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Hotels und Corona: Hoffen auf Gäste

Zu Pfingsten hat die Branche stets volle Häuser gehabt. Dieses Jahr ist wegen des Virus alles anders. Ein Blick in fünf Dresdner Hotels und eine Pension.

Die Hygieneregeln machen den Dresdner Hotels zu schaffen. Auch im Kempinski wären sie bei voller Auslastung kaum umsetz, sagt Generaldirektor Jens Marten Schwass.
Die Hygieneregeln machen den Dresdner Hotels zu schaffen. Auch im Kempinski wären sie bei voller Auslastung kaum umsetz, sagt Generaldirektor Jens Marten Schwass. © René Meinig

Dresden. Es ist das lange Wochenende, auf das Hotelbetreiber und Gastronomen auch in Dresden hoffen. Pfingsten soll möglichst viele Gäste nach Dresden bringen. Doch wie sind die Hotels eigentlich ausgebucht und wie zufrieden sind die Betreiber damit?

Aufgrund der Corona-Krise und der damit einhergehenden Schließung vieler Hotels  und fehlender Einnahmen kämpft die Branche derzeit ums Überleben. Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Beispiel aus dem Dresdner Osten: Dort hat ein Traditionshotel den Kampf bereits verloren. "Wir mussten aufgrund des Coronavirus das Hotel Smetana nach 26 Jahren schließen und werden leider nicht mehr öffnen", schreibt Familie Naderi auf der Internetseite des Hotels. Das Vier-Sterne-Haus an der Schlüterstraße in Gruna wurde seit seiner Eröffnung 1994 privat von einer Pragerin geführt - nun bedeutet Corona das Aus. 

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Seit 26 Jahren gehört das privat geführte Hotel Smetana an der Schlüterstraße zur Dresdner Hotellandschaft. Nun bleibt es aufgrund der Corona-Krise geschlossen.
Seit 26 Jahren gehört das privat geführte Hotel Smetana an der Schlüterstraße zur Dresdner Hotellandschaft. Nun bleibt es aufgrund der Corona-Krise geschlossen. © René Meinig

Andere Hoteliers hoffen nun auf viele Buchungen, um der drohenden Insolvenz zu entgehen. Das Dorint-Hotel auf der Grunaer Straße ist über Pfingsten zu rund 55 Prozent gebucht. "Sonst war das eines der besten Wochenenden des Jahres, wo fast alle Zimmer ausgebucht waren", sagt Michael Mollau, der Hotel-Direktor. Aber er ist froh, dass die Gäste überhaupt zurückkommen. Im Vorfeld habe es ein großes Auf und Ab gegeben, Stornierungen von langfristigen Buchungen, neue Buchungen, doch wieder Absagen. "Es herrschte große Unklarheit, wann wieder was geht", sagt Mollau.

"Besuch wie ein Klinikaufenthalt"

Diese Unsicherheit ist einem professionellen Hygienemanagement gewichen. "Momentan erinnert ein Besuch bei uns ein bisschen an einen Klinikaufenthalt", sagt Mollau mit einem Lächeln. Die Gäste müssten im Haus Masken tragen und auf die Markierungen auf den Fluren achten. Auch beim Betreten des Frühstücksraumes sind die Mund-Nase-Bedeckungen Pflicht. "Und es fehlt auch momentan der Wohlfühlfaktor. Das Schwimmbad ist geschlossen, es gibt keine Anwendungen und sich auf einen Drink an der Bar treffen, geht auch nicht", sagt Mollau. Er verstehe, dass Gäste dann lieber zu Hause bleiben. Hinzu komme, dass viele Menschen auch weniger Geld haben durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeitergeld.  

Auch die Hälfte seiner Belegschaft musste er in Kurzarbeit schicken. "Aber ich bin sehr dankbar, dass meine Mitarbeiter extrem motiviert sind und mitziehen." Die Reinigung der Zimmer, die vorher an fremde Firmen vergeben war, übernehmen die Hotelmitarbeiter jetzt selbst. "Der Hygieneaufwand ist enorm", sagt Mollau. Nach jeder Abreise würden die Zimmer mit Desinfektionsmittel vernebelt, ständig müssen Türgriffe und Treppenleisten desinfiziert werden. 

Doch die Kosten werden nicht dem Gast in Rechnung gestellt. "Dann kommt gar keiner mehr", ist der Direktor überzeugt. Für ihn ist wichtig, dass der Striezelmarkt dieses Jahr stattfindet. Denn der Monat Dezember ist einer der wichtigsten für die Hotelbranche. "Bei uns fanden zeitgleich viele Tagungen statt, weil die Firmen dies mit dem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt verbunden haben. Mal sehen, wie es dieses Jahr wird."

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Buffets sind verboten

Doch vorher kommt der Sommer, und auf den hofft Jens Marten Schwass. "Dresden hat so viel zu bieten, davon sollten wir profitieren, wenn sich die Deutschen dazu entschließen, vorerst verstärkt Urlaub im eigenen Land zu machen", sagt der Generaldirektor vom Hotel Taschenbergpalais Kempinski. Als am 15. Mai die Hotels wieder öffnen durften, checkte zunächst nur eine Handvoll Gäste in das Fünf-Sterne-Haus ein. "Aber über Pfingsten sind wir zwischen 40 und 50 Prozent ausgelastet." Sehr viel mehr gehe guten Gewissens auch nicht. "Wären all unsere 213 Zimmer voll belegt, hätten wir über 400 Gäste bei uns. Doch dann wäre das Abstand halten nicht mehr realistisch." 

