merken
PLUS Dresden

„Mütter, ihr müsst keine Angst haben“

Im Krankenhaus entbinden und sich dabei mit Corona infizieren? Eine Dresdner Hebamme erklärt, was man etwa im Neustädter Krankenhaus dagegen tut.

Hebamme Claudia Pergande sorgt im Krankenhaus Neustadt für das Wohl von Müttern und Kindern, auch in Corona-Zeiten.
Hebamme Claudia Pergande sorgt im Krankenhaus Neustadt für das Wohl von Müttern und Kindern, auch in Corona-Zeiten. © Sven Ellger

Dresden. Schwangere hatten es in den vergangenen Wochen nicht einfach: Geburtsvorbereitungskurse fanden über das Internet statt, ihre Männer sahen sie im Kreißsaal nur mit Mundschutz und auf der Wochenstation galt Besuchsverbot. Allein im Neustädter Krankenhaus brachten in der Corona-Krise mehr als 300 Frauen ihre Kinder zur Welt. Doch manche zukünftigen Mütter trauten und trauen sich offenbar nicht ins Krankenhaus. Aus Angst, sie könnten sich dort mit dem Coronavirus infizieren. Ärzte und Hebammen bereitet das ziemliche Sorgen.

Ja, es passiere immer mal wieder, dass sich Mütter zur Geburt anmelden und doch nicht kommen, wenn es soweit ist, sagt der Chefarzt der Geburtshilfe in Neustadt, Udo Nitschke. Die Frauen entbinden dann kurzfristig in einem anderen Klinikum. Das war auch vor Corona schon so – nichts Ungewöhnliches. Im März habe es aber einen deutlicheren Knick gegeben, berichtet Nitschke. Möglicherweise brachten die Mütter ihre Kinder zu Hause oder in einer Praxis zur Welt.

Anzeige
Sicherheit hat immer Konjunktur
Sicherheit hat immer Konjunktur

Schon mal an eine Ausbildung in der Security- und Werttransportbranche gedacht? Interessante Perspektiven gibt es hier:

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Untersuchungen vor der Entbindung nicht sausen lassen

Dabei könne es gerade bei Risikoschwangerschaften gefährlich werden, nicht im Krankenhaus zu entbinden. Wie das Universitätsklinikum gehört das Neustädter Krankenhaus zu den Einrichtungen in Dresden, die sich auf Risikoschwangerschaften spezialisiert haben. Beide sind Anlaufstellen für Mehrlingsschwangerschaften, Babys in Steißlage, oder Mütter mit Risikofaktoren wie Diabetes. Die Wahrscheinlichkeit, jederzeit von einer natürlichen Geburt zu einem Kaiserschnitt wechseln oder das Kind nach der Geburt beatmen zu müssen, ist bei solchen Schwangerschaften höher. Deshalb appelliert Udo Nitschke, das Krankenhaus nicht zu meiden. Auch nicht für die so wichtigen Untersuchungen vor der Entbindung.

Denn Grund zur Angst bestehe nicht, erklärt die Leitende Hebamme, Claudia Pergande. Die Neustädter Geburtshilfe verfüge über einen separaten Eingang. Außerdem durchlaufen Mütter und Väter ein Screening, bevor sie in den Kreißsaal dürfen. Anhand eines Fragebogens und einer Temperaturmessung wird eingeschätzt, ob sie als Corona-Verdachtsfälle eingestuft werden. Kann eine Infektion nicht ausgeschlossen werden, bringt sie die Hebamme in einen abgetrennten Kreißsaal. „Einen, der genauso wunderschön eingerichtet ist“, sagt Claudia Pergande. Diese Trennung – ein Kreißsaal für Verdachtsfälle und einer für alle anderen – soll Ängste ausräumen, sich anzustecken. Tatsächlich wurde der separate Kreißsaal schon genutzt. Im Nachhinein hätten sich aber alle Verdachtsfälle als Fehlalarm herausgestellt.

Mehr zum Coronavirus:

Was viele Mütter ebenfalls beruhigen dürfte: Das strikte Besuchsverbot auf der Wochenstation gilt nicht mehr. In Neustadt dürfen Väter einmal am Tag für zwei Stunden bei Frau und Kind vorbeischauen. Auch im Uniklinikum dürfen junge Familien wieder zusammen sein. Jede Patientin kann einen Besucher pro Tag empfangen, wobei weiterhin Abstands- und Hygieneregeln gelten. So wird darum gebeten, dass bei Zweibettzimmern nicht beide Patientinnen gleichzeitig Besuch empfangen. „Wir beobachten das Infektionsgeschehen sehr genau und entscheiden mit großer Sorgfalt, welche Maßnahmen zum Schutz der Patienten sowie der Mitarbeiter notwendig sind“, sagt der Medizinische Vorstand des Uniklinikums, Michael Albrecht. 

Besuche der Kreißsaal-Begleitperson auf der Wochenstation sind ebenfalls im St. Joseph-Stift sowie im Diakonissenkrankenhaus erlaubt, wo es dieselben Einlass-Screenings wie in Neustadt und im Uniklinikum gibt. "Wir setzen diese Bestimmungen zum Schutze der uns anvertrauten Menschen und unserer Mitarbeiter um und bitten um das Verständnis der jungen Eltern", sagt Victor Franke, Sprecher des Diakonissenkrankenhauses. 

„Wobei manche Mütter es durchaus genossen haben, dass keine Besucherscharen auf die Station kamen“, sagt Claudia Pergande. „Sie konnten sich sehr gut auf ihre Kinder konzentrieren.“

Die Bestimmungen gelten für werdende und frisch gebackene Eltern in den Dresdner Krankenhäusern:

Weiterführende Artikel

Hochschwanger durch die Corona-Krise

Hochschwanger durch die Corona-Krise

Ina Nowack aus Olbersdorf erwartet ihr siebentes Kind. Mit Freude - aber auch mit Sorgen und Angst.

Immer mehr Schwangere in Dresden nehmen Drogen

Immer mehr Schwangere in Dresden nehmen Drogen

Wenn die Mütter Crystal oder Heroin konsumieren, fügen sie den Babys lebenslangen Schaden zu. Trotzdem steigt die Zahl der Betroffenen in Dresden rasant.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden