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Corona : "Ein Großteil der Patienten sind Männer"

Professor Michael Albrecht, medizinischer Vorstand am Dresdner Uniklinikum, spricht über Corona-Patienten, wer besonders gefährdet ist und Langzeitfolgen.

Professor Michael Albrecht, medizinischer Vorstand am Uniklinikum, über die Corona-Patienten.
Professor Michael Albrecht, medizinischer Vorstand am Uniklinikum, über die Corona-Patienten. ©  Archivbild: Christian Juppe

Professor Albrecht, seit vier Wochen ist die Corona-Ambulanz in Betrieb, welche Zwischenbilanz ziehen Sie?

Der Ansturm hat deutlich abgenommen. Kamen zu Beginn an manchen Tagen 480 Patienten, um sich testen zu lassen, sind es aktuell zwischen 70 bis 130 pro Tag. Davon waren in der vergangenen Woche etwa fünf bis zehn Menschen pro Tag positiv getestet, zuletzt auch nur ca. zwei am Tag. Was uns die Arbeit sehr erleichtert, ist unsere Zentrale Corona-Krankenhausleitstelle Dresden-Ostsachsen.

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Wie funktioniert diese genau?

Seit drei Wochen ist diese zentrale Plattform am Netz und koordiniert mittels eines Dashboards die Patientenverteilung in unserem Cluster. Hier sehen wir genau, wie die Lage in den 35 angeschlossenen Kliniken in ganz Ostsachsen ist. Wir überblicken, wie viele Patienten stationär behandelt werden und wie viele davon beatmet sind. Die Leitstelle ist 24 Stunden am Tag besetzt und arbeitet mit den angeschlossenen Kliniken, aber auch eng mit den Kräften aus dem Rettungsdienst zusammen.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Wie viele Patienten müssen gerade stationär behandelt werden?

In unserem ganzen Gebiet in Ostsachsen sind es aktuell 137 Patienten, die in den Kliniken behandelt werden und 28, die beatmet werden müssen. Bei uns am Uniklinikum haben wir zurzeit acht normalstationäre Fälle und fünf Menschen müssen beatmet, also intensivmedizinisch betreut werden.

Was wissen wir über die Patienten, die einen schweren Verlauf durchmachen müssen?

Ein Großteil der Patienten sind Männer, viele davon schon älter und mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Lungenerkrankungen.

Wie werden die Patienten genau behandelt?

Die schweren Verläufe behandeln wir genauso wie etwa schwere Lungenentzündungen und bei den leichteren Verläufen behandeln wir die Symptome wie Fieber und Husten. Bei den schwereren Verläufen beobachten wir leider bei vielen zusätzliche bakterielle Lungenentzündungen mit multiresistenten Keimen.

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Konnten Sie schon erste Erkenntnisse gewinnen, wie lange sich die Corona-Infektion in etwa hinzieht?

Bei einem leichteren Verlauf etwa sieben bis 12 Tage. Viele sind danach auch wieder arbeitsfähig. Bei Patienten, die wir beatmet haben und nun von der Maschine entwöhnen, gehe ich von einer langen Reha-Phase aus.

Können Sie schon etwas zu den Langzeitfolgen nach einer Infektion sagen?

Es gibt noch nicht viele Daten, aber wir beobachten, dass sich das vormals entzündete Lungengewebe im Zuge der Heilung in Bindegewebe umwandelt. Damit bleibt die Lungenfunktion dann dauerhaft eingeschränkt.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Wir beobachten, dass Rauchen natürlich ein Risiko ist genauso wie Bluthochdruck und Übergewicht.

Sollten die Infektionszahlen wieder steigen, wie gut vorbereitet ist das Uniklinikum?

Wir sind maximal gut vorbereitet. Wir konnten jederzeit die zehnfache Kapazität vorweisen von dem, was aktuell gebraucht wird. Zurzeit haben wir im Verbund Ostsachsen mit den 35 Kliniken 300 bis 400 Intensivbetten, könnten aber jederzeit auf 700 hochgehen.

Wann wird es wieder losgehen mit den verschobenen anderen Operationen wie bei Krebserkrankungen?

Wir haben in den vergangenen Wochen bestimmte Eingriffe wie bei Tumoren oder Herzerkrankungen verschieben müssen, wenn es dem Patienten zuzumuten war. Was dringend nötig war, wurde natürlich gemacht. Das müssen wir nun wieder in Angriff nehmen, denn deren Prognosen verschlechtern sich, je später wir beispielsweise operativ behandeln können. Wir dürfen diese Eingriffe demnach nicht noch viel länger hinausschieben. 

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