaus noch im Aufbau.

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