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Corona: Flüchtlinge nähen Atemmasken

Am Anfang stand ein Nähkurs des Vereins Afropa. Nun produzieren afghanische Frauen und ein Mann in Dresden seit zwei Wochen ehrenamtlich Baumwollmasken.

Das Afropa-Nähteam, hier Suma Haidari, fertigt seit zwei Wochen Atemmasken an.
Das Afropa-Nähteam, hier Suma Haidari, fertigt seit zwei Wochen Atemmasken an. © privat

Dresden. Normalerweise treffen sich die Frauen aus Afghanistan regelmäßig im Dresdner „Weltclub“, um gemeinsam zu nähen. Doch auch das ist unter den eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten im Zuge der Corona-Krise nicht mehr möglich. Die Frauen haben jedoch aus der Not eine Tugend gemacht. Sie nähen weiter, statt Wandteppichen und Hemden entsteht jetzt allerdings Krisenware: Nase-Mund- beziehungsweise Atemmasken.

Die Produktion findet natürlich in Heimarbeit statt, denn der Weltclub ist geschlossen. Das interkulturelle Stadtteilzentrum in der Königsbrücker Straße wird vom Afropa e.V. betrieben. Ehrenamtlicher Geschäftsführer ist Andreas Hempel. Der organisiert nun den Nachschub für die nähenden Heimwerker. „Erst haben wir Bettlaken genommen“, sagt er, das ginge auch. Wichtig sei ein Baumwollstoff, den man problemlos waschen könne. Die Masken sollen schließlich wiederverwendbar sein. Auch Hempel, so scheint es, hat sich in den vergangenen zwei Wochen zum Experten für Schutzkleidung entwickelt.

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Nach den ersten vernähten Laken hat Andreas Hempel Baumwollstoff bei Silke Großmann, der Inhaberin vom Malu Nähcafé in der Louisenstraße, organisiert. Die Produktion der Masken ist auch in der Lagerhaltung bemerkbar. „Zurzeit sind die Gummibänder aus“, sagt Hempel. Mit den Gummis werden die Masken an den Ohren befestigt.

Nähmaschinen gekauft

Hempel berichtet, wie die Idee in der Nähgruppe entstanden ist. Das Tagescafe im Weltclub habe sich zu einer beliebten Anlaufstelle entwickelt. Doch mit der Schließung des Hauses hätten viele nach dem „Wie weiter?“ gefragt. So kam dann das Gespräch auf die Mund-Nase-Masken, die überall zu fehlen schienen. „Wir hatten einen gelernten Schneider in der Gruppe, der auch mitnäht“, so Hempel. Sie hätten sich Schnittmuster und Nähanleitungen im Internet besorgt, Nähmaschinen für die Frauen organisiert. Darüber hinaus habe der Verein auch zwei Geräte gekauft. Nun seien sieben Maschinen im Einsatz. Sieben Frauen und ein Mann nähen regelmäßig Masken. Natürlich freue er sich auch über Spenden von Stoff, Material und Maschinen.

Auch Torpeke Mohmmde ist Teil des Schneiderteams. 
Auch Torpeke Mohmmde ist Teil des Schneiderteams.  © privat

„Es ist schön“, sagt eine der afghanischen Näherinnen. "Wir machen das schon seit zwei Wochen.“ Dresdens frühere Ausländerbeauftragte Marita Schieferdecker-Adolph betreut seit einem guten Jahr die afghanischen Frauen im Weltclub. Sie seien selbstbewusst, es werde viel getanzt und geredet, berichtet Schieferdecker-Adolph. Sie veranstalte Kurse, etwa mit politischen und medizinischen Themen für die Flüchtlinge. Alle seien sehr daran interessiert, Dresden kennen zu lernen. Ein guter Anknüpfungspunkt dafür sei etwa das Bild des bombardierten Dresdens – der Eindruck der brennenden Stadt helfe dabei, nun eine Beziehung aufzubauen. Die älteren Frauen wollen auch etwas gegen ihren Analphabetismus unternehmen.

Erste Masken für die Klinik

Schieferdecker-Adolph spricht von weltoffenen, interessierten Flüchtlingen, die sich zusammengefunden hätten. „Ganz ehrlich, das muss ich jetzt einmal sagen: Ich habe sehr viel von diesen Frauen gelernt.“ Auch unter eingeschränkten Möglichkeiten, sich persönlich zu begegnen, gebe es viel zu tun. Die Abstimmungen liefen nun wie überall auch über Telefon, Homeoffice und Videokonferenzen. Der Afropa-Vorsitzende Emiliano Chaimite, der als Krankenpfleger im Friedrichstädter Krankenhaus arbeitet, habe dort am Wochenende rund 150 Masken abgegeben. Diese Woche sei eine weitere Lieferung an die Uniklinik geplant.

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Die Verteilung der selbst genähten Masken läuft über die privaten Kontakte. In der Landeshauptstadt gibt es keine organisierte Verteilung der knappen Schutzausrüstung. Das Rathaus selbst ruft alle ehrenamtlichen Spender und Näher auf, ihr Nähwerk bei den Wachen der Feuerwehr abzugeben. „Die Kameraden der Feuerwehr nutzen die Masken gern“, sagt eine Stadtsprecherin.

Mohmand Rohullah ist Teamleiter und Flüchtlingsbegleiter bei Afropa. Er sorgt dafür, dass die NÄher immer genügend Material haben. 
Mohmand Rohullah ist Teamleiter und Flüchtlingsbegleiter bei Afropa. Er sorgt dafür, dass die NÄher immer genügend Material haben.  © privat

Mohmand Rohullah ist Teamleiter und Flüchtlingsbegleiter bei Afropa und einer der Helfer im Hintergrund, die dafür sorgen, dass die Näher ausreichend Material bekommen. „Hauptsache, wir können helfen“, sagt er, „alle brauchen diese Masken.“ Neben den Afghanen stiegen nun auch andere in die ehrenamtliche Maskenproduktion ein. Gut organisiert sei etwa eine Gruppe Vietnamesen. „Die nähen wie die Weltmeister“, sagte Marieta Schieferdecker-Adolph. 

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