Da Buffets verboten sind, servieren die Servicemitarbeiter auch das Frühstück am Tisch. Platz, um Tische separat zu stellen, ist im Taschenbergpalais genug. Umso mehr, wenn das Wetter endlich sommerlicher wäre. Volle Last fährt Jens Marten Schwass auch personell noch lange nicht. "Viele unserer Mitarbeiter sind nach wie vor in Kurzarbeit." Die Hälfte der Gäste braucht kein volles Team. Ob sich die Lage eher schnell oder langsam erholen wird? "Wir richten uns auf eine längere Phase ein", sagt der Hotelchef. Letztlich hänge das aber von den künftigen Corona-Bestimmungen, insbesondere bezogen auf Großveranstaltungen ab. 

Lichtblick: Längere Aufenthalte

Auf der anderen Elbseite haben die Verantwortlichen vom Bülow Palais und der dazugehörenden Residenz eine überraschende Beobachtung gemacht. "Die Gäste verlängern ihren Aufenthalt", sagt Jutta Rönsch, die für das Marketing in dem Haus verantwortlich ist. "Sie haben offensichtlich Zeit und sind ungebunden", sagt die Mitarbeiterin des Fünf-Sterne-Hauses mit insgesamt knapp 60 Zimmern und Suiten. "Das ist für unsere Gästeklientel ungewöhnlich." Denn dabei handelt es sich um Kundschaft, die sich Luxus leisten kann und will.

Zum Hygienekonzept gehört, dass stündlich desinfiziert wird, wo viele Menschen unterwegs sind. "Wir tragen so etwas wie Helme mit einem Plexiglasvisier", sagt Jutta Rönsch. Hoteldirektor Ralf Kutzner sei wichtig, dass die Gesichter der Mitarbeiter zu sehen sind. "Das kommt unheimlich gut an bei den Gästen, denn so kommt das Menschliche nicht zu kurz", hat die Marketingfrau beobachtet.

Knapp 40 Zimmer sind bisher zu Pfingsten vergeben, normal seien an diesem Wochenende 100 Prozent Auslastung. Mehr geht also noch, doch dann kommt das Personal zum Beispiel beim Frühstück an seine Grenzen. Seit dem 15. Mai sei offen und mit dem Himmelfahrtstag hätten die Mitarbeiter ein Wochenende erlebt, "wo wir ganz gut besucht waren", sagt Jutta Rösch. Es sei aber eine Herausforderung, das Frühstück für alle Gäste zuzubereiten, die sich vor Corona selbst am Buffet bedient haben. "Das wird alles auf den Punkt hergerichtet", sagt die Hotelmitarbeiterin, "da sind wir damals bei der Hälfte der Auslastung an unsere Grenzen gestoßen".

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"Hygieneabläufe gut im Griff"

In der Pension am Großen Garten haben Inhaberin Andrea Schmitt und ihre Mitarbeiter Pfingsten gut zu tun. Dank Sonderpreise sind gut 75 Prozent der Zimmer gebucht. "Aber ohne Preisanpassung wären weitaus weniger Besucher gekommen", ist Schmitt sicher. Auch sie musste im Vorfeld viele Stornierungen hinnehmen. "Vor allem, weil die Leute gar nicht genau wussten, was sie dürfen und was nicht." Die Beratung am Telefon habe enorm zugenommen. 

Seit 21. Mai ist die Pension wieder geöffnet. Stammgäste, aber auch neue kommen.  "Inzwischen haben wir die Hygieneabläufe gut im Griff. Das mussten sowohl Gäste als auch Mitarbeiter ja auch erst mal ausprobieren", sagt Andrea Schmitt. Alle seien sehr vernünftig und diszipliniert. "Schön, dass es wieder losgegangen ist."

Aufwand auf Dauer nicht zu stemmen

Johannes Lohmeyer, Chef des Dresdner Tourismusverbandes und selbst Hotelbetreiber, bestätigt, dass die Nachfrage in Dresdner Hotels gut sei, aber eben nicht so hoch wie sonst. Sein eigenes Hotel, das Best Western Macrander auf der Stauffenbergallee, sei über Pfingsten zwar voll ausgebucht, aber an Wochentagen derzeit oft nur zur Hälfte. Rückmeldungen von anderen Hoteliers zeigen, dass die Gäste in Dresden noch verhalten sind, aber sich die Lage zunehmend verbessert. 

Dresdens Tourismuschef Johannes Lohmeyer kritisiert die strengen Hygieneregeln in den Hotels: "Auf Dauer ist das nicht rentabel." Zudem seien die Gäste mit Buchungen noch verhalten.
Dresdens Tourismuschef Johannes Lohmeyer kritisiert die strengen Hygieneregeln in den Hotels: "Auf Dauer ist das nicht rentabel." Zudem seien die Gäste mit Buchungen noch verhalten. © Sven Ellger

Aber auch Lohmeyer verweist auf den enormen Aufwand, um den Hotelbetrieb unter Corona-Regeln am Laufen zu halten. "Der Aufwand ist doppelt so hoch wie sonst bei niedrigeren Preisen", sagt er etwa mit Blick auf das Frühstücksbuffet. "Auf Dauer ist das nicht rentabel." Er sehe die Auflagen kritisch und angesichts der Zahl von Corona-Infizierten unverhältnismäßig. "Dass die Gäste Abstand halten, ist ok. Dafür ist in den meisten Hotels auch genug Platz." Der Aufwand bei der Bewirtung oder der Reinigung der Zimmer sei auf Dauer nicht zu stemmen. Lohmeyer geht aber davon aus, dass es auch hier demnächst zu weiteren Lockerungen kommt. 

